Mühlhausen Richter Michael Krämer geht in den Ruhestand

Nach fast 27 Jahren Amtszeit geht der Mühlhäuser Richter Michael Krämer am Sonntag in den Ruhestand. Sein Engagement gegen die Schließungspläne für das Mühlhäuser Landgericht im Jahre 2004 ist noch gut in Erinnerung.

Ein Mann posiert für ein Foto vor einem Gebäude.
Richter Michael Krämer hat für den Justizstandort Mühlhausen gekämpft. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Während des Betrugsprozess gegen den CD-Fabrikanten Reiner Pilz hatte Krämer für Schlagzeilen gesorgt. Als Vorsitzender Richter einer Wirtschaftsstrafkammer durchsuchte er im Prozess um das CD-Werk in Suhl auch die Thüringer Staatskanzlei in Erfurt. Am Sitz des Ministerpräsidenten vermutete er 15 Ordner mit wichtigen Beweismitteln. Nachdem die Akten nicht freiwillig herausgegeben wurden, hatte Krämer sich mit dem BKA Zutritt verschafft und die Akten beschlagnahmt.

Abschied ohne Feier wegen Corona

Demonstration. Menschen mit Plakaten und Bannern.
Im Jahr 2004 gab es Pläne, Das Landgericht Mühlhausen zu schließen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Michael Krämer hatte sich wegen der Corona-Krise ohne Feier vom Landgericht Mühlhausen verabschieden müssen. Es war seine erste Stelle als Richter. Sein letzter Prozess war schon im März. Als Vorsitzender Richter einer großen und später einer kleinen Wirtschaftsstrafkammer galt er als gründlich, bewies Humor und Realitätssinn. Eine Kollegin hat ihn mit dem Slogan "Born to be wild" verabschiedet. Gut in Erinnerung ist Krämers Engagement gegen die Schließungspläne für das Mühlhäuser Landgericht. Im Jahre 2004 hatte es mehrere Demonstrationen in Mühlhausen gegeben, an der neben Politikern auch viele Richter, Staatsanwälte, Justizmitarbeiter und Anwälte teilnahmen.

Mit Megaphon hatte Krämer den neben ihm stehenden Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) aufgefordert, die Hände vom Justizstandort Mühlhausen zu lassen. Krämer sieht den Gerichtsstandort Mühlhausen und dabei besonders die Schwerpunktabteilung Wirtschaftskriminalität im Moment mit engagierten Richtern gut aufgestellt. Auch ein "gewisser räumlicher Abstand zu Erfurt" sei von Vorteil. Während der spektakulären Staatskanzlei-Durchsuchung vor 18 Jahren hatte auch der damalige Präsident des Oberlandesgerichtes angerufen und sie stoppen wollen. Später sagte der Anrufer, dass er "dabei seine Unschuld verloren" habe.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

0 Kommentare

Mehr aus der Region Nordhausen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Sömmerda

Mehr aus Thüringen