Ein Angeklagter hält sich einen roten Ordner vors Gesicht
Angeklagter während des Prozesses. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Sexueller Missbrauch der Töchter Familienvater muss sechs Jahre hinter Gitter

Sechs Jahre muss ein 33-Jähriger ins Gefängnis, weil er seine beiden Töchter missbraucht hat. Verurteilt wurde er wegen 140 sexueller Übergriffe. Angeklagt waren sogar 832. Diese Zahl hat sich im Prozess nicht bestätigt.

von Cornelia Hartmann

Ein Angeklagter hält sich einen roten Ordner vors Gesicht
Angeklagter während des Prozesses. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Zwei Tage hat das Mühlhäuser Landgericht verhandelt, größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zum Urteil waren Zuschauer wieder zugelassen. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf zu erfahren, wie die Justiz mit solchen Fällen umgehe, hatte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner die Entscheidung begründet.

Seit 2013 hatte der Angeklagte die ältere der beiden betroffenen Töchter missbraucht, sie war damals neun Jahre alt. Seit 2016 missbrauchte er auch die jüngere. Regelmäßg. Dennoch: Eine Rechnung, dass die Übergriffe all die Jahre immer zweimal pro Woche stattfanden, sei juristisch nicht haltbar, sagte Schuppner in der Urteilsbegründung. Deshalb stünde im Urteil eine andere Zahl als in der Anklageschrift.

"Weil die Mama das nicht verhindert hat"

Körperliche Gewalt habe es nicht gegeben. Damit habe sich der Vater die Vorstellung aufrechterhalten, dass den Mädchen gefalle, was er da tue, dass sie sich dabei wohlfühlten. Eine absurde Vorstellung, so Schuppner. Dafür gab es psychischen Druck. Die Mädchen müssten in ein Heim, wenn sie der Mutter etwas erzählten, hatte der Vater gedroht. Auf die Warum-Frage schrieb er einem Mädchen: "Weil die Mama das nicht verhindert hat." Eine perfide Art, Druck auszuüben, hieß es im Urteil. Und dass die Mutter aufgrund des Vorgehens des Vaters tatsächlich nichts mitbekommen hatte. Auch weil die Mädchen sich nicht veränderten, kein Leistungsabfall, keine Verhaltensauffälligkeiten. Das, so Schuppner, müsse nicht so bleiben. Missbrauchsopfer leiden oft lange unter dem, was sie erleben mussten.

Der große Mann - zitternd neben seinem Anwalt

Die Kinder mussten nicht aussagen. Der Vater hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt und alles zugegeben. Im Prozess saß der große Mann zitternd neben seinem Anwalt. Er zermartere sich seit seiner Festnahme vor sechs Monaten den Kopf, warum er das getan habe und warum er es so lange getan habe. Der Angeklagte wisse, dass er Hilfe brauche, so Schuppner.

Aus schweren Straftaten sei innerfamiliäre Routine geworden, hieß es im Urteil. Und dass die Kammer heftig über das Strafmaß diskutiert habe. Sechs Jahre, das ist ein Jahr weniger als die Staatsanwältin beantragt hatte. Der Angeklagte, dessen Verteidiger keinen konkreten Antrag gestellt hatte, will eine Woche darüber nachdenken, ob er das Urteil annimmt. Ohne sein Geständnis wäre die Strafe deutlich höher gewesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. September 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 20:30 Uhr

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