Online-Umfrage Fast alle Thüringer Kinder vermissen Freunde und Spielpartner

Viele Kinder in Thüringen vermissen zurzeit die gewohnten Bildungs- und Spielangebote in der Schule oder dem Kindergarten. Das ergab eine Online-Umfrage unter 4.100 Vätern und Müttern im Freistaat. Viele finden es aber auch gut, mehr Zeit mit den Eltern verbringen zu können.

Ein Kind macht Hausaufgaben am Tisch zuhause.
Viele Kinder lernen zuhause statt in der Schule. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Viele Kinder in Thüringen vermissen zur Zeit die gewohnten Bildungs- und Spielangebote in Schulen und Kindergärten. Das ist ein Ergebnis einer Online-Umfrage der Fachhochschule Erfurt und des Landesverbands des Kinderschutzbundes unter Familien in Zeiten der Corona-Pandemie. Vier von fünf Kindern hätten ihren Eltern erzählt, etwas zu vermissen, sagte die Autorin der Studie, Barbara Lochner MDR THÜRINGEN. Fast jedem Kind fehlt der Kontakt zu Freunden und anderen Kindern. 

Prof Dr Barbara Lochner
Prof. Dr. Barbara Lochner von der Fachhochschule in Erfurt. Bildrechte: Barbara Lochner

Mehr als zwei Drittel der Kinder sehnen sich nach ihren Großeltern, erwachsenen Geschwistern oder dem getrennt lebenden Vater oder der Mutter. Ihnen fehlten aber auch die Angebote von Sport- oder Kulturvereinen und auch die Bewegung im Freien vor allem auf Spielplätzen. Einige der Mütter und Väter schrieben, dass es schwer gefallen ist, auf den Osterurlaub, die Geburtstagsfeier und geplante Ausflüge zu verzichten. Andererseits können fast zwei Drittel der Kinder der Situation auch Positives abgewinnen. Von diesen finden es laut Online-Umfrage rund 80 Prozent der Kinder gut, mehr Zeit mit den Eltern verbringen zu können.

Viele Kinder sind froh, länger schlafen und aufbleiben zu können. Sorgen und Ängste in geringem Maß äußerten den Eltern zufolge nur etwa ein Drittel der Kinder. Sie fürchten sich vor allem selbst krank zu werden oder dass ihre Eltern und Großeltern erkranken.  

Vielen Eltern fehlen Zeit und Geduld

Die Eltern schätzten neben dem Wohlbefinden der Kinder und dem Familienklima auch die berufliche Situation ein. Laut Studie denkt rund die Hälfte, dass sie es schafft, ihr Kind genauso zu betreuen wie vor der Schließung der Kindergärten und Schulen. Nur rund 40 Prozent der Eltern mit Schulkindern glauben ihre Kinder bei den schulischen Aufgaben gut unterstützen zu können. Vielen Eltern falle es schwer, die Zeit dafür zu finden, geduldig zu sein und die Kinder zum Lernen zu motivieren, sagte Barbara Lochner dem MDR.

Als Gründe nannten die Eltern mehrfache Belastung durch Beruf, die Betreuung mehrerer Kinder und den Haushalt. Eltern betonen zudem, dass sie keine Lehrer seien. Sie wünschten sich leistbare Schulaufgaben für die Kinder, die sich in den Familienalltag integrieren lassen, so die Autorin der Studie. Zudem wollten die Familien digital unterstützt werden und Rückmeldungen durch die Lehrer bekommen. Sie schätzt ein, dass viele Eltern stark herausgefordert sind und mittelfristig mehr Unterstützung brauchen. Mehr als 4.100 Mütter oder Väter beteiligten sich an der Online-Umfrage vom 01. bis 12. April 2020 und befragten dafür ihre Kinder. Die Fragebögen von 3.100 Thüringern mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt wurden ausgewertet.

Programmtipp Über weitere Ergebnisse der Studie und welche Lockerungen im Alltagsleben es geben könnte, berichtet heute die Sendung Fakt ist! aus Erfurt ab 22:05 Uhr im MDR FERNSEHEN.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. April 2020 | 05:00 Uhr

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