Pfarrer mit einer Kloßpresse am Altar
Pfarrer Tobias Krüger beim Kloß-Gottesdienst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heimatpflege Kloßsonntag in der Petrikirche Mühlhausen

Was macht der Kloß im Gottesdienst? Diese Frage ist am Sonntag in der Mühlhäuser Petrigemeinde ausführlich, anschaulich und ganz schmackhaft beantwortet worden. "Der Kloß steht für die Thüringer Heimat, und wir als evangelische Kirche wollen die Liebe zur Heimat stärken", sagte Pfarrer Tobias Krüger.

von Karin Bühner

Pfarrer mit einer Kloßpresse am Altar
Pfarrer Tobias Krüger beim Kloß-Gottesdienst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund 100 Besucher sind am Sonntag zum ersten Thüringer Kloß-Gottesdienst in Mühlhausen gekommen. Wie Pfarrer Tobias Krüger MDR THÜRINGEN sagte, sei das ein vielversprechender Beginn in der neuen "Heimat-Reihe" der evangelischen Petrigemeinde. Es gehe darum, die Thüringer Traditionen lebendig zu erhalten und auch den jungen Menschen das Gefühl zu geben, hier Zuhause, willkommen und verantwortlich für die Heimat zu sein.

Der Kloß steht für die Thüringer Heimat, und wir als evangelische Kirche wollen die Liebe zur Heimat stärken.

Pfarrer Tobias Krüger

Die Menschen sollten sich an die Traditionen erinnern und daran, dass mit der Schöpfung wieder sorgsamer umgegangen werde. Das Heimatgefühl zu stärken bedeutet laut Pfarrer Krüger auch, sich verantwortlich zu fühlen für die Mitmenschen und die Umwelt.

Kloß-Gottesdienst zum Mitmachen

Der Gottesdienst lud zum Mitmachen ein, zum gemeinsamen Arbeiten, Fachsimpeln und Essen. Getreu dem Motto: "Ohne Kloß nix los". Nach der Orgelmusik und einer kurzen Predigt zum Thema Schöpfung hielt der Ökolandwirt Gerd Marold aus Mittelsömmern im Unstrut-Hainich-Kreis einen Lichtbildervortrag zum Kartoffelanbau in Thüringen. In Thüringen sei der Kartoffelanbau drastisch zurückgegangen, so der Ökolandwirt. Wurden zur Wende in Thüringen noch Kartoffeln auf 30.000 Hektar angebaut, so gab es sie im vergangenen Jahr nur noch auf 1.800 Hektar. Die Erdäpfel seien kein Grundnahrungsmittel mehr, sondern nur noch eine Gemüseart von vielen, so Marold.

Bevor die Besucher in der Kirchenküche Kartoffeln schälten, pressten und die Klöße kochten, ging es im Gottesdienst um den Kartoffelanbau.
Bauer Ralf Marold und Gärtner Günther Langer fachsimpeln über den Kartoffelanbau. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Er baut noch auf 30 Hektar Kartoffeln an, die in ganz Deutschland Abnehmer finden. Doch die Kunden seien sehr wählerisch. Nur jede zweite Kartoffel wird gegessen. Jeder noch so kleine Fehler, zum Beispiel wenn die Kartoffel den vorgegebenen Maßen nicht entspricht, führt zum Aussortieren.
Außerdem macht sich noch ein weiterer Trend bemerkbar: Kartoffeln kommen größtenteils verarbeitet in den Handel: als Pommes Frites, Püree, Herzoginnenkartoffeln, Schupfnudeln, Röstis, Knödelteig oder tiefgefroren als Thüringer Klöße.

So zeigte sich während des Kloß-Gottesdienstes, dass die meisten Teilnehmer nicht wussten, wie man Thüringer Klöße selbst herstellt. Unter fachkundiger Anleitung einiger Gemeindemitglieder wie Karin Bittner und Evelin Vogt halfen dann viele mit beim Schälen, Pressen, Grießbrei kochen und Formen. In großer Runde wurden die Klöße mit Rouladen verspeist.

Die Besucher waren begeistert. "Einen solchen Gottesdienst habe ich noch nicht erlebt. Diese Herzlichkeit, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl - einfach toll", schwärmte auch der Kartoffelbauer Gerd Marold. Er will diese Idee mit nach Mittelsömmern in seine Heimat nehmen.

Noch mehr Heimat in der Kirche

Der Auftakt für die Heimatreihe sei vielversprechend gewesen, so Pfarrer Tobias Krüger. Auf jeden Fall werde es weitergehen. Jetzt werden Ideen für weitere Mitmach-Gottesdienste gesucht. Unter anderem werde an Osterbräuche gedacht oder das Konservieren von Obst. Am 24. Februar stellt sich die Keramikerin Marion Walther vor und zeigt im Gottesdienst, wie aus einem Stück Ton eine kunstvolle Plastik entsteht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Februar 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 15:28 Uhr

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9 Kommentare

11.02.2019 20:58 Wächter 9

Ich würde hier gern mal nur zwei Fragen an den Herrn Pfarrer Tobias Krüger richten wollen.
Der Kloß steht für die Thüringer Heimat u. Sie wollen im Namen der evangelischen Kirche die Liebe zur Heimat stärken. Wieviel Leidenschaft und Einfallsreichtum verwenden Sie, Ihrem ursprünglichen Auftrag, den Menschen das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkünden und schmackhaft zu machen?
Wie wichtig und wertvoll ist Ihnen dieser Auftrag, bzw. Dienst und benötigen Sie wirklich diese Art von Traditionsvermittlung um Menschen in Ihre Gottesdienste in die Kirche der Mühlhäuser Petrigemeinde einzuladen?
Ich habe nichts gegen Thüringer Traditionen einzuwenden und sie sollten und sollen auch in der Tat lebendig gehalten werden.
Aber trotz Allem weiterhin, fröhliche Gemeinschaft u. gesegneten Appetit.

11.02.2019 18:56 Maria A. 8

Es ist zwar schön, dass man sich in manchen Kirchen darauf besinnt, mal wieder die eigene Heimat in den Fokus zu stellen. Doch stehe ich zu der Auffassung, dass von der Kanzel herab Gottes Wort verkündet werden sollte. Denn dazu geht man sonntags zur Kirche. Es gibt doch übers Jahr so viele Möglichkeiten für eine Kirchgemeinde, im Pfarrhaus zusammenzukommen, um sich über verschiedenste Themen oder Heimatbräuche auszutauschen. Um eventuell auch ungezwungen gemeinsam über die Kloßzubereitung zu fachsimpeln...

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