Eine Sprechstundengehilfin übergibt einer Patientin ein Rezept
Mit den gefälschten Rezepten könnten die mutmaßlichen Betrüger einen Millionenschaden angerichtet haben. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Mühlhausen | Berlin | Königs Wusterhausen Schlag gegen mutmaßliche Rezept-Betrüger

Die Kripo Nordhausen und die Staatsanwaltschaft Mühlhausen sind einem bundesweiten Betrugssystem mit Arzneimittelrezepten auf der Spur. In Berlin, Niedersachsen und Brandenburg haben die Beamten Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Bei drei Beschuldigten klickten die Handschellen.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Eine Sprechstundengehilfin übergibt einer Patientin ein Rezept
Mit den gefälschten Rezepten könnten die mutmaßlichen Betrüger einen Millionenschaden angerichtet haben. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Die Täter waren offenbar gut vorbereitet, als sie die Apotheken betraten. Sie sollen sich mit Perücken und Brillen getarnt haben, vermerkten die Überwacher der Polizei. Seit Tagen waren sie einem Mann und einer Frau auf der Spur. Quer durch die Bundesrepublik. Mal war es eine Apotheke in Hildesheim in Niedersachsen, mal eine in Karlsruhe in Baden-Württemberg. Rund ein Dutzend Rezepte sollen wohl alleine in den Tagen der Überwachung über die Ladentische der betroffenen Apotheken gegangen sein.

Mit gestohlenen Patientendaten Rezepte gefälscht

Dabei, so der Verdacht der Ermittler, handelt es sich um gefälschte Rezepte. Sie sind offenbar Teil eines jahrelangen Betrugssystems, das die Ermittler der Kripo Nordhausen und der Staatsanwaltschaft Mühlhausen in mühsamer Kleinarbeit aufgedeckt haben. Die Mühlhäuser Staatsanwaltschaft ermittelt, weil die ersten Fälle in der Region rund um Nordhausen registriert wurden.

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen sich die drei Beschuldigten eine Patientendatenbank aus einer Psychiatrischen- und Psychotherapeutischen Praxis in Bad Lauterberg in Niedersachsen besorgt haben. Mit diesen Daten wurden dann offenbar die Rezepte gefälscht. Diese, so der Verdacht, wurden bundesweit bei Apotheken eingelöst, in Folge Krankenkassen bei den Abrechnungen betrogen.

Illegal beschaffte Arzneien weiterverkauft

Die so beschafften Arzneimittel sollen über eine Apotheke in Königs Wusterhausen in Brandenburg weiterverkauft worden sein. Dabei, so der Verdacht, wurden sie direkt an Patienten weitergegeben und bei der Krankenkassen abgerechnet. Die Inhaberin der Apotheke gehört zu den Hauptbeschuldigten. Diese Apotheke soll auch als eine Art Großhändler aufgetreten sein und die Präparate an andere kleinere Apotheken verkauft haben.

Schadenssumme "Hunderttausende"

Bei der Einschätzung des entstandenen Schadens hält sich die Staatsanwaltschaft Mühlhausen zurück. Man gehe aber davon aus, dass er in die Hundertausende gehen könnte. Dass dies wohl niedrig angesetzt ist, zeigen Ermittlungen der Fahnder. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen mit den gefälschten Rezepten Medikamente beschafft worden sein, die innerhalb weniger Tage einen Umsatz von 50.000 Euro gebracht haben sollen. Der Betrug könnte also bis in den Millionenbereich gehen, das System soll bereits seit 2012 laufen.

Das Apotheken-Logo ist auf einer Scheibe einer Apothekezu sehen.
Auch eine Apothekerin soll Mitglied der Betrügerbande gewesen sein (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Ermittlungen selbst sind vor etwa drei Jahren angelaufen. Damals, so heißt es aus Ermittlerkreisen, seien bei Apotheken im Raum Nordhausen gefälschte Rezepte aufgetaucht. Die Polizei wurde informiert und begann mit ihren Nachforschungen. Deshalb läuft das Verfahren jetzt in Thüringen bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Auch eine Krankenkasse reklamierte, dass bei ihr wiederholt gefälschte Rezepte auftauchten.

Kripo Nordhausen ermittelt intensiv

Die Kripo in Nordhausen intensivierte in den vergangen Monaten ihre Ermittlungen. Wie sie genau auf die drei Hauptbeschuldigten gestoßen ist, da halten sich die Ermittler noch bedeckt. Allerdings gingen die Fahnder mit hohem technischen Aufwand an den Fall. So sollen seit Wochen die Telefone der Beschuldigten abgehört worden sein. Ihre Mobilfunkdaten wurden flächendeckend überwacht, um Bewegungsprofile zu erstellen. In den vergangenen Wochen wurden die mutmaßlichen Täter von Spezialisten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) des Thüringer Landeskriminalamtes beschattet.

Am Dienstagmorgen klickten dann die Handschellen. Für den morgigen Mittwoch ist eine Haftvorführung am Amtsgericht in Mühlhausen geplant. Dann wird entschieden, ob die drei mutmaßlichen Täter in Untersuchungshaft bleiben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 14. Mai 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 16:47 Uhr

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4 Kommentare

14.05.2019 21:10 martin 4

@ sonja: Sie möchten Bild, Name, Anschrift, Ethnie und Religionszugehörigkeit gleich veröffentlicht haben? Wie wäre es, wenn Sie vielleicht erst einmal den Richter seine Arbeit machen lassen?

Übrigens: In der Lage wäre die Polizei schon. Aber auch wenn es für manche Kommentatoren schwer aushaltbar ist: In einem Rechtsstaat haben auch Beschuldigte Rechte, die zuweilen gewichtiger sind, als die der neugierigen Öffentlichkeit. Wenn der Verdacht soweit erhärtet ist, dass die Staatsanwaltschaft Klage erhebt und das Gericht diese zulässt, dann findet die öffentliche Hauptverhandlung statt.

14.05.2019 21:03 Gerd Müller 3

Die Raffgier kennt keine Gesetze, wie in der Politik.

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