Altenburger Land Schutz der Thüringer Alleen

Autorenbild Franziska Heymann
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Ob an Landstraßen oder in Parks - in Thüringen gibt es herrliche Alleen. Damit das so bleibt, hat das Land Thüringen im vergangenen Sommer das Naturschutzgesetz geändert und Alleen noch stärker unter Schutz gestellt. Die Naturschutzbehörden sind fleißig dabei, das geänderte Gesetz umzusetzen. Im Altenburger Land hofft man dabei auf die Hilfe der Bürger.

Eine Apfelbaumallee zwischen zwei Feldern.
Eine Apfelbaumallee nahe Zschernitzsch und Schmölln. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Wer früher mit der Pferdekutsche oder als Wanderer über Land reiste, der freute sich: Alleen zeigten den Weg, spendeten Schatten, und eine Obstbaumallee, die produzierte leckere Wegzehrung.

Auch in den Städten fanden sich Prachtalleen: Denn was so ein richtiger Herzog war, der ließ Bäume pflanzen. In Altenburg stehen zum Beispiel Baumreihen in der Leipziger und Geraer Straße oder in der Kauerndorfer Allee.

Viele Jahre aber fristeten Alleen ein recht trauriges Dasein. "Wenn ein Straßenbau realisiert wurde, musste der Baum an der Straße oft weichen. Da gab es dann Ersatzpflanzungen an anderer Stelle", erklärt Birgit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz im Altenburger Land. Auch für Hauseinfahrten oder die Zufahrt zum Supermarktplatz mussten immer wieder Bäume weichen.

Gesetz schützt Alleen besser als zuvor

Nun sei es schwieriger geworden, Alleen nachhaltig zu beeinträchtigen. "Durch diese Gesetzesänderung ist mehr zementiert, dass der Baum an selber Stelle auch wieder ersetzt wird." Und das sei gut: Immerhin haben Alleen eine lange Kulturgeschichte, prägen die Landschaft und sind Lebensraum für Tiere.

Das Naturschutzgesetz definiert Alleen als Bäume meist gleicher Art und in regelmäßigem Pflanzabstand, der in der Regel einen Kronenschluss in der Reihe zulässt. "Schöne Baumreihen haben Pech gehabt - aber man kann nicht alles haben", sagt Mike Jessat vom Nabu Altenburger Land mit einem Augenzwinkern. Denn auch der Naturschützer ist mit der Gesetzänderung weitgehend zufrieden, weil nun Behörden etwas in der Hand hätten, um "das Siechtum von Alleen" ein bisschen einzudämmen.

"Alleen, aber auch Baumreihen werden immer weniger, sukzessive, das merkt man gar nicht. So nach der Salami-Taktik: Immer mal ein Baum weg, ach schön, ein Sturm, wieder einer weniger", beschreibt Jessat das Verhalten in der Vergangenheit. Weil nicht nachgepflanzt wurde, verschwanden so zahlreiche Alleen. "Dabei ist das einfach mal schön, alte Bäume an der Straße oder am Feldweg", schwärmt er.

Amt bittet Bürger um Mithilfe: Wo gibt es Alleen?

Thüringen hat nun - laut Fachdienstleiterin Seiler - nach Mecklenburg-Vorpommern den umfassendsten Schutz für Allen in Deutschland. Und wer an Reisen an die Ostsee denkt, weiß nur zu gut wie es ist, entlang der idyllischen Alleen zu fahren.

Eine Baumreihe an einer Straße mit Wohnhäusern.
Viele Alleen gibt es nicht mehr, weil Bäume zum Beispiel für Hauseinfahrten weichen mussten. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Mit der Gesetzesänderung haben die Umweltämter nun gut zu tun. "Aber das machen wir gern! Entscheidend ist, dass wir Bürger und Gemeinden informieren, dass die Bürger uns helfen zu erkunden: Wo gibt es Alleen?", bittet Seiler um Hilfe.

Das Umweltamt will dann alle Alleen kartieren - 88 Kilometer sind bisher im Altenburger Land bekannt. Für alle Alleen müssen nun Anfang und Ende festgelegt sowie Anzahl und Baumart bestimmt werden. Dazu kommt die Pflege, denn die ist mit Verweis auf die Verkehrssicherungspflichten aufwendig - angesichts herunterfallender Früchte oder morscher Äste . "Leider stellt das Land dafür nicht mehr Personal zur Verfügung und wie ein geplanter Alleenfonds finanziert werden soll, ist auch unklar", sagte Seiler MDR THÜRINGEN.

Alleen auch wertvoll für die Tierwelt

Dennoch hoffen Behörde und Naturschützer, dass künftig wieder mehr Alleen in Thüringen gepflanzt werden. "Eine Baumallee strukturiert unsere monotone Landschaft. Deswegen ist jede Baumreihe am Feld- und Wegrand wichtig", sagt Naturschützer Jessat. Alleen, besonders mit großen, alten Bäumen, seien wertvoll - nicht nur weil sie schön sind, sondern auch für die Tierwelt.

Und einen leckeren Nebeneffekt haben neuere Obstbaumalleen wie bei Zschernitzsch auch, sagt Birgit Seiler: "Statt die Äpfel im Supermarkt zu kaufen, kann man im Sommer einfach welche pflücken." Die Stadt Schmölln hat dafür die Obstbaumallee bei Zschernitzsch durchnummeriert. Und so bekommen Apfelfans ihren eigenen Baum zugewiesen, wenn sie sich bei der Stadtverwaltung anmelden. Da lohnt sich die Wanderung durchs Altenburger Land nicht nur wegen der schönen Aussicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. Februar 2020 | 19:00 Uhr

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