Altenburger Land Zirkusfamilie plant Elefanten-Reservat

Autorenbild Franziska Heymann
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Zirkusfamilie Weisheit baut im Starkenberger Ortsteil Kostitz (Altenburger Land) ein Elefanten-Reservat mit Erlebnispark. Besucher können Elefanten und andere Zirkustiere ab Karfreitag besuchen. Die Mischung aus Tier- und Vergnügungspark sei weltweit einmalig, sagt Zirkusdirektor Hardy Weisheit. Tierschutzorganisationen kritisieren die Pläne.

Drei Elefanten gehen hintereinander über einen Hof.
Der Zirkus will nicht mehr reisen, sondern im Altenburger Land bleiben. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Zuerst lugt nur ein Rüssel aus der Tür. Es folgen die metallbestückten Elfenbeine. Ein Stück Ohr wackelt - und dann tapst ein riesiger Fuß aus dem Stall, mitsamt grauem Riesen. Moja marschiert als Größte vornweg. Hinter ihr trotten gemütlich die mopplige Gandhi und Tonga, die dritte Elefantendame. Eine kurze Stippvisite auf dem Außengelände steht für die beiden Afrikanerinnen und eine Asiatin an.

Aber nicht zu lange, es ist zu kalt draußen!

Hardy Weisheit Zirkusdirektor

Weisheit will der wartenden Journalistenmeute sein Projekt vorstellen: ein "Elefanten-Reservat & Erlebnispark". Vermutlich nicht die erste Attraktion, die einem beim Gedanken ans Altenburger Land einfällt. Wenn es nach Weisheit geht, sollen aber ab Karfreitag die Besucher strömen. Kinder zahlen 16 Euro Eintritt, Erwachsene 20 Euro - so der Plan.

Eine neue Heimat für die Zirkusfamilie

Mit seiner 20-köpfigen Zirkusfamilie und insgesamt 40 Tieren - von Elefanten bis Zebras über Kamele und Alpakas bis hin zu Pferden und Hunden - will sich Hardy Weisheit im beschaulichen Kostitz bei Starkenberg eine neue Heimat aufbauen. Vor drei Jahren hatte er das Gelände entdeckt, seitdem mit dem "Circus Afrika" in Kostitz überwintert und das 35.000 Quadratmeter große Gelände gekauft. Seit dem vergangenen Herbst baut die Familie intensiv das heruntergekommene Betonwerk aus DDR-Zeiten um. Wo heute noch die Lkw und Wohnwagen stehen, sollen bis Ostern zwei Zelte aufgebaut werden.

Erlebnispark statt Ruhesitz

Weisheit will dort einen Kinder-Mitmach-Zirkus veranstalten, Shows wie Arabische Nächte, Aqua-Spaß im Sommer, einen großen Indoor-Spielplatz mit Hüpfburg und Co. aufbauen. Herumziehen wird die Familie künftig nicht mehr: zu viele Auflagen, zu viel Bürokratie, zu hohe Stellplatzmieten in den Städten. "Da brauchst du ein Hochhaus von Beamten, um das zu schaffen, wenn du von Stadt zu Stadt ziehst", sagt Weisheit. Als Ruhesitz möchte der 52-Jährige das Domizil nicht bezeichnen. "Mit dem Umbau haben wir aktuell mehr Arbeit als zuvor beim Umherziehen", erzählt er mit einem Lachen. Tatsächlich ist es schwer zu glauben, dass bis Ostern alles besucherschick ist.

Neuer Tierpark Elefanten im Altenburger Land

Ein Mann führt zwei Elefanten über einen Weg.
Die Zirkusfamilie Weisheit baut im Starkenberger Ortsteil Kostitz ein Elefanten-Reservat mit Erlebnispark. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Ein Mann führt zwei Elefanten über einen Weg.
Die Zirkusfamilie Weisheit baut im Starkenberger Ortsteil Kostitz ein Elefanten-Reservat mit Erlebnispark. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Zwei Elefanten spielen mit einem Baumstamm.
Besucher können die Elefanten sowie Zebras, Kamele, Alpakas und Pferde voraussichtlich erstmals Karfreitag sehen. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Ein Mann streichelt einen Elefanten.
Hardy Weisheit mit einem der Elefanten. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Drei Elefanten gehen hintereinander über einen Hof.
Tierschutzorganisationen kritisieren die Pläne, weil die Tiere als Attraktion ausgenutzt würden. Positiv sei aber, dass sie nicht mehr herumgefahren würden und in einer Show auftreten müssten. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Eine Frau steht neben einem Pferd in einer Halle.
Tierische Nachbarn der Elefanten sind unter anderem Pferde. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Ein Elefant geht durch ein Tor in eine Halle.
Für das Elefanten-Reservat baut die Zirkusfamilie Weisheit ein ehemaliges Betonwerk aus DDR-Zeiten um. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
Zwei Elefanten stehen zwischen Bäumen.
Der Park soll künftig von Ostern bis Ende Oktober geöffnet haben. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 11. Februar 2020 | 17:40 Uhr

Ein Mann führt zwei Elefanten über einen Weg.
Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Elefanten-Ranger-Führerschein für Besucher

Die Stars dürften dann ganz klar die drei Elefantendamen Moja, Tonga und Gandhi sein. Die sanften Riesen will Weisheit als Besuchermagnet vermarkten. Neben dem "normalen" Besuch mit Füttern und Streicheln soll es einen Elefanten-Ranger-Führerschein geben. "Da lernt man die Pflege, den respektvollen Umgang, wäscht die Elefanten im Badeteich und am Ende, wenn man den Führerschein bestanden hat, kann man auf den Elefanten reiten und sie selbst führen", erklärt der Zirkusdirektor stolz.

