Stromtankstelle von Ionity auf der A4-Rastanlage Altenburger Land.
Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

FAQ Was Thüringens neue Super-Stromtankstellen können

Nutzen können das Angebot viele Elektroautofahrer, ausreizen kein einziger: In Thüringen sind die ersten "Superstromtankstellen" in Betrieb. Fragen und Antworten dazu.

Stromtankstelle von Ionity auf der A4-Rastanlage Altenburger Land.
Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Worum geht es?

Das Netz öffentlicher Ladepunkte für Elektroautos wird auch in Thüringen von verschiedenen Anbietern ausgebaut. Auch auf den Rastanlagen der Autobahnen in Thüringen gibt es schon einige Ladesäulen, wie sich aus einer Karte der Bundesnetzagentur ergibt.

Der Betreiber Ionity hat jetzt auf der Tank- und Rastanlage Altenburger Land an der A4 eine erste "Superstromtankstelle" direkt an einer Autobahn in Thüringen eröffnet. Eine weitere hat die Firma an einem Rasthof nahe Gotha errichtet, wenige hundert Meter von der A4 entfernt. Die Thüringer Energie AG (TEAG) hatte eine erste Ladesäule mit identischen Leistungsdaten bereits im Mai eingeweiht - in einem autobahnnahen Gewerbegebiet in Thörey nahe der A4.

Was unterscheidet die Ladestationen von anderen?

Die Ladesäulen können Elektroautos mit 350 Kilowatt Leistung laden - das ist im Moment der Spitzenwert. "Und je höher die Leistung, desto schneller geht das Laden", sagt Carsten Krebs von Volkswagen, das Ionity zusammen mit BMW, Daimler und Ford gegründet hat. Er rechnet vor: Um wieder Strom für 100 Kilometer Fahrt zu "tanken", müsste der Fahrer seinen Wagen nur vier Minuten aufladen lassen. Der Haken: Kein einziges Elektroauto "verträgt" heute 350 Kilowatt. Erst langfristig werden neue Fahrzeuge mit solchen Werten zurechtkommen. Ein E-Auto, das mit 250 Kilowