Das Gelände der ehemaligen Kaserne in Mühlhausen
Noch ist nicht endgültig geklärt, wie die ehemaligen Görmar-Kaserne nachgenutzt wird. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

"Wie das nationale Cyber-Abwehrzentrum in Mühlhausen mitteilt..." Mühlhausen will sich um Cyber-Abwehrzentrum bewerben

Die Stadt Mühlhausen will Standort für ein zentrales "Cyber-Abwehrzentrum plus" werden. Der Stadtrat will über eine entsprechende Initiativbewerbung entscheiden. Die Fraktionen der Bürgerliste/FDP, SPD und CDU haben gemeinsam vorgeschlagen, das von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angeregte neue Abwehrzentrum nach Mühlhausen zu holen. Die zentrale Lage der Stadt und ein bereits gut ausgebautes digitales Netz werden in der Beschlussvorlage als Vorteile angeführt.

von Thomas Kalusa

Das Gelände der ehemaligen Kaserne in Mühlhausen
Noch ist nicht endgültig geklärt, wie die ehemaligen Görmar-Kaserne nachgenutzt wird. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Wäre das vorstellbar? Mühlhausen als Zentrum im Kampf gegen Trojaner und Hacker aus allen Teilen der Welt?

Mehrere Fraktionen des Stadtrates von Mühlhausen wollen am kommenden Donnerstag den Antrag stellen: Die Stadt Mühlhausen möge sich im Rahmen einer Initiativbewerbung als Standort für ein neu einzurichtendes "Cyber-Abwehrzentrum plus" bewerben. Die Fraktionen Bürgerliste für Mühlhausen/FDP, CDU und SPD sehen darin die Ergänzung zur Bereitschaft Thüringens, sich um dieses neue Bundesamt zu bewerben. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CDU) hatte nach dem Mega-Datendiebstahl bei Bundestagsabgeordneten Anfang des Jahres eine neue Anti-Hacker-Abteilung angekündigt.

Weil Thüringen mit seiner zentralen Lage in Deutschland argumentiere, sei Mühlhausen in der Mitte Thüringens genau der richtige Standort, sagte CDU-Stadtfraktionschef Volker Bade MDR THÜRINGEN.

Das Gelände der ehemaligen Kaserne in Mühlhausen
Die Teilfläche B der Görmar-Kaserne mit den alten Panzerhallen könnte neu bebaut werden. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Hintergrund für die Initiative des Stadtrates ist natürlich auch die schlechte wirtschaftliche Lage von Mühlhausen. Man sei immer bestrebt, potentielle Arbeitgeber für Mühlhausen zu begeistern. Dazu komme aber auch eine noch nicht beglichene Schuld des Bundes gegenüber Mühlhausen: Als vor acht Jahren die Auflösung des Bundeswehrstandortes Mühlhausen in Berlin beschlossen wurde, hatte man eine Kompensation für den Abzug der mehr als 800 Soldaten versprochen.

Daraus ist bisher nichts geworden. Man fühlt sich abgehängt. Übrigens auch vom Land Thüringen, das aus Sicht der Mühlhäuser bei lukrativen Ansiedlungen immer Standorte entlang der "Perlenkette" an der Autobahn 4 von Eisenach bis Jena bevorzugt. Zudem gibt es ja noch die Görmar-Kaserne, ein bewachbares umzäuntes Gelände im Osten der Stadt. Für die Informatiker und Nerds, die künftig in einem "Cyber-Abwehrzentrum plus" arbeiten würden, stehe zudem reichlich Wohnraum in der geschichtsträchtigen Innenstadt zur Verfügung, so Volker Bade. Das sei etwas, das wohl weder westdeutsche Metropolen noch Jena, Weimar oder Erfurt bieten könnten.

Mühlhäuser Oberbürgermeister hat Zweifel an Erfolg einer Bewerbung

Auch Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) hält in Mühlhausen vieles für möglich. Talente habe die Stadt genug. Ob es aber etwas wird mit einem Cyber-Abwehrzentrum, da gebe es doch berechtigte Zweifel, sagte Bruns dem MDR. Zunächst einmal habe die Görmar-Kaserne tatsächlich eine vollausgestattete Glasfaser-Infrastruktur. Aber Platz in bestehenden Gebäuden gebe es nicht mehr, wenn der Landkreis wie geplant seine gesamte Verwaltung auf dem Gelände konzentriert. Das entscheidet sich in den nächsten 14 Tagen. Auch mehrere Firmen seien dort schon angesiedelt. Zwar gebe es eine Teilfläche B mit alten Panzerhallen, die neu bebaut werden kann. Aber nachdem was bekannt ist, hat sich der Bund längst für Bonn als Standort der neuen Bundesbehörde entschieden, so Bruns.

Johannes Bruns, Oberbürgermeister Mühlhausen
Mühlhausens Bürgermeister Johannes Bruns hat Zweifel am Bewerbungserfolg. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Aus nachvollziehbaren Gründen. Tatsächlich gibt es bereits ein kleines Cyber-Abwehrzentrum in Bonn mit allerdings nur zehn Mitarbeitern. Aber in Bonn sitzt auch die Telekom und - noch wichtiger - das Bundesamt für Sicherheit der Informationstechnik (BSI). Und das, so hat Oberbürgermeister Bruns erfahren, wird demnächst an einen neuen Standort direkt am Bonner Rheinufer umziehen. Baukosten 900 Millionen Euro. Schwer vorstellbar, dass ein Cyber-Abwehrzentrum dann in ein anderes Bundesland verlegt werde.

Mühlhausen müsse sich genauer überlegen, welches Bundesamt eventuell wirklich für Mühlhausen geeignet sei. Mit einer Bewerbung für ein Hacker-Abwehrzentrum laufe man Gefahr, sich auch auf Landes- und Bundesebene lächerlich zu machen, so Bruns. Die Stadt sei erstmal froh, wenn wie versprochen ab 2020 das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft angesiedelt werde. Die Bewerbung um ein "Cyber-Abwehrzentrum plus" habe in etwa die Qualität wie eine Antrag aus dem Dezember 2017. Da wollte sich Mühlhausen um den neuen Sitz des NATO-Hauptquartiers bewerben. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Für Donnerstag aber ist weiterhin noch alles offen. Die Antragsteller rechnen mit einer Zustimmung des Stadtrates, Oberbürgermeister Bruns ist sich da nicht so sicher.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. Januar 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2019, 10:38 Uhr

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4 Kommentare

27.01.2019 17:35 Ralf 4

Die Chancen stehen gut. Es werden in den kommenden Jahren mehr neue Behörden im Osten angesiedelt, das hat die Politik begriffen. Mühlhausen liegt strategisch in der Mitte Deutschlands gut und es würden auch zahlreiche gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen. Zu verlieren hat man bei der Bewerbung nichts und Chancen sind durchaus gegeben. Die Bewerbung ist auf jeden Fall richtig.

27.01.2019 15:27 Thüringer Original 3

Mühlhausen kann es ja mit einer Bewerbung versuchen, warum auch nicht. Das man sich damit lächerlich macht? Auch schlechte Bekanntheit kann Mühlhausen nur nützen. Und dass der Umzug des Landratsamtes noch immer nicht in trockenen Tüchern ist, verwundert mich. So schafft es der Landkreis zu vermeiden Sanierungsarbeiten zu bezahlen. Was passiert jedoch mit den alten Immobilien? Gehören die dem Landkreis? Als Bürogebäude will die sicherlich kaum jemand kaufen. Ob ein Umbau zu Wohnung günstig zu realisieren ist, ist eine berechtigte Frage.

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