Ernst u. Familie 1906: Der zukünftige Herzog Ernst II. sitzt mit seiner Frau und den vier Kindern 1906 in einem Garten.
Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg mit seiner ersten Ehefrau Prinzessin Adelheid zu Schaumburg-Lippe und den vier Kindern. Die Linie ist im Mannesstamm mittlerweile erloschen. Bildrechte: Sammlung Uwe Gillmeister

Der Adel in Thüringen Sachsen-Altenburg: Der Herzog in der DDR

Nach dem Ende der Monarchie 1918 verließen die Oberhäupter der Fürsten- und Herzoghäuser Thüringen. Viele kamen erst nach 1990 wieder zurück. Außer Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg. Der blieb und starb als einziger ehemaliger regierender Fürst 1955 in der DDR.

von Juliane Maier-Lorenz

Ernst u. Familie 1906: Der zukünftige Herzog Ernst II. sitzt mit seiner Frau und den vier Kindern 1906 in einem Garten.
Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg mit seiner ersten Ehefrau Prinzessin Adelheid zu Schaumburg-Lippe und den vier Kindern. Die Linie ist im Mannesstamm mittlerweile erloschen. Bildrechte: Sammlung Uwe Gillmeister

Das Leben des einzigen Herzog, der in der ehemaligen DDR starb, liest sich 100 Jahre nach der Abdankung des deutschen Kaisers wie ein Bericht in einer bunten Illustrierten: viele Geliebte, zwei Ehefrauen, Kinder, die ihre Verlobung lösten, weil sie Angst hatten, ihre Krankheit weiter zu vererben und letztendlich ein Tod als DDR-Bürger. Ernst Bernhard Georg Johann Karl Friedrich Peter Albert von Sachsen-Altenburg, so der volle Name von Herzog Ernst II., starb 1955 als einziger der ehemaligen Fürsten und Herzöge in Thüringen in der DDR. Nach dem Ende der Monarchie gen Westdeutschland oder gar ins Ausland zu ziehen - das lehnte er ab. Doch von Anfang an.

Ein Mann, Ernst von Sachsen-Altenburg, sitzt auf einem Sessel.
Ernst von Sachsen-Altenburg im Jahr 1954. Bildrechte: MDR/ Kirchenarchiv Trockenborn-Wolfersdorf

1908 übernahm Ernst als Ernst II. nach dem Tod seines Onkel Ernst I. die Regierung im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Er galt als volksnah und den Naturwissenschaften sehr aufgeschlossen. Doch nicht nur diesen. Auch schönen Frauen gegenüber soll der junge Mann mit dem Schnauzbart nicht abgeneigt gewesen sein. 1898 hatte er Prinzessin Adelheid zu Schaumburg-Lippe geheiratet, mit ihr vier Kinder gezeugt. Adelheid soll von den Liebschaften ihres Mannes gewusst und ihm bis zur Abdankung 1918 den Rücken freigehalten haben. Danach trennte sie sich von ihm, die Ehe wurde 1920 geschieden. Nach der Abdankung zog Ernst nach Berlin. Er kaufte sich dort eine Villa, auch wenn sein Geldbeutel nicht mehr ganz so gefüllt war, wie noch zu Zeiten der Monarchie. Ein Blick in die Akten offenbart: Jahrelang hatte sein Vermögensverwalter Misswirtschaft betrieben, bis zuletzt in die eigene Tasche gewirtschaftet. So zumindest berichtet es Biograph Uwe Gillmeister.

Das Haus Sachsen-Altenburg Das Herzogtum bestand aus zwei räumlich getrennten Gebieten, dem Ostkreis, der heute etwa dem Landkreis Altenburger Land entspricht, und dem Westkreis, der heute zu großen Teilen im Saale-Holzland-Kreis liegt. Weil es am 9. November 1918 Ausschreitungen in Altenburg gab, wurden Ernst II. und seine Familie unter den Schutz des Arbeiter- und Soldatenrates gestellt. Am 13. November ernennt Ernst II. als seine letzte Amtshandlung eine neue Regierung und verzichtet auf den Thron.

Der Altenburger forscht seit 30 Jahren zum ehemaligen Herzog, ganze Ordner mit Fotos und Postkarten füllen die Regale des Autors. Selbst ein Buch über den einstigen Herzog ist entstanden. In Berlin widmete sich Ernst naturwissenschaftlichen Studien, der Physik und der Astronomie. Und seiner Maria. Die Opernsoubrette kannte er aus dem Altenburger Theater, sie war als "Mätresse" mit nach Berlin gezogen. Glücklich wurde Ernst dort aber nicht. 1922 kehrte er nach Ostthüringen zurück, lebte als Freiherr von Rieseneck im Schloss "Fröhliche Wiederkunft" in Trockenborn-Wolfersdorf. Er richtete dort eine Sternwarte ein, die zu einem bedeutenden Forschungszentrum wurde und heiratete 1934 seine Maria. Eher kräftig in der Statur, mit kantigem Gesicht, "passte die so gar nicht in sein Beuteschema", sagt Gillmeister. Gemeinsam mit ihren zwei Schwestern zog sie in die "Fröhliche Wiederkunft". Das Gespann war im Dorf in aller Munde, die Freifrau soll außerdem dem Kartenspiel und der Zigarre gefrönt haben.

