Wald mit abgestorbenen Bäumen aus der Luft
Bei Berka vor dem Hainich sind zahlreiche Bäume abgestorben. Bildrechte: MDR/PD Dr. S. Hese, Lehrstuhl für Fernerkundung, JenaCopterLabs, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Trockenheit und Borkenkäfer Schwere Waldschäden: Satellitenfotos zeigen Ausmaß

Dürre und Schädlinge setzen dem Wald in Thüringen zu. Während Forstbesitzer die katastrophalen Zustände beklagen, streitet die Landespolitik um finanzielle Hilfen. Forscher der Universität Jena analysieren jetzt Fotos aus dem All, die die massiven Schäden im Baumbestand eindrucksvoll vor Augen führen.

Wald mit abgestorbenen Bäumen aus der Luft
Bei Berka vor dem Hainich sind zahlreiche Bäume abgestorben. Bildrechte: MDR/PD Dr. S. Hese, Lehrstuhl für Fernerkundung, JenaCopterLabs, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Bilder zeigen die dramatische Veränderung: Satellitenaufnahmen von Waldgebieten in Thüringen machen deutlich, wie problematisch die Situation der Bäume im Freistaat mittlerweile ist. Wo im vergangenen Jahr noch helle Farben leuchteten, sammeln sich zunehmend dunkle Punkte an. Die Fotos aus dem All belegen die massiven Waldschäden, um die sich auch eine Diskussion in der Politik entsponnen hat.

Massive Schäden in Thüringens Wäldern

Forstexperten sprechen vom "nationalen Waldnotstand", die Lage in Thüringens Wäldern sei zum Teil katatrophal. Nach Angaben von Thüringenforst haben Borkenkäfer Fichten auf derzeit 1.300 Hektar Fläche kahlgefressen. Wegen der anhaltenden Trockenheit seien zudem Buchen auf 14.000 Hektar verdurstet. Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern.

"Es ist eine ökonomische und eine ökologische Katastrophe", sagt der Präsident des Thüringer Waldbesitzerverbandes, Jörg Göring. Denn die Umweltschäden treffen auch die Eigentümer der bewaldeten Flächen. Das abgestorbene Holz kann gar nicht so schnell verkauft werden, wie es anfällt. Gleichzeitig ist der Preis wegen des Überangebots regelrecht eingebrochen. Laut Thüringer Landwirtschaftsministerium kostet beispielsweise Fichtenrundholz derzeit etwa 30 Prozent weniger als Anfang 2018. In der Landespolitik wird jetzt darum gestritten, wie den Forstbesitzern finanziell geholfen werden sollte.

Trockenheit und Borkenkäfer setzen Wald zu

Während also noch offen ist, wie hoch die Unterstützung für Besitzer von Waldflächen letztlich ausfallen wird, ist der Befund klar: Die Dürre und die Borkenkäfer-Plage setzen den grünen Gebieten massiv zu. Belege dafür liefern nicht nur die Zahlen von Thüringenforst und aus dem Ministerium, sondern auch von Wissenschaftlern. Forscher am Lehrstuhl für Fernerkundung der Friedrich-Schiller-Universität Jena werten dazu derzeit Satellitenbilder aus, die sie MDR THÜRINGEN zur Verfügung gestellt haben.

Satellitenbilder vom Hainich zeigen deutliche Veränderungen

Die Aufnahmen wurden über dem Nationalpark Hainich gemacht. Der Vorher-Nachher-Vergleich zwischen 2018 und 2019 zeigt die deutliche Veränderung innerhalb eines Jahres. Während Rot auf dem Falschfarben-Foto aus dem südlichen Hainich für intakte Bäume steht, werden Schädigungen in schwarzen oder grünlichen Farbtönen dargestellt, wie Dr. Sören Hese von der FSU erklärt. Innerhalb von zwölf Monaten haben die dunklen Flächen erheblich zugenommen:

Thüringen

Satellitenaufnahmen vom Südhainich

Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
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Weitere Satellitenbilder nutzen ein anderes Farbspektrum. Auf diesen Bildern ist der Hainich als längliches Band zu erkennen. Bei den Gebieten rundherum - die noch deutlichere Unterschiede zwischen Grün, Rot und Violett aufweisen - handelt es sich um landwirtschaftliche Flächen. Deren Farbwechsel hänge mit der unterschiedlichen Nutzung, aber nicht mit den Schäden im Forst zusammen, erklärt Forscher Hese. Die äußeren Bereiche können für die Betrachtung des Waldes also ignoriert werden.

Mit Blick auf den Hainich im Zentrum der Aufnahmen steht ein helles Grün für einen gesunden Baumbestand, bräunlich-rötliche Töne dagegen heben die Schäden hervor. Auch hier sind im Jahresvergleich umfassende Veränderungen zu erkennen. Laut Hese handelt es sich um einzelne tote Buchen oder gar um "ganze Kronencluster", die abgestorben sind:

Thüringen

Satellitenaufnahmen vom Nordhainich

Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
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Thüringen

Satellitenaufnahmen vom Südhainich

Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
Satellitenaufnahme eines Waldgebietes
Bildrechte: MDR/Friedrich-Schiller-Universität Jena/ESA Sentinel-2 Hub
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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 12:49 Uhr

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22 Kommentare

04.08.2019 11:07 Peter W. 22

@16: Auch wenn Sie es nicht hören wollen, als Waldbesitzer kann ich Ihnen sagen es ist trotzdem traurige Wahrheit. Und das nicht nur in Thüringen. Da hilft es auch nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und sich frühere Zeiten zurück zu wünschen, wie es gern auch politisch von v.a. einer Partei derzeit kolportiert wird. Das ist aber eben keine Alternative und löst die Probleme von heute und morgen nicht.

03.08.2019 15:44 martin 21

Den Verlust der Fichtenmonokulturen betrachte ich nicht als ökologische Katastrophe. Aber mittlerweile haben auch Buchen bereits erhebliche Probleme.

Ersten "Aufräumarbeiten" hat die Natur in den Höhenlagen des Thüringer Waldes und des Harz bereits auf die Reihe bekommen: Bei den nicht standortangepassten Fichten brechen die Kronenbereiche unter der Winterlast, weil ihre Äste im falschen Winkel von Stamm abgehen. Bei Hochlandfichten und -tannen können sich die Äste ohne zu brechen so weit neigen, dass Eis und Schnee abrutschen. Aber darauf wurde vor Jahrzehnten nicht geachtet. Das gezielte Zapfenpflücken und Nachziehen der standortangepassten Bäume ist ja erst seit einiger Zeit wieder "in Mode" gekommen ....

Bei der Versauerung der (Wald-)Böden durch schwefelige (und andere) Säuren ist gar nicht mal der Eintrag von Schwefel & Co das Problem, sondern welche Stoffe bei saurem pH aus dem Boden gelöst werden und über das Grund- in das Trinkwasser gehen.

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