Ankunft aus Österreich Altenburg bekommt weltgrößte Spielesammlung

Wer spielt, der kann gewinnen. Wer sich überreizt, der wird meist zum Verlierer. Für Altenburg beginnt das ganz große Spiel gerade erst. Aber gewonnen hat die Stadt schon jetzt. Mit der Ankunft einer Lieferung aus Österreich, die auf den ersten Blick unscheinbar ist: 31 Euro-Paletten, vollgepackt mit … Spielen.

Kartins und Transporter vor dem Altenburger Schloss
Insgesamt 30.000 Brett- und Gesellschaftsspiele aus aller Welt kommen nach Altenburg. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Der Morgen ist sonnig, aber kühl. Das Team um Florian Voss aber kommt schon etwas ins Schwitzen: Es ist schon etwas mühselig, die Fracht aus Leopoldsdorf bei Wien in die Depots in Altenburg zu bugsieren. Der Laster konnte nicht bis auf den Schlosshof fahren. Deshalb müssen die Paletten einzeln mit einem Hubwagen bis zum Museumstrakt gezogen werden, zig Meter übers holprige Kopfsteinpflaster. So wird sie in Besitz genommen: Die wohl weltgrößte Spielesammlung, die bisher im privaten Österreichischen Spielemuseum nahe bei Wien behütet wurde.

Mit Leidenschaft gesammelt, mit Bedacht weitergegeben

Brett- und Gesellschaftsspiele hatten Ferdinand de Cassan schon im Kindesalter fasziniert. Als Jugendlicher soll er begonnen haben, Spiele zu sammeln – doch die Hälfte davon habe er verloren bei der Trennung von seiner damaligen Freundin. So berichtete es schon vor über 20 Jahren ein Magazin in Österreich.

De Cassan soll danach umso mehr seiner Leidenschaft für Spiele gefrönt haben. Mit seiner Frau Dagmar versuchte er, die Begeisterung fürs Spielen zu verbreiten: Spieleabende zuhause waren der Anfang, später gründete sich ein "Spiele Kreis Wien", irgendwann verstanden Spiele-Hersteller weltweit, dass Familie de Cassan und Freunde regelmäßig die Praxistests für Spiel-Ideen absolvierten. Und so schickten Hersteller aus aller Welt gern ihre neuesten Spiele an die de Cassans. So wuchs ihre Sammlung auf über 30.000 verschiedene Spiele. Doch nach dem Tod Ferdinand de Cassans stand für seine Witwe Dagmar die Frage, wer künftig mit diesem Reichtum umgehen soll. Die Wahl fiel auf Spiele-Experten in Deutschland. Und schnell war auch die Rede von Altenburg, wo es ja schon eine jahrhundertealte Sammlung von Spielkarten gab.

Altenburg wird Ludologie-Standort

Mit der Sammlung aus Österreich kommt auch die Wissenschaft nach Altenburg. Denn die Sammlung de Cassan ist ganz offiziell vom Institut für Ludologie in Berlin übernommen worden. Ludus ist das lateinische Wort für Spiel. Die Ludologie also die Wissenschaft vom Spiel.

LKW wird entladen
Der erste LKW mit elf Tonnen Fracht: Spiele aus dem privaten Spielemuseum Österreich kommen in Altenburg an. Bildrechte: Marian Riedel/MDR

Die noch junge Wissenschaft hat sich mit den modernen Computerspielen und der Design-Entwicklung rasch gemausert – entdeckt aber natürlich auch die Welt der "alten Spiele". Gerade deshalb hatte der Berliner Ludologie-Institutsdirektor Prof. Dr. Jens Junge von Anfang an ins Spiel gebracht, dass die Schätze des Österreichischen Spielemuseum noch Altenburg kommen sollten. Seine Begründung: Das Schloss- und Spielkartenmuseum in Ostthüringen hat jährlich über 60.000 Besucher. Das sichert auch Öffentlichkeit für die Sammlung de Cassan. Sie wird in und für Altenburg eine kostbare Erweiterung zum bisherigen Bestand von 25.000 Spielkarten-Unikaten.

Der neue Spiel-Reichtum soll nun in Altenburg auch wissenschaftlich bearbeitet werden – Altenburg wird so auch ein Instituts-Standort. Die Mitarbeiter des Institutes forschen und lehren im Fachgebiet Spielewissenschaft an der SRH University Berlin, School of Design and Communication. Sie sind auch Partner der Humboldt-Universität. Am Institut werden jährlich 300 Studenten ausgebildet - zu Illustratoren, Designern und Spiele-Experten.

Künftig werden diese Studierenden auch in Altenburg forschen. Und die Sammlung auf dem Schloss soll in einem Schau-Depot für die Wissenschaftler und die Öffentlichkeit nutzbar sein.

Sammeln, forschen, zeigen – eine ganze Spielewelt in Altenburg

Für die Übernahme der Sammlung de Cassan hat sich das Team im Schloss- und Spielkartenmuseum gut vorbereitet. Vorhandene Depoträume wurden auf Vordermann gebracht, die Lagerbedingungen für wertvolles Kulturgut verbessert. Nun sollen die Neuzugänge von den 31 Paletten aus Leopoldsdorf systematisch gesichtet, dokumentiert und archiviert werden. Das gehört auch schon zu den Vorbereitungen auf das ehrgeizige Projekt, in Altenburg eine ganze Spielewelt als touristische Attraktion zu schaffen. Am Konzept dafür ist auch Ludologie-Professor Junge beteiligt.

Für die Umsetzung des Spieleweltprojektes hat Altenburgs Stadtrat gerade erst einen  Standort-Beschluss gefasst. Das Josephinum mitten in der City soll die Adresse werden – ein Ort, an dem dann auch Spiel aus der Sammlung de Cassan zu erleben sein dürften.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. September 2020 | 19:30 Uhr

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