Mühlhausen Verein prüft anderen Ort für Bratwurstmuseum

Das Deutsche Bratwurstmuseum wird nun doch nicht in den Mühlhäuser Stadtwald ziehen. Wo das Museum angesiedelt wird, ist noch unklar. Zuvor hatte es heftige Kritik am geplanten Standort gegeben.

Das Bratwurstmuseum wird nun doch nicht an den umstrittenen Standort am Mühlhäuser Stadtwald ziehen. Das sagte der Vorsitzende des Trägervereins, Uwe Keith MDR THÜRINGEN. Zuvor war die Kritik am Standort - einem früheren KZ-Außenlager - nicht abgerissen. Gesucht werde nun ein alternativer Ort in Mühlhausen oder anderswo. In den nächsten Tagen will sich der Verein mit Vertretern der Stadt und dem Mühlhäuser Investor Jan Kratochwil zu weiteren Gesprächen treffen.

Thüringens Kulturminister und Antisemitismusbeauftragter Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) und Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) erklärten am Freitag, dass es keinen Zweifel am Leid der in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten Internierten und an der Unmenschlichkeit des Systems der Zwangsarbeit geben dürfe.

Standort ist umstritten

Auch Politiker von Linke, SPD und Grüne haben gegen den neuen Standort Kritik erhoben. Katharina König-Preuss, Birgit Pelke und Madeleine Henfling unterschrieben eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es, es bleibe unser aller Verantwortung, dass solche Orte weiterhin zum Gedenken an die Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschlands genutzt würden. Im kompletten Widerspruch dazu stehe der Bau des Bratwurstmuseums.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, äußerte am Freitag heftige Kritik an den bisherigen Standortplänen. "Bei allem Verständnis für touristische Attraktionen ist eine derart unsensible und geschichtsvergessene Entscheidung in keiner Weise nachzuvollziehen", teilte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. "Im Interesse aller Beteiligten sollte umgehend eine andere Örtlichkeit gesucht werden."

Gedenktafeln, die in Mühlhausen an Zwangsarbeiterinnen erinnern, die während der Naziherrschaft dort inhaftiert waren.
Gedenktafel für die Häftlinge des ehemaligen Außenlagers "Martha II“ des KZ Buchenwald, die als Zwangsarbeiter in der ehemaligen "Gerätebau GmbH“ arbeiten mussten. Bildrechte: Stadt Mühlhausen/MDR

Auch der Trägerverein des Museums zeigte sich schockiert. Man habe erst am Mittwoch von der Geschichte des Standortes erfahren, sagte Uwe Keith, Vorsitzender der "Freunde der Thüringer Bratwurst", am Freitag der dpa. "Vor dem Hintergrund der zu Tage getretenen Tatsachen werden wir in den nächsten Tagen die historischen Hintergründe aufklären und unter Einbeziehung aller Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung eine komplette Neubewertung vornehmen."

Bratwursttheater und Hotels

Am Donnerstagabend hatte der Stadtrat der Änderung des Flächennutzungsplanes zugunsten eines Bratwurstmuseums auf dem ehemaligen KZ-Gelände mit großer Mehrheit zugestimmt. Auf dem Gelände sollte zudem ein Gedenkort entstehen. Damit sollte nach Angaben von Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) an das einstige Außenlager des KZ Buchenwald erinnert werden. Ob es diesen Gedenkort noch geben wird, blieb offen.

Das Bratwurstmuseum ist bislang in Holzhausen bei Arnstadt angesiedelt. Der Mühlhäuser Unternehmer Jan Kratochwil will mehrere Millionen in das Museum, ein "Bratwursttheater" und Übernachtungsmöglichkeiten investieren. Er hatte die Fläche am Stadtwald vor elf Jahren gekauft. An der ehemaligen Rüstungsfabrik am Stadtwald, unweit der ehemaligen Gefangenenunterkünfte, erinnert bereits eine Stele an die Zwangsarbeit von rund 700 Frauen, darunter Jüdinnen aus Polen und Ungarn.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 17:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

34 Kommentare

03.02.2019 15:26 Fakt 34

>>Eddie, #33:
"In meinem Ort wurde ein Discounter Markt mit Bäcker und Fleischer auf einem alten Friedhof Gelände errichtet"<<

Friedhöfe können umgewidmet werden, dann ist eine geänderte Nutzung kein Problem. Bei Gedenkstätten, insbesondere einer solchen wie in diesem Fall, hätte ich da arge Bedenken.

03.02.2019 11:51 Eddie 33

Es ist einfach schade,dass der Standort nicht anerkannt wird,wäre eine Wiederbelebung der Gegend. In meinem Ort wurde ein Discounter Markt mit Bäcker und Fleischer auf einem alten Friedhof Gelände errichtet und findet großen Zuspruch und Andrang aus vielen Orten. Ein Vorschlag wäre eventuell der alte Übung Schießplatz Großlohra/Hainleite als Standort,Nähe BAB 38 in Richtung Ebeleben,genügend Platz ist dort vorhanden.

Mehr aus der Region Nordhausen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Sömmerda

Mehr aus Thüringen

Thüringen

Eine Bushaltestelle an einer Straße in Kaltensundheim. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Lokalposse erlebt zurzeit Kaltensundheim im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Ein neues Wartehäuschen steht zu nah an der Straße.

Do 22.08.2019 10:00Uhr 00:49 min

https://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/schmalkalden-meiningen/video-330182.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video