Fragen und Antworten zu Opel


Warum steckt Opel in der Krise?

Der deutsche Automobilhersteller hat eine lange Tradition, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Damals produzierte das Unternehmen noch Nähmaschinen und Fahrräder. Um die Jahrhundertwende begann die Automobilproduktion und innerhalb von 30 Jahren der Aufstieg zum größten Hersteller Deutschlands. Bereits 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Marke. Seine Glanzzeiten hatte Opel in den 60er- und 70er-Jahren mit Typen wie Kadett, Kapitän, Admiral sowie Diplomat und später mit dem Ascona und Manta.

Doch schon danach stagnierten die Verkaufszahlen. Kritikern zufolge lag das an immer langweiligeren Modellen, die den Konkurrenten wie Volkswagen mit seinem Golf immer weniger entgegen zu setzen hatten. Zudem wurden dem Autobauer Qualitätsverluste und ein schlechter werdendes Image nachgesagt. Seit 1999 fuhr Opel keine Gewinne mehr ein. PSA-Chef Tavares sagte zuletzt, in diesem Jahrtausend habe Opel 19 Milliarden Euro Verluste angehäuft und mehr als 30.000 Jobs vernichtet. Zwar brachte der Autobauer mit dem Insignia (2008) oder dem Adam (2012) durchaus innovative Modelle auf den Markt.

Doch im hart umkämpften Automobilmarkt blieb Opel in den roten Zahlen. Der europäische Marktanteil der Marke mit dem Blitz ist von über zehn Prozent auf unter sechs Prozent gesunken. Bis heute sind die Fabriken in Europa nicht ausgelastet. Bereits 2009 wollte GM seine Tochter nach 80 Jahren loswerden. Der Verkauf an den Zulieferer Magna wurde aber kurzfristig abgesagt. 2017 verkaufte GM seine Tochter und die englische Marke Vauxhall Motors für 1,3 Milliarden Euro an den französischen Automobilhersteller Groupe PSA, zu dem die Marken Peugeot, Citroen und DS gehören.

Der früherer Opel-Chef Karl-Thomas Neumann (2013 bis 2017) sagte zuletzt in einem Interview, Opel habe es versäumt, frühzeitig auf Elektromobilität zu setzen.


Was hat PSA mit Opel vor?

Durch die Opel-Übernahme stieg PSA zum zweitgrößten europäischen Autokonzern auf - hinter Volkswagen. PSA will mit der Übernahme noch näher an den Branchenprimus heranrücken. Das Ziel von PSA lautet, Opel bis 2020 ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen wieder in die Gewinnzone zu führen. Durch eine schlankere Produktion und einen gemeinsamen Einkauf sollen jährlich 1,1 Milliarden Euro eingespart werden, danach 1,7 Milliarden.

Der neue Opel-Chef Michael Lohscheller versprach, der Autobauer werde profitabel, global und elektrisch. Dazu sollen 20 neue Auslandsmärkte erschlossen werden und in jede Baureihe neben den herkömmlichen Motoren künftig auch ein Elektroantrieb passen. Um die Sparpläne zu erreichen, sollen insgesamt 3.700 Beschäftigte den Konzern durch freiwillige Maßnahmen verlassen - durch Abfindungen, Altersteilzeit oder Vorruhestand. Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hielt die Übernahme durch PSA für einen richtigen Schritt zur Opel-Rettung. Nur über den Weg dorthin waren sich Management und Gewerkschaften lange uneinig.


Wie haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer geeinigt?

Ende Mai 2018 einigten sich das Opel-Management und der Betriebsrat auf ein Sanierungskonzept für die deutschen Standorte. 3.700 Beschäftigten sollen den Konzern durch freiwillige Maßnahmen verlassen. Die übrigen mehr als 15.000 Beschäftigten sollen bis Sommer 2023 einen Kündigungsschutz erhalten. Im Gegenzug wurde der ausgehandelte Tariflohn für das kommende Jahr ausgesetzt.


Was bedeutet die Entwicklung für das Opel-Werk in Eisenach?

