Unstrut-Hainich-Kreis Ruhewald Hainich für erste Bestattungen hergerichtet

von Claudia Götze

Markierte Bäume, Wege aus Holzspänen und Bänke für den Andachtsplatz. Der erste Nordthüringer Ruhewald in der Gemeinde Vogtei ist fertig. Der "Ruhewald Hainich" liegt an der Landstraße zwischen Oberdorla und Heyerode im Unstrut-Hainich-Kreis. Für die neue Ruhestätte ist der Waldparkplatz am "Hainichlandweg" vergrößert worden und ein Schotterweg in den Wald entstanden. An einigen Stellen sind kranke Bäume entfernt worden und kleine Lichtungen entstanden.

Die erste Fläche ist hergerichtet

Mitglieder der Laubgenossenschaft Niederdorla besichtigen den Ruhewald Hainich
Mitglieder der Genossenschaft bei einem Rundgang durch den Wald Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Laubgenossenschaft Niederdorla hat den ersten halben Hektar des "Ruhewaldes" hergerichtet. Auf insgesamt 20 Hektar können in den nächsten Jahrzehnten Verstorbene ihre letzte Ruhestätte finden. "Zunächst sind 140 Plätze gelistet", erklärt Projektkoordinator Karl-Heinz Fenkl bei einer Besichtigung den Waldeigentümern. Die Genossenschaftsmitglieder haben schon einige Jahre über ein alternatives Angebot nachgedacht. Ein früheres Mitglied wäre gern hier bestattet worden.

Gemeinschaftsbäume für Familien

Ein Mann lehnt an einem Baum
Bernhard Koch zeigt auf einen Baum, unter dem künftig Verstorbene bestattet werden können. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Vier Jahre später sind die ersten Bäume markiert. Überwiegend rund um Buchen, aber auch Eichen, Bergahorn und eine Wildkirsche sollen Menschen ihre letzte Ruhestätte finden. "Es gibt Gemeinschaftsbäume für Familien oder Freunde", erklärt Fenkl. Auch Partner könnten sich einen Ruheplatz nebeneinander reservieren. Um jeden Baum sollen bis zu zehn Urnen bestattet werden. Die Liegezeit beträgt mindestens 30 Jahre und maximal 99 Jahre ab dem Eröffnungstag. Die Namen der Verstorbenen werden auf Schildern am Baum sichtbar gemacht.

Andachtsplatz bietet Blick auf die Vogtei

Der Andachtsplatz im Ruhewald Hainich
Der Andachtsplatz Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Der Andachtsplatz am Rande des Ruhewaldes ist ebenfalls fertig. Von hier aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Vogtei, zu der neben Niederdorla und Oberdorla auch Langula gehört. "Ein würdiger Ort zum Abschiednehmen", finden die Genossenschaftler beim Rundgang. Es könnte ein toller Trost sein, hier im heiligen Wald zu liegen, sagt eine junge Frau. Hier werde auch nicht erwartet, dass regelmäßig Blumen am Grab stehen. "Hier ist man in der Natur".

Das Interesse ist seit Bekanntwerden der Pläne groß. Anfragen gibt es bereits aus Thüringen, aber auch aus Hessen. "Wir kümmern uns um den Ruhewald, aber nicht um die Bestattung", macht Genossenschaftschef Rüdiger Schönfeld klar. Vor Ort werde immer jemand da sein, der Besucher begleitet und Führungen anbietet.

Ein Mann zeigt ein Foto auf einem Smartphone
Projektkoordinator Karl-Heinz Fenkel Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Direkt am Ruhewald führt auch der "Hainichland-Wanderweg" vorbei. Die Laubgenossenschaft Niederdorla wird den Wald als Eigentümerin betreiben und mit der Gemeinde Oberdorla einen Vertrag abschließen. Am kommenden Donnerstag muss der Gemeinderat in Oberdorla grünes Licht geben für die veränderte Friedhofssatzung, die Gebühren und den Vertrag mit der Laubgenossenschaft Niederdorla. Die ersten Urnen könnten vielleicht schon im Oktober bestattet werden.

In Thüringen gibt es bereits in Wallbach (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) und in Bad Berka (Weimarer Land) vergleichbare Ruhewälder. Der Wallbacher Wald ist für die Niederdorlaer Betreiber ein wenig das Vorbild.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. September 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 19:21 Uhr

1 Kommentar

martin vor 6 Tagen

Ich finde es gut, dass es nun auch hier derartige Bestattungsangebote gibt. Mein Dank geht an alle, die solche Projekte gegen diverse Widerstände vorangetrieben haben / voran treiben!

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