Weltweit einmaliges Projekt

Die Mischung aus Tier- und Vergnügungspark sei weltweit einmalig, sagt er. Auch Elefanten-Schmusen und ein gemeinsames Bad im Badeteich soll erlaubt sein. Für die Elefanten wurde ein Außengehege abgesteckt, das knapp halb so groß ist wie ein Fußballfeld. Mit Bäumen zum Schubbern und Sand zum Spielen. Laut Weisheit gehen die Elefanten mindestens zweimal pro Woche im familieneigenen Waldstück spazieren. "Die Tiere lieben diese Spaziergänge", erzählt Weisheit und kuschelt mit Gandhi. Die rüsselt neugierig an der fotografierenden Journalistentruppe herum, lässt sich bereitwillig den Rüssel kraulen und posiert mit Weisheit für Fotos.

Tierschutzorganisationen äußern Kritik

Tierschutzorganisationen kritisieren die Pläne und erinnern daran, dass der "Circus Afrika" der Weisheits bereits häufiger negativ mit Prozessen und Auflagen durch Behörden auf sich aufmerksam gemacht hat. Ein Gutachter der Ludwig-Maximilians-Universität München hatte festgestellt, dass die Elefanten eine nicht heilbare Verhaltensstörung haben und nicht mehr ausgewildert werden können. "Das einzig Gute ist, dass die Tiere nicht mehr herumgefahren werden und in einer Zirkusshow auftreten müssen", sagt eine Sprecherin der Tierschutz-Stiftung "Vier Pfoten" MDR THÜRINGEN. Sie bedauert, dass Gandhi, Tonga und Moja in Kostitz nicht einfach Elefant sein dürfen. "Mensch-Tier-Kontakt sehen wir ebenso kritisch wie Selfies." Doch so lange die Bundespolitik Entertainment mit Tieren nicht verbietet, sei es schwer dagegen vorzugehen, weil die Grundvoraussetzungen zur Wildtierhaltung zu niedrig seien. "Vier Pfoten" fordert darum strengere Richtlinien.

Peta: "Einer der schlimmsten Zirkusbetriebe in Deutschland"

Die Tierschutzorganisation Peta kritisiert die Elefantenhaltung der Zirkusfamilie Weisheit seit Jahren scharf. "Die Liste mit Verstößen gegen den Tierschutz ist lang.

Der Circus Afrika ist einer der schlimmsten Zirkusbetriebe in Deutschland", sagt die für Zoo- und Zirkustiere zuständige Referentin und verweist beispielhaft auf zu lange angekettete Tiere, Misshandlungen und ein zu kaltes Stallzelt. Die drei Elefantendamen haben laut Peta eine seelische Störung, die sich im sogenannten Weben äußert: mit dem Kopf wackeln, wippen, kreisen. "Die Elefanten sollen weiterhin als Attraktion ausgenutzt werden. Reiten und Streicheln - das ist mit Zwang und Unterdrückung verbunden", erklärt die Peta-Sprecherin. Sie würde die Tiere am liebsten an eine Auffangstation übergeben. Zirkusdirektor Hardy Weisheit bezeichnet Peta hingegen als Sekte. Im Interview mit MDR THÜRINGEN erklärte er, Vertreter von Peta könnten sich vor Ort überzeugen, dass es den Tieren gut geht.

Gemeinde unterstützt Zirkusfamilie

Die Gemeinde unterstützt das Vorhaben, "solange sich Herr Weisheit an Gesetze und Normen hält", betont Starkenbergs Bürgermeister Wolfram Schlegel. Das sei aktuell - auch mit Verweis aufs Veterinäramt - der Fall. Schlegel lobt die Zirkusfamilie, die das heruntergekommene Gelände mit viel Engagement wieder aufbereitet. Im Dorf gebe es keine negative Resonanz.

Mitten im Gespräch schnaubt es plötzlich von hinten und ein warmes, etwas feuchtes Etwas schnuffelt zwischen Reportermikrofon und Bürgermeister herum. Schlegel grinst. Gandhi guckt neugierig, was denn da los ist auf ihrem Außengehege, auf dem sich mit Kamera und Notizblock bewaffnete Reporter tummeln. Vielleicht will sie aber auch einfach nur sagen: Macht mal hin, mir ist kalt! Zehn Minuten später führt Zirkusdirektor Weisheit seine kleine Elefantenmeute zurück in den Stall. Moja, Tonga und Gandhi trotten hinterher und rüsseln mal neugierig nach links, mal nach rechts. Gandhi posiert noch einmal gekonnt für die Kamera vom MDR THÜRINGEN JOURNAL. Den Zirkuselefanten kriegt man aus ihr wohl nicht mehr raus.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 11. Februar 2020 | 17:40 Uhr

1 Kommentar

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 16 Wochen

...am K A R F R E i T A G ? Ne Kinderbelustigung ?
Als „Nebenschauplatz“ zum Passionsfestspiel ???


Stille Feiertage sind und bleiben stille Feiertage ! - Basta !

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