Für 1.400 Mitarbeiter des Opel-Werkes in Eisenach sind die Arbeitsplätze bis 2023 gesichert. Maximal bis zu 450 Mitarbeiter sollen das Unternehmen auf freiwilliger Basis über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen verlassen. Ursprünglich hatten Betriebsrat und Gewerkschaft befürchtet, dass bis zu 800 der rund 1.800 Arbeitsplätze im Werk wegfallen könnten. Außerdem sollen in Eisenach kurzfristig Gelder für Investitionen freigegeben werden. Künftig soll in Eisenach der SUV Grandland X gebaut werden, den es auch als Hybridvariante geben soll.

Wie das Werk mit nur einem Modell anstatt wie bisher mit zwei konkret ausgelastet wird, ist allerdings noch offen. Ziel der Gewerkschafter ist weiterhin, dass ein zweites Opel-Modell in Eisenach produziert wird. Bis zuletzt vermissten Betriebsrat und Gewerkschaften ein langfristiges Konzept für das Eisenacher Werk. Die IG Metall sprach bis zur Einigung auch von einem "Tod auf Raten". Laut dem oft zitierten Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer reicht ein Modell für den Eisenacher Standort nicht aus, um das Werk rentabel zu betreiben.


Wie reagierte die Thüringer Politik auf die Einigung?

Die Landesregierung begrüßte die Einigung. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte, das Streiten um Arbeitsplätze habe sich gelohnt. Er sprach von einem tragfähigen Kompromiss. Jetzt müsse Ruhe einkehren, damit Opel wieder attraktive Fahrzeuge für den Weltmarkt bauen kann. Erleichtert reagierte auch Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Vor allem die Arbeitsplatzgarantie bis 2023 sei ein Erfolg der Arbeitnehmerseite und eine gute Nachricht für die Opel-Beschäftigten.

Als "grundsätzlich positiv" bewertete der Minister die "klaren und belastbaren Investitionszusagen für den Standort Eisenach". Kritik äußerte er am Abbau von 450 Stellen. Zudem hätte er sich eine bessere Auslastung des Werkes gewünscht. Die Thüringer FDP bezeichnete die Einigung dagegen als "kurzfristige Beruhigungspille". Damit erkauften sich die Verantwortlichen lediglich Zeit.


Welche Geschichte hat das Opel-Werk Eisenach?

Opel lässt seit 1990 Autos in Eisenach fertigen. Das heutige Werk öffnete am 23. September 1992. Auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl war zur Feier gekommen. Der erste Opel, der vom Band lief, war ein Astra. Der Standort in Eisenach begann mit 1.900 Beschäftigten - viele hatten vorher im "Automobilwerk Eisenach Wartburg" gearbeitet. Das Werk in Thüringen galt in den 90ern schnell als modernstes Werk im Konzern und als Vorbild für andere Standorte.

Die Krise des Mutterkonzerns General Motors und die Finanzkrise machten jedoch auch vor den Eisenachern nicht halt. Seither gab es immer wieder Kurzarbeit - auch weil die Verkaufszahlen des Corsa rückläufig waren. Selbst eine Schließung des Werks stand zur Debatte. Im Jahr 2009 wollte General Motors seine Opel-Tochter verkaufen. IG Metall und Bundesregierung waren sich schon mit dem Zulieferer Magna einig, ehe GM den geplanten Verkauf in letzter Minute stoppte.

Seit 2013 wird in dem Werk der Kleinstwagen Adam produziert. In den vergangenen 25 Jahren liefen mehr als drei Millionen Autos vom Band. Der Opel-Konzern investierte insgesamt 1,2 Milliarden Euro in den Standort. Derzeit sind etwa 1.800 Mitarbeiter im Eisenacher Opel-Werk beschäftigt. Die Spaßmaßnahmen von PSA könnten das Eisenacher Werk empfindlich treffen. Die Corsa-Produktion soll 2019 komplett ins spanische Saragossa verlegt werden und die Fertigung des Adam womöglich nach Gliwice in Polen. Im Zuge dessen sollte ursprünglich der kompakte SUV Mokka künftig in Eisenach produziert werden.

Nach der Übernahme durch PSA ist der Autobauer davon abgerückt. Künftig soll der auf Peugeot-Technik basierende Grandland X in Eisenach vom Band laufen, so dass in Eisenach voraussichtlich nur noch ein Modell gebaut wird. 2020 könnte der Grandland auch in einer Elektrovariante gebaut werden.