Abdankung des Adels 1918 Unmittelbar nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde am 9. November 1918 in Deutschland die Republik ausgerufen. Das Ende der Monarchie war besiegelt. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. dankte am 30. November ab. Thüringen war territorial zersplittert, hier drängten sich acht Monarchien auf kleinsten Raum: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg sowie die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt sowie Schwarzburg-Sondershausen, das Fürstentum Reuß ältere (Greiz) und jüngere Linie (Gera).

Linie stirbt im Mannesstamm aus

Weil er ab 1937 Mitglied der NSDAP wurde, geriet Ernst zu DDR-Zeiten ins Visier der Staatsicherheit. Gillmeister forschte in der Stasi-Unterlagenbehörde. Eine dicke Stasi-Akte gibt es über Ernst zwar nicht. "Obgleich aber war Ernst dennoch, bereits im Jahre 1952, Ziel von Ermittlern der zuständigen Kreisdienststelle in Stadtroda. Die darüber schriftlich fixierten Ermittlungen erstreckten sich aber nur über die Feststellung von allgemeinen Personengrunddaten Ernsts, seiner Militärzugehörigkeit, seiner freundschaftlichen und familiären Verbindungen sowie seiner in seinem Haushalt lebenden Familienangehörigen", schreibt Gillmeister in seinem Buch.

Eine Karte zeigt die Verteilung der Herzog- und Fürstentümer in Thüringen von 1826 bis 1918.
Die Verteilung der Herzog- und Fürstentümer in Thüringen von 1826 bis 1918. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sterbeanzeige: Die Sterbeanzeige von Ernst von Sachsen-Coburg, ehemaliger Herzog.
Die Todesanzeige von Ernst Herzog von Sachsen-Altenburg wurde als Karte verschickt. Bildrechte: Sammlung Uwe Gillmeister

Ernst von Sachsen-Altenburg blieb bis zu seinem Tod in Trockenborn-Wolfersdorf. Dort hatten ihm die Russen nach dem II. Weltkrieg ein lebenslanges Wohnrecht gewährt. "Allerdings nur ihm, seine Maria und die zwei Schwestern mussten ausziehen", weiß Gillmeister. 1955 starb Ernst in Trockenborn-Wolfersdorf. Er ist in der "Krähenhütte" neben seiner zweiten Frau und seinen herzoglichen Schwestern Luise Marie von Sachsen-Altenburg und Elisabeth Moritzowna, Großfürstin von Russland, bestattet. Die Trauerfeier war ein riesiges Ereignis in dem Dorf. In der Kirchenchronik heißt es dazu: "Wie berichtet wird, war aus jedem Hause jemand bei der Beerdigung. Politische Stellen sollen das als Demonstration für den 'Feudalismus' angesehen haben." Der Heimatverein des Dorfes kämpft seit Jahren für den Erhalt der Grabanlage.

Mit dem Tod des ältesten Sohnes, Erbprinz Georg Moritz, im Jahr 1991 starb die Linie Sachsen-Altenburg im Mannesstamm aus. Der jüngste Sohn, Friedrich Ernst, war eher "gleichgeschlechtlich" veranlagt. Tochter Elisabeth löste einst ihre Verlobung mit dem Dessauer Günter Eisenhart-Rothe. Sie litt an einer Krankheit, die sie auf genetische Defekte zurückführte und wollte verhindern, diese auf mögliche Kinder zu übertragen. Lediglich die erste Tochter von Ernst, Charlotte Agnes von Sachsen-Altenburg gebar zwei Kinder, Barbara und Alfred. Die Kinder Barbaras, Prinzessin von Preußen und Urenkel Ernst II., sind der Linie Sachsen-Altenburg heute, so berichetet es Gillmeister, nicht gerade zugetan. Wohl aber andere, die wissen, das "Adel zieht und man damit auch Geld machen kann", sagt der Buchautor, der viele Vorträge über Herzog Ernst II. in der Region hält. Gillmeister hat seine Forschungen längst nicht abgeschlossen, steht in Kontakt mit Nachfahren, auch solchen, die glauben, welche zu sein und ihre Spuren der Vergangenheit aufarbeiten möchten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Kulturnacht | 18. November 2018 | 22:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 13:09 Uhr

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1 Kommentar

18.11.2018 13:38 Zeitgeist 1

Wenn der Herzog Interesse an schönen Frauen hatte, so finde ich war das doch eine gute Sache.

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