Nach Teilgeständnis Tierquälerei und Schussverletzung: "Pferderipper" von Heiligenstadt verurteilt

Der "Pferderipper" von Heiligenstadt ist verurteilt. Fünf Jahre nachdem in der Stadt im Eichsfeld ein Pony und ein Pferd misshandelt wurden, hat das Amtsgericht Mühlhausen einen 32-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ein Pony war nach schweren Misshandlungen verendet, eine Stute konnte sich mit schweren Verletzungen befreien und überlebte. Außerdem sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Nachbarin mit einer Schusswaffe verletzt hatte.

Akten liegen auf Tischen
Akten im Gerichtssaal des Amtsgerichts in Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Das Amtsgericht Mühlhausen hat einen 32-Jährigen aus Heiligenstadt zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren Haft verurteilt. Außerdem muss er 1.000 Euro Auflage an das Tierheim in Heiligenstadt zahlen. Der Mann hatte vor fünf Jahren ein Pony und eine Stute mit einem Messer angegriffen. Das Pony verendete qualvoll.

Richter: Angeklagter sei "tickende Zeitbombe"

Richter Rüdiger Richel sprach von einem "Ausnahmeurteil" wegen roher Tiermisshandlung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung. Trotz erheblicher Vorstrafen habe sich das Schöffengericht für eine Bewährungsstrafe entschieden. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und vier Monate Haft für den 24-fach Vorbestraften gefordert. Die Verteidigerin plädierte auf ein Jahr Haft auf Bewährung.

Laut Urteil hat der Angeklagte eine geringe Hemmschwelle zu Gewalt. Richter Richel bezeichnete den Angeklagten im Prozess als "tickende Zeitbombe".  Für eine psychiatrische Unterbringung fehle aber die entsprechende Einschätzung des Gutachters. Der hatte den Mann bei allen vorgeworfenen Taten als "voll schuldfähig" erklärt.

Ein Mann neben einer Anwältin in einem Gerichtssaal
Der Angeklagte im Gerichtssaal des Amtsgericht Mühlhausen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Urteil wegen Schussverletzung - Messerangriff nicht nachweisbar

Neben den Tiermisshandlungen waren ihm noch zwei gefährliche Körperverletzungen vorgeworfen worden. In einem Fall traf er eine Nachbarin mit einem Diabolo aus einer Luftdruckwaffe an der Schulter. Das hätte laut Urteil auch ins Auge gehen können. Die ebenfalls angeklagte Messerattacke vor vier Jahren im Kurpark von Heiligenstadt war ihm nicht nachzuweisen. Zu widersprüchlich seien die Aussagen der Zeugen bezüglich des Messers, das einem Opfer in den Rücken gerammt wurde.

Pony verendete qualvoll - Stute überlebte schwer verletzt

Vor mehr als fünf Jahren hat der Angeklagte das Pony "Haley" mit einem Messer so schwer verletzt, dass es auf einer Weide am Stadtrand in Heiligenstadt verblutete. Der Todeskampf dauerte eine Stunde; die ebenfalls schwer verletzte Stute "Floretta" konnte sich losreißen und überlebte. An die Taten habe er keine Erinnerung aufgrund von Drogen und Alkohol, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe aber nicht gesagt, dass er es nicht gewesen sei.

Ein Mann hält in einem Stall ein Pferd mit einer blau besprühten Wunde am Hals am Halfter fest
Vor fünf Jahren hatte der Verurteilte eine Stute und ein Pony schwer misshandelt. Das Archivbild zeigt nicht den Täter. Bildrechte: Martin Wichmann

Im Gutachtergespräch und gegenüber der Polizei hat er die Tiermisshandlungen schon einmal zugegeben. Eine DNA-Spur an einem Seil hatte ihn erst 2017 überführt. Dass weitere drei Jahre bis zu einem Prozess vergingen, könne nicht zu Lasten des Angeklagten gehen, so das Gericht. In einem Prozess kurz nach den Taten hätte er eine kurze Haftstrafe verkündet, sagte Richter Richel. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. August 2020 | 16:30 Uhr

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