Rathaus in der Kurstadt Bad Langensalza
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Heilbad Besserer Schutz für Schwefelquellen in Bad Langensalza

Seit über 200 Jahren sprudeln die Schwefelquellen in Bad Langensalza. Ihnen wird von Gesundheitsexperten heilende Wirkung attestiert, doch nun brauchen die berühmten Schwefelquellen selbst Hilfe. Im März 2019 muss Bad Langensalza seinen Status als Kurstadt beim Land neu verteidigen. Bis dahin müssen die Schwefelquellen in Ordnung und auch geschützt sein.

von Karin Bühner

Rathaus in der Kurstadt Bad Langensalza
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Seit über 200 Jahren sprudeln die Schwefelquellen in Bad Langensalza. Ihnen wird von Gesundheitsexperten heilende Wirkung attestiert, doch nun brauchen die berühmten Schwefelquellen selbst Hilfe. Bei drei von insgesamt sieben Brunnen, die im Quellgebiet vor den Toren der Stadt liegen, wurden Verunreinigungen festgestellt, darunter Kolibakterien. "Hier gibt es eine Null-Toleranz", sagte Betriebsleiterin Annett Standhardt von der Friederikentherme MDR THÜRINGEN. Ein großes Schutz-Paket für die Schwefelquellen wurde jetzt auf den Weg gebracht. Außerdem wird intensiv nach den Ursachen für die Verunreinigungen geforscht.

Suche nach den Ursachen

Leitung
Die Pumpentechnik wird regelmäßig kontrolliert und sorgsam gewartet. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

War es der heiße und trockene Sommer, war es verunreinigtes Unstrutwasser, gelangten von den nahen Feldern Pflanzenschutzmittel in die Quellen oder war es der Müll, der immer wieder im geschützten Quellgebiet illegal von Anwohnern entsorgt wird? Annett Standhardt und ihre Mitarbeiter von der Friederikentherme stehen vor einem Rätsel. Doch sie wollen und müssen es so schnell wie möglich lösen. "Wir haben keine Wahl. Die Schwefelquellen und der Status der Kurstadt sind eng miteinander verbunden", so die Chefin. Sie wird unterstützt von Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos). "Am Kurstadt-Status hängt das Wohl der ganzen Stadt inclusive des Tourismus", so Reinz. In diesem Jahr kamen bereits rund 160.000 Besucher in die Therme und zum Wellness-Urlaub in die Stadt.

Alarm im Quellgebiet

Im Sommer mussten immer mal wieder einzelne Quellen vom Pumpsystem genommen werden. Regelmäßige Proben hatten Verunreinigungen mit Bakterien ergeben. Die Leitungen wurden gespült, ein aufwändiges Prozedere begann. Nicht nur das. Teilweise wurde aus den betroffenen Brunnen kein Wasser mehr gepumpt, damit sich die Quelle regenerieren konnte. Da es insgesamt sieben Schwefelquellen im sogenannten Brunnenwäldchen vor den Toren der Stadt Bad Langensalza gibt, gab es keinen Engpass an sauberem Schwefelwasser. Die Versorgung der Kurgäste, die ein Wannenbad im Schwefelwasser nehmen, war immer gesichert. Doch die Betriebsleitung war alarmiert. So etwas hatte es noch nicht gegeben.

Quellgebiet wird streng geschützt

Mann in gefliestem Raum
Brunnentechniker Jörn Kraushaar von der Friederikentherme kontrolliert regelmäßig die Brunnenhäuser. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Das Quellgebiet der Schwefelquellen wird streng geschützt. Auf den umliegenden Feldern darf nicht gedüngt werden, auch Gras darf wegen möglicher Fäulnisbildung nicht liegenbleiben. Es herrscht außerdem Fahrverbot. Sollten Autos auch nur einen Tropfen Öl verlieren, herrscht schon Katastrophenstimmung. Müll abzuladen, ist ebenfalls streng verboten. Doch gerade die illegale Müllentsorgung hat deutlich zugenommen. "Immer mehr Menschen sind ins nahe Wäldchen gefahren, um Gartenabfälle und Hausmüll hinzukippen", so Haustechniker Jörn Kraushaar. Sogar eine Gasflasche und jede Menge Plastikmüll habe er unmittelbar an den Brunnenhäusern gefunden.

Brunnenhäuser werden umzäunt, Kontrollen und Bodenproben verstärkt

In den zurückliegenden Tagen wurde damit begonnen, die Brunnenhäuser am Rande der Stadt zu sichern. Das älteste Brunnenhaus von 1811 ist bereits umzäunt. Demnächst werden neue Schilder aufgestellt, die auf den Quellschutz hinweisen. Haustechniker Jörn Kraushaar wird auch öfter kontrollieren, ob das Fahrverbot zum Quellgebiet eingehalten wird. Zudem werden Bodenproben veranlasst.

Gebäude
Das erste von sieben Brunnenhäusern wurde bereits eingezäunt, weil hier immer wieder illegal Müll abgelagert wurde. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Nicht nur auf den nahen Feldern, sondern auch das Wasser der Unstrut, nur knapp 100 Meter entfernt, soll untersucht werden. Zudem will die Betriebsleiterin der Friederikentherme, Annett Standhardt, die Bevölkerung stärker sensibilisieren. Die einzigartigen Schwefelquellen dürften nicht vernachlässigt werden. Der gute Ruf der Kurstadt beruhe nicht zuletzt auf den Heilquellen, so Standhardt. Das dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Schwefelkuren haben lange Tradition

Schwefelkuren haben in Bad Langensalza eine lange Tradition. 1811 wurden vor den Toren der Stadt die Schwefelquellen entdeckt, und im Folgejahr entstand ein Schwefelbad zur Linderung von Haut- und Gelenkkrankheiten. Bis heute baden Gäste mit rheumatischen Beschwerden, Arthrosen, Hautkrankheiten und Erkrankungen des Bewegungsapparates in Wannen, gefüllt mit Schwefelwasser.

Frau beugt sich über Badewanne
Therapeutin Sabine Heyer in der Friederikentherme prüft die Temperatur. Das Schwefelwasser wird auf 36 Grad erhitzt für ein Wannenbad. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Physiotherapeutin Sabine Heyer hat eine 20-jährige Berufserfahrung mit Schwefelwasser. Zuerst würden die Gäste die Nase etwas rümpfen, so Heyer. Denn das Wasser hat eine gelbliche Farbe und es riecht nach faulen Eiern. Aber wer einmal die lindernde Wirkung des prickelnden Wassers erfahren habe, der komme immer wieder. Es kommt in einer Tiefe von fünf bis acht Metern vor und wird rund zwei Kilometer in die Friederikentherme und in die Kurklinik gepumpt.

Status der Kurstadt neu verteidigen

Im März 2019 muss Bad Langensalza seinen Status als Kurstadt beim Land neu verteidigen. Das geschieht alle 15 Jahre. Wie Bürgermeister Matthias Reinz MDR THÜRNGEN sagte, muss bis dahin alles für den strengen Schutz der Schwefelquellen getan werden. "Und das schaffen wir auch. Die Schwefelquellen sind ein so wichtiges Gut, auf das wir nicht verzichten werden." Seit 1958 trägt Langensalza den Titel "Bad".

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 18. November 2018 | 12:03 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2018, 12:36 Uhr

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