Riesenbratwurst im Bratwurstmuseum Holzhausen
Diese Riesenbratwurst in Holzhausen soll bald nach Mühlhausen umziehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Breite Zustimmung Neuer Platz für Bratwurstmuseum in Mühlhausen

In Mühlhausen brennen die Leute für die Bratwurst, die in dieser Gegend eigentlich Rostwurst heißt. Da der neue Standort aber auf dem Gelände eines Außenlagers des ehemaligen KZ Buchenwald lag, bekam die Wurst zumindest ein Geschmäckle. Nicht weit entfernt hat die Stadt jetzt einen neuen Platz gefunden.

von Karin Bühner

Riesenbratwurst im Bratwurstmuseum Holzhausen
Diese Riesenbratwurst in Holzhausen soll bald nach Mühlhausen umziehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit dem "Bratwurstvertrag", abgeschlossen am 30. Januar in Holzhausen zwischen dem Verein des Deutschen Bratwurstmuseums, der Stadt Mühlhausen und dem Investor Jan Kratochwil, ist so manchem der Appetit vergangen. Die einen sind nach wie vor Feuer und Flamme, die anderen sagen: "Die Wurst schmeckt nicht mehr". Denn auf dem Standort, der für das Museum auserwählt wurde, befand sich früher ein Außenlager des KZ-Buchenwald. Der Aufschrei, das Entsetzen waren groß. "Geschichtsvergessenheit ist gefährlich", sagte Reinhard Schramm von der Jüdischen Landesgemeinde.

Neuer Anlauf

Keine drei Wochen nach dem Debakel ist jetzt ein neues Grundstück für das Deutsche Bratwurstmuseum gefunden. Es soll einen Steinwurf entfernt ebenfalls am Stadtwald gegenüber dem ursprünglich geplanten Gelände errichtet werden. Für den neuen Platz soll Ende Februar im Stadtrat Baurecht geschaffen werden. Der Bauausschuss wird am Montag dazu beraten.

Breite Zustimmung

Neuer Standort für das Bratwurstmuseum Mühlhausen
Neuer Standort für das Bratwurstmuseum - da wo jetzt noch eine grüne Wiese ist. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Der neue Platz auf der grünen Wiese findet breite Zustimmung. "Dagegen haben wir nichts", sagte Reinhard Schramm von der Jüdischen Landesgemeinde. Beim Verein des Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen herrscht erneut Aufbruchstimmung. Geschäftsführer Thomas Mäuer hat das neue Gelände bereits begutachtet und für attraktiv befunden. Hier sei genug Platz, um die Thüringer Lebensart und das Kulturgut "Bratwurst" zu feiern und zu würdigen.

Auch viele Mühlhäuser Einwohner begrüßen die schnelle Findung. Für viele ist das Bratwurstmuseum ein Highligt in einer Stadt, in der sich seit Jahren so richtig nichts mehr getan hat. Bei einer Umfrage von MDR THÜRINGEN unter Mühlhäusern überwog die Freude. Auch zahlreiche Stadträte können sich mit der neuen Lösung anfreunden.

Am Montag wird der Bauausschuss des Stadtrates zum neuen Standort des geplanten Bratwurstmuseums beraten. Bauausschuss-Vorsitzender Norbert Mros (Linke) sagte, das Museum sei ein wichtiger Impuls für den Tourismus und bei den Mühlhäusern hoch willkommen.

Mühlhäuser Stadtrat Norbert Mros
Norbert Mros (Linke) Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Deshalb werde daran festgehalten. Mros hält den neuen, rund drei Hektar großen Standort für geeignet. Das Gebiet ist laut Mros zum Teil Eigentum des Investors Jan Kratochwil und der Stadt Mühlhausen. Da bestehe möglicherweise noch Klärungsbedarf.

Im Stadtrat Ende Februar soll der ursprünglich gefasste Beschluss zurückgenommen und ein neuer Beschluss zur Bebauung des neuen Standortes gefasst werden. Dennoch sei es wichtig, das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers für ein würdiges Gedenken an die Zwangsarbeiter herzurichten, so Norbert Mros. Das hatte bereits Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) gesagt. Wie er im Stadtrat angekündigte, soll die Geschichte um das Außenlager des KZ Buchenwald von Historikern wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

"Enormer Imageschaden für Mühlhausen"

Einige Mühlhäuser Stadträte drängen vor der nächsten Stadtratssitzung allerdings auf eine Analyse. "Wir wollen wissen, warum es zu einer solchen Fehlentscheidung der Rathausspitze kam, ein Bratwurstmuseum auf einem Gelände zu etablieren, wo Zwangsarbeiter hungerten und unter unmenschlichen Bedingungen lebten", sagte Stadtrat Tobias Kühler (CDU). Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) habe der Stadt weltweit einen enormen Imageschaden zugefügt.

Mühlhäuser Stadtrat Tobias Kühler vor der Synagoge
Tobias Kühler (CDU) Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Schöne Bilder von der Vertragsunterzeichnung seien ihm offenbar wichtiger als ein würdiger Umgang mit der Mühlhäuser Stadtgeschichte gewesen. Niemand könne im Nachhinein sagen, er habe nichts gewusst vom Lager Martha II, so Kühler.

Zudem müssten sich auch die Stadträte fragen, warum sie gleich grünes Licht für das Museum auf dem umstrittenen Standort am Stadtwald gaben. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN bereiten einige Stadträte eine Erklärung vor, in der sie sich bei der Bevölkerung entschuldigen wollen. "Kollektives Schämen ist angesagt", so eine Stadträtin.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 10:40 Uhr

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13 Kommentare

19.02.2019 17:00 Nemet 13

Wie man überhaupt zu der Idee kommen konnte, auf einem KZ-Gelände einen Rummelplatz zu bauen, ist vollkommen unklar. Haben die Mühlhäuser Stadträte so wenig Ahnung von ihrer Stadtgeschichte? Dass aus der üblichen Ecke wieder gefordert wird, die Geschichte endlich ruhen zu lassen, ist normal und wundert niemanden.
Die Behauptung, viele Wohnhäuser würden auf ehemaligen Friedhöfen stehen, ist durch nichts bewiesen. Ich weiß allerdings, dass zu Zeiten der DDR in Leipzig ein ganzer Friedhof umgebettet wurde, bevor dort Neubauten errichtet worden sind. Ein Vergleich zwischen einem normalen Friedhof und einem KZ verbietet sich von vorn herein.

18.02.2019 14:46 Theo 12

Ein Museum für die Bratwurst?
Wahnsinn!!!! Ich bin seit über 10Jahren Vegetarierer, lebe sogar in Thüringen und habe viele Freunde, die sich auch Vegetarierer sind.
Ich werde dieses Museum mit Sicherheit nicht besuchen. Die wachsende Anzahl der Thüringer mit Adipositas wird dazu auch nicht in der Lage sein... .

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