Ein Bäcker hält Brezeln in den Händen
In der Bäckerei Marx gehen am Gründonnrstag die Brezeln weg wie nix. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Einzigartiger Brauch am Gründonnerstag Süße Brezeln gegen Eselsohren in Mühlhausen

Rund 30.000 Stück des süßen Hefe-Gebäcks werden von den einheimischen Bäckern gebacken - und von den Mühlhäusern auch verzehrt. Der alte Brauch des Brezelessens gehöre zur Identität der Mühlhäuser und sei mindestens so bekannt wie die Stadtkirmes, sagt Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD). Und es sind genug für alle da. Kein Mühlhäuser müsse sich davor fürchten, dass ihm Eselsohren wachsen.

von Karin Bühner

Ein Bäcker hält Brezeln in den Händen
In der Bäckerei Marx gehen am Gründonnrstag die Brezeln weg wie nix. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Die Bäcker retten heute wieder die Stadt und ihre Bewohner. Die Brezel-Versorgung ist gesichert. In der Tat greifen heute alle zu. In den sechs städtischen Bäckereien werden die Öfen nicht kalt. Nach einer anstrengenden Nachtschicht werde auch heute durchgebacken, sagte Bäckermeister Kai Stilzebach. Bei ihm sind fünfzehn Angestellte damit beschäftigt, über 4.000 Brezeln herzustellen.

Die Hefeteilchen müssen exakt so gelegt werden, dass die Sonne dreimal durchscheinen kann. Dabei braucht es viel Geschick. Bäcker verwenden zum Schlingen von Brezeln eine spezielle Wurftechnik: Ein Teigstrang wird mit beiden Händen auf einer Arbeitsfläche gerollt und dabei nach außen gezogen, sodass er sich an den Enden verjüngt. Dann wird der Strang erst zu einem "U" gelegt und dann um 180 Grad verdrillt.

Die Mühlhäuser nehmen den Brauch sehr genau, sagt Bäckermeister Stilzebach. Entsprechend steigt das Arbeitspensum der Bäcker vor Ostern. Die Zahl der Bäckereien ist in den vergangenen Jahrzehnten in der Stadt von 60 auf sechs geschrumpft. Der Appetit auf Brezeln aber ist geblieben. Niemand wolle mit Eselsohren herumlaufen, so Stilzebach. Woher der Brauch rührt, ist weitestgehend unbekannt.

Süßes Fastengebäck

Die Gründonnerstagsbrezel in Mühlhausen könnte ein Fastengebäck gewesen sein, sagt Roswitha Henning vom Mühlhäuser Stadtarchiv. Diese Tradition reicht demnach weit ins Mittelalter zurück. Die süßen sogenannten Palmbrezeln wurden zum Ende der Fastenzeit gebacken und mit Genuss verzehrt. Die Brezel sei das verbreitetste "Gebildbrot". In Mühlhausen werden die Brezeln aus Hefeteig, zumeist mit viel Ei und Butter gebacken und mit Zucker oder Zimt bestreut oder einer Zuckerglasur bestrichen. Seit dem Mittelalter wird die Brezel von der Bäcker-Zunft als Zunftzeichen und heute als Wahrzeichen von den Bäcker-Innungen sowie den Bäckereien verwendet.

Eine Brezel
Das ist sie: die Gründonnerstagsbrezel. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Nur Esel gehen in den Ferien in die Schule

Warum wachsen denjenigen Eselsohren, die keine Brezel essen? Ist das vielleicht nur eine Werbemasche der Bäcker, um die Kassen kurz vor der langen Osterpause zu füllen? Mitnichten, sagt Bäckermeister Kai Stilzebach. Ein großes Geschäft sei das bis heute nicht. Die Geschichte mit den Eselsohren könnte auch etwas mit dem früheren Ende des Schuljahres zu Ostern zu tun haben. Da gab es vor den langen Osterferien Zeugnisse und zur Belohnung eine süße Brezel. Und wer keine aß, war ein Esel... Auch eine Begründung.

Gefeiert wird mit einem Ostermarkt

Die Brezel-Tradition wird mit einem großen Markt und Back-Aktionen für die Kinder am Gründonnerstag gefeiert. Auf dem Untermarkt vor und entlang der Divi-Blasii-Kirche warten 60 Stände auf ihre Besucher. Natürlich wird die traditionelle Mühlhäuser Gründonnerstags-Brezel - gegen das Wachsen von Eselsohren - angeboten. Darüber hinaus bieten Handwerker und Landwirte ihre Ware feil. Ein Eichsfelder Schaudrechsler präsentiert und verkauft beispielsweise seine österlichen Holzprodukte, wie zum Beispiel Osterhasen, Dottermänner, Ostereier und Gartenpilze. Neu in diesem Jahr dabei ist ein Glasbläser aus Lauscha, der Ostereier aus handgefertigtem Glas anbietet. Der Markt hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Und in den sechs Bäckereien können Brezel-Liebhaber schon ab 6 Uhr die "Arznei gegen Eselsohren" kaufen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. April 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 11:36 Uhr

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1 Kommentar

18.04.2019 07:34 Wunderbar! 1

Es ist doch einfach wunderbar, dass es solche Traditionen noch gibt. Danke dafür, dass sie erhalten wird!

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