Jugendrichter Jürgen Schuppner in einem Gerichtssaal
Jürgen Schuppner sprach in etlichen spektakulären Prozessen Recht in Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mühlhausen Jugendrichter: "Heute wird hemmungsloser zugeschlagen"

Nach 25 Jahren als Vorsitzender Richter in Mühlhausen geht Jürgen Schuppner in den Ruhestand. Am Montag ist sein letzter Arbeitstag. Er wird die Mitarbeiter vermissen, wenngleich er auch froh ist, keine Entscheidungen mehr treffen zu müssen.

von Cornelia Hartmann

Jugendrichter Jürgen Schuppner in einem Gerichtssaal
Jürgen Schuppner sprach in etlichen spektakulären Prozessen Recht in Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jürgen Schuppner hat in spektakulären Prozessen Recht gesprochen: im sogenannten Satanistenprozess, im Verfahren um den Messerangriff auf einen Mitschüler in der Klosterschule Rossleben und in unzähligen Missbrauchsprozessen. Besonders ein Fall sei ihm lange nicht aus dem Kopf gegangen, sagt Schuppner. Ein Arzt hatte einen kleinen Patienten missbraucht und die Taten aus zwei Perspektiven professionell gefilmt. Diese Bilder mussten sich die Richter in der Vorbereitung und während des Prozesses ansehen. Das habe ihn an die Grenze seiner Professionalität geführt, so Schuppner.

Seit Dezember 1993 war er Vorsitzender der Jugendkammer des Landgerichts Mühlhausen. "Im Namen des Volkes" - diese Urteilsformel hat er ernst genommen. Bei Angeklagten unter 18 Jahren sind Verhandlungen grundsätzlich nicht öffentlich. Bei Fällen, die die Menschen bewegten, machte Schuppner immer von einer Ausnahmeregelung Gebrauch. Zur Urteilsverkündung ließ er Besucher und Presse zu. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf zu erfahren, wie die Justiz mit solchen Fällen umgehe, so seine Begründung. Er will, dass man draußen versteht, warum Richter welche Strafen verhängen.

Taten gleich, Täter anders

Die Taten seien gleich geblieben, sagt Schuppner, vor allem im Bereich des Sexualrechts. Auch die Drohungen hätten sich nicht verändert: "Wenn du was sagst, kommt Papi ins Gefängnis und du ins Heim", sei etwa eine gängige Drohung. Aber die Täter, die hätten sich verändert. "Früher hatten wir nie Geständnisse", so der langjährige Richter. Heute sei es einem Täter viel öfter möglich zu gestehen - und den Kindern damit die Aussage zu ersparen. Bei jugendlichen Straftätern hat Schuppner einen Anstieg der Gewaltbereitschaft beobachtet, heute werde hemmungsloser zugeschlagen als früher. Er habe den Verdacht, dass Spiele und Filme, in denen Gewaltfantasien gezeigt werden, dazu beitragen, so etwas in die Realität umzusetzen, so Schuppner.

Deutschland habe ein gutes Strafrecht, nur das Prozessrecht müsse praktikabler werden, so Schuppner. Ändern müsse sich allerdings die Einstellung des Staates zur Justiz. "Die soll so mitlaufen, aber das geht nicht", sagt Schuppner. Es müsse viel mehr Geld in Personal und Material investiert werden, um den Rechtsstaat so zu betreiben, wie er es verdient. Das koste, und das müsse man in die Hand nehmen. Als Beispiel nannte Schuppner eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die einen täglichen Richterbereitschaftsdienst von sechs bis 21 Uhr vorsieht. Man erwäge ernsthaft, das mit dem vorhandenen Personal zu machen. Das könne er nicht nachvollziehen, so Schuppner, es dränge sich geradezu auf, das da neues Personal kommen muss.

Nach 25 Jahren als Vorsitzender Richter in Mühlhausen geht Jürgen Schuppner nun in den Ruhestand. Am kommenden Montag ist sein letzter Arbeitstag. Er verlasse das Haus mit gemischten Gefühlen. Dass er nicht mehr entscheiden müsse, sei eine Erleichterung. Die Mitarbeiter aber werde er vermissen. Sie seien ihm sehr ans Herz gewachsen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 16. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 12:16 Uhr

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