Unstrut-Hainich-Kreis Sicherheitsberater wollen alte Menschen vor Betrügern schützen

Zwei neue ehrenamtliche Sicherheitsberater wollen im Unstrut-Hainich-Kreis die Senioren aufklären. Der 65-jährige Peter Goericke und der 75-jährige Klaus-Peter Oertel sind die Sicherheitsberater. "Wir kennen die Schliche der Trickbetrüger und wollen den älteren Menschen Tipps geben, damit sie nicht darauf reinfallen", sagte Peter Goericke MDR THÜRINGEN. Rund 40 Jahre Polizeidienst haben die beiden studierten Polizeihauptkommissare hinter sich und fühlen sich fit für den neuen Dienst.

von Karin Bühner

Trickbetrüger mit immer neuen Maschen

In den vergangenen Tagen waren sie wieder in Thüringen unterwegs: Mutmaßliche Trickbetrüger gaben sich bei ihren Opfern diesmal als Polizeibeamte aus. Sie fragten, ob sich Bargeld und Wertgegenstände in der Wohnung befinden und wie sicher sie aufbewahrt werden. Zahlreiche ältere Menschen fielen auf diese neue Masche rein. Die Betrüger erbeuteten in wenigen Tagen thüringenweit rund 300.000 Euro. "Die Opfer kamen auch aus dem Unstrut-Hainich-Kreis," sagt Peter Goericke. Er will auf die immer neuen Maschen der Betrüger hinweisen. Außerdem vor Einbruchsdelikten warnen.

So wurde eine Rentnerin in Clingen im Januar in ihrem Haus bestohlen. Die Täter raubten den Schmuck und flüchteten unerkannt. Bis heute gibt es keine heiße Spur. Die neuen Seniorensicherheitsberater wollen aufklären und für einen besseren Schutz vor Diebstählen sorgen. "Wir sind keine Hilfspolizisten, sondern informieren, klären auf und unterstützen die Polizeiarbeit in Sachen Prävention vor Ort".

Die Seniorensicherheitsberater Peter Goericke und Klaus-Peter-Oertel.
Die Seniorensicherheitsberater Peter Goericke und Klaus-Peter-Oertel Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Lange Berufserfahrung und zusätzliche Schulung

Peter Goericke und Klaus-Peter Oertel haben nicht nur langjährige Erfahrungen als Polizisten, sie wurden zusätzlich in Sachen Präventionsarbeit beim Landesseniorenbeirat als Sicherheitsberater ausgebildet. Die Schulung dauerte im vergangenen Jahr sieben Monate. Sie gab ihnen das Rüstzeug, Gespräche mit Senioren zu führen, sich mit deren Ängsten und Sorgen vertraut zu machen. Gerade ältere Menschen seien oft sehr sensibel, körperlich wenig aktiv, ängstlich, und manchmal einsam, sagt Peter Goericke. "Wenn jemand an der Haustür klingelt, suchen sie das Gespräch, lassen auch Fremde eintreten." Das nutzen Trickbetrüger aus. Der Rat: Wenn Zweifel an der Echtheit eines vermeintlichen Polizeibeamten bestehen, dann seinen Dienstausweis verlangen und natürlich die "110" wählen. Und grundsätzlich gilt: Hände weg von Haustürgeschäften.

Telefon- und Internetkriminalität nimmt zu

Sorge bereitet den beiden Sicherheitsberatern, dass Telefon- und Internetkriminalität weiter zunehmen. Hier sollten die Senioren überlegen, sich nur noch mit Nachnamen ins Telefonbuch eintragen zu lassen. Vornamen wie Kurt oder Elfriede würden mitunter auf ältere Menschen hinweisen. Auch das Thema Internetkriminalität wird nicht ausgespart. Da geht es beispielsweise darum, Kostenfallen zu vermeiden. Der Rat der Berater: Hellhörig werden, wenn Vorauszahlungen verlangt oder absurde Gewinnversprechen gegeben werden.

Zu einem der ältesten Tricks gehören E-Mails, die dem Empfänger eine Menge Geld versprechen, aus einer Erbschaft oder einem Familienschatz beispielsweise. Zuvor sollten aber viele tausend Euro für Gebühren bezahlt werden. In Sachen Internetkriminalität wollen sich die beiden Mühlhäuser Seniorenberater in den kommenden Monaten extra schulen lassen, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Jetzt geht's los

Die beiden ehemaligen Hauptkommissare haben ein festes Domizil im "Amtsschimmel", Vereinsräumen am Lindenbühl in Mühlhausen. Hier erwarten sie jeden ersten Dienstag im Monat interessierte Besucher. Sie besuchen Senioren aber auch zuhause, geben Tipps, wie beispielsweise Fenster und Türen sicherer gemacht werden können. Zudem sind sie gefragte Gesprächspartner bei Seniorennachmittagen, in Vereinen oder in Selbsthilfegruppen. Auch Gruppen können kommen, die zu einem speziellen Sicherheitsthema informiert werden wollen. Beratung zwischen 14 bis 16 Uhr. Kontakt unter Tel. (03601) 40 46 98. Auch spontane Besuche sind möglich.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 05. Februar 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 19:28 Uhr

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5 Kommentare

06.02.2019 11:24 Halligalli 5

Nutzen die Sicherheitsberater gegen „ Gutgläubigkeit“ ?

06.02.2019 08:44 Gut so... 4

... aber was ist, wenn sich die Betrüge als "Sicherheitsberater" ausgeben? Wir müssen wieder lernen - wie in der DDR - aufeinander Acht zu geben und mit Nachbarn zu sprechen. Das fällt leider manchen "hochnäsigen" jungen Menschen schwer.

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