Mühlhausen Museum lässt die Römerzeit wieder lebendig werden

Die Römer sind zurück in Thüringen! Eine Sonderausstellung des Kulturhistorischen Museums in Mühlhausen zeigt seit Sonntag archäologische Funde aus der Zeit vor rund 2.000 Jahren. "Roms verlorene Provinz" ist die erste Gesamtschau in Thüringen.

Archäologe Wulf Walther und Kurator Thomas Schierl in der Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen
Archäologe Wulf Walther (li.) und Kurator Thomas Schierl in der Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Großformatige Fotos, Gipsbüsten, lebensgroße Krieger und viele sensationelle Ausgrabungsfunde, vor allem aus jüngerer Zeit. Die mehr als 300 Exponate geben einen Einblick ins römische Leben in der "Provinz Germanien", wie die Römer über Jahrhunderte das Gebiet rechts vom Rhein bezeichneten.

Wechselhafte Beziehungen zwischen Germanen und Rom

Die Münzen, Gewandspangen, Fibeln, Beschläge, Keramik und Schlüssel zeigen auch die wechselhaften Beziehungen zwischen Germanien und dem Rom unter den Kaisern Augustus und Tiberius. "Die Bewohner des germanischen Siedlungsgebiets besaßen immer ein besondes Verhältnis zum mächtigen römischen Nachbarn", sagt Kurator Thomas Schierl. Für die Römer blieb es noch bis zum 4. Jahrhundert gedanklich immer eine römische Provinz. Die Germanen übernahmen römische Techniken der Metall- und Keramikverarbeitung. Auch das wird in der Sonderschau gezeigt. "Thüringen war ein Knotenpunkt, über den sehr viele Handels- und persönliche Kontakte liefen", erklärt Schierl. "Es gibt kaum eine reichere Fundlandschaft außerhalb des römischen Reichs wie in Thüringen".

Kurator Thomas Schierl trägt einige Kartons eine Treppe hinunter.
Kurator Thomas Schierl hat auch 120 Leihgaben in die Ausstellung eingebaut, darunter auch aus vielen Thüringer Museen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Funde stammen aus der archäologischen Sammlung des Museums, 120 sind Leihgaben aus ganz Deutschland und vielen Thüringer Museen. Viele jüngere Funde sind extra für die Ausstellung restauriert worden. Die zum Teil ungewöhnlichen Gegenstände zeugen vom alltäglichen Luxus, von geheimnisvollen Riten und berichten von Händlern, Handwerkern, Söldnern und Sklaven. Die Ausstellung zeigt einen Ausschnitt früher mitteldeutscher Geschichte bis hin zur Geburtsstunde Thüringens.

Wertvolle Funde im Unstrut-Hainich-Kreis

Wertvolle Exponate waren unter anderem bei Bothenheilingen (gefunden 2002), Kirchheilingen (2018) und Neunheilingen (2017) augegraben worden. Dazu zählt eine römische Gewandspange aus Bronze mit farbiger Emailleauflage aus dem 2. Jahrhundert. Fast genauso alt sind ein Schiebeschlüssel und ein Pferdegeschirr-Beschlag. Der Schlüssel wurde vor zwei Jahren unweit von Kirchheilingen entdeckt, der Bronzebeschlag bereits im Jahre 2002 in einer Siedlung bei Bothenheilingen. Metallrestaurator Helmut Biebler aus Körner im Unstrut-Hainich-Kreis hat einen Großteil der Funde extra für die Ausstellung fit gemacht.

Metallrestaurator Helmut Biebler vor einer Vitrine mit Ausstellungsstücken
Metallrestaurator Helmut Biebler Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Wegen seiner Größe und Vielfalt ist auch der Fund von Reiser (2018) unweit von Mühlhausen eine Sensation. "Hier waren Römer vor Ort", sagt Archäologe Wulf Walther. So viele Schuhnägel und Gewandspangen der Legionäre, Silber- und Bronzemünzen seien zuvor noch nie in Thüringen gefunden worden. Dazu gehören auch Überreste eines Brunnens mit Speisegeschirr aus einer römischen Manufaktur.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Ausstellung wird genau ein Jahr gezeigt. Geplant ist ein Begleitprogramm mit Führungen, Kinder- und Ferienangeboten sowie Filmvorführungen und wissenschaftlichen Vorträgen. Höhepunkt soll die Museumsnacht im August 2021 sein. Dann soll es auch einen Live-Auftritt der Römer-Darsteller geben, die in der Ausstellung auf großformatigen Fotos zu sehen sind.

Geschichte Ausstellung zur Römerzeit im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen

Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen
In seiner neuen Sonderausstellung lässt das Kulturhistorische Museum die Römerzeit wieder auferstehen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen
In seiner neuen Sonderausstellung lässt das Kulturhistorische Museum die Römerzeit wieder auferstehen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Kurator Thomas Schierl trägt einige Kartons eine Treppe hinunter.
Für die Ausstellung haben Kurator Thomas Schierl und seine Mitarbeiter zahlreiche Stücke aus dem Fundus des Hauses sowie Leihgaben zusammengestellt. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
16 Archäologe Wulf Walther mit einem Griff von einer Bronzeschale aus dem 1. oder 2. Jahrhundert, die vor 50 Jahren bei Niederdorla im UnstrutHainich Kreis gefunden wurde.
Archäologe Wulf Walther mit einem Griff von einer Bronzeschale aus dem 1. oder 2. Jahrhundert, die vor 50 Jahren bei Niederdorla im Unstrut-Hainich-Kreis gefunden wurde. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Metallrestaurator Helmut Biebler vor einer Vitrine mit Ausstellungsstücken
Metallrestaurator Helmut Biebler hat viele Ausstellungsstücke bearbeitet und gesäubert. Hier zeigt er auf den Schatz von Reiser. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Statuen in der Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen
Auch berühmte Römer finden ihren Platz in der neuen Ausstellung. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Archäologe Wulf Walther und Kurator Thomas Schierl in der Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen
Fachgespräch in der Ausstellung: Archäologe Wulf Walther mit Kurator Thomas Schierl. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen
Diese großformatigen Fotos wurden mit professionellen Schauspielern im Opfermoor in Niederdorla aufgenommen. Die Darsteller sollen beim Museumsfest im kommenden Jahr dabei sein. Bildrechte: MDR/Claudia Götze
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. September 2020 | 19:00 Uhr

Archäologe Wulf Walther und Kurator Thomas Schierl in der Römer-Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen
Fachgespräch in der Ausstellung: Archäologe Wulf Walther mit Kurator Thomas Schierl Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. September 2020 | 19:00 Uhr

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