2 tätowierte Männer laufen an einem Parkplatz vorbei.
André E. (links) auf dem Weg zu einem Neonazi-Konzert in Kirchheim. Bildrechte: MDR

Experten warnen vor militanten Netzwerken NSU-Unterstützer André E. bei Neonazi-Konzert

Im Juli wurde der NSU-Unterstützer André E. im Münchener NSU-Prozess zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt und gleichzeitig aus der U-Haft entlassen. Offenbar ist er weiterhin mit der Neonazi-Szene verbunden.

2 tätowierte Männer laufen an einem Parkplatz vorbei.
André E. (links) auf dem Weg zu einem Neonazi-Konzert in Kirchheim. Bildrechte: MDR

Der verurteilte NSU-Unterstützer André E. ist wieder in der Neonazi-Szene aufgetaucht. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen besuchte E. Anfang August ein konspiratives Konzert in Kirchheim bei Erfurt. Bei der Veranstaltung, die nicht öffentlich beworben worden war, handelte es sich um das "Abschiedskonzert" für zwei Neonazi-Musiker, die demnächst wegen des Angriffs auf die Ballstädter Kirmesgesellschaft 2014 mehrjährige Haftstrafen antreten. André E. war im Juli im Münchener NSU-Prozess zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt und aus der U-Haft entlassen worden.

"Heldenfigur" für die Szene

Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Thüringen (Mobit) sagte dem MDR, Personen wie André E. seien eine Art "Heldenfiguren" für die Szene. "Das sind aus Sicht der Neonazis 'authentische' Personen, die den oft angedrohten, oft gesungenen und beschriebenen 'Schritt weiter' gegangen sind, vom Maulheldentum quasi zur Tat und hier eben als Unterstützer dieses Neonazi-Trios." André E. habe im Verlauf des Prozesses immer wieder durchblicken lassen, dass er keine Reue zeige und sich auch nicht von dem Gedankengut gelöst habe, so Heerdegen. "Und deshalb muss es auch überhaupt nicht überraschen, dass er nach Beendigung des Prozesses jetzt eben auch wieder in die Szene zurückkehrt und mit harten Thüringer Neonazis feiert."

Neonazi-Rocker "Turonen"

Bei den Organisatoren des Kirchheimer Konzerts handelt es sich nach Informationen des MDR um die Thüringer Neonazi-Rocker "Turonen". Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet und hatte in der Vergangenheit immer wieder Großkonzerte in der Schweiz und in Thüringen organisiert. Die Zahl der Neonazi-Konzerte ist in den letzten fünf Jahren von rund 150 auf 260 gestiegen. Einen Schwerpunkt bilden Thüringen und Sachsen.

Vernetzung militanter Gruppierungen

2 tätowierte Männer laufen an einem Parkplatz vorbei.
André E. (links) war im Juli aus der U-Haft entlassen worden. Bildrechte: MDR/ Marian Ramaswamy

Rechtsextremismus-Experten wie Martina Renner, Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, warnen, die Großkonzerte dienten nicht nur dem Gelderwerb, sondern spielten auch eine wichtige Rolle bei der Vernetzung militanter Gruppierungen wie Blood & Honour und Combat 18. Renner sagte dem MDR, "wir wissen aus der ganzen Geschichte von Blood & Honour, dass man sich am Rande von solchen Veranstaltungen getroffen hat, zu Vernetzungstreffen auf der Führungsebene." Erst kürzlich war bekannt geworden, dass sich Combat 18, der bewaffnete Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks Blood & Honour, weltweit reorganisiert haben soll.

"Szene profitiert vom Rechtsruck in Europa"

Der Konfliktforscher Professor Andreas Zick von der Universität Bielefeld sagte dem MDR, die Zeiten stünden sehr günstig für eine Reorganisation auch militanter Netzwerke. Die Neonazi-Szene profitiere vom Rechtsruck in Europa. "Man hat eine stolz geschwellte Brust. Man hat einen erhöhten Selbstwert. Man empfindet sich als eine Bewegung. Und da ist es nicht verwunderlich, dass sich die alten Kämpfer wieder treffen und jetzt neue Allianzen bilden", sagte Zick dem MDR.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Die Story im Ersten: Rechtsrockland | 01. Oktober 2018 | 22:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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53 Kommentare

02.10.2018 19:16 Ekkehard Kohfeld 53

@ Fakt 52 Zum ersten Satz: Irrtum, gerade die tun es!
Zum ersten Satz: Irrtum, gerade die tun es!##Dann wäre sie keine demokratisch zugelassene Partei,so einfach ist das Argument zu widerlegen.Und zudem haben auch hier sie das nicht zu entscheiden,das wurde bereits auf höhere Ebene entschieden oder erkennen sie auch unseren Rechtsstaat nicht an?
Und bei dem Rest schreiben sie ja genau das was ich gesagt habe.

02.10.2018 18:13 Fakt 52

Ekkehard Kohfeld, #49:
"Nein tue ich nicht den die treten die Demokratie nicht mit füßen so wir ihr.
[..]
Ach das heißt unter einander hat das Grundgesetz keine gültichkeit also kann ich sie hier so einfach mal beleidigen.."<<

Zum ersten Satz: Irrtum, gerade die tun es!
Zum zweiten Satz: Nein, können Sie nicht, da Beleidigung eine Straftat ist. Den Hinweis auf Straftaten hatte ich zwar in meinem Beitrag erwähnt, Sie aber vermutlich ausgeblendet.
Genauso wie den eigentlich klaren Satz im Art, 1 "Sie zu schützen und zu achten ist Verpflichtung aller STAATLICHEN Gewalt". Und genau darauf zielt der Artikel 1 GG ab!
So, und nun können Sie wieder Kompetenzsimulant spielen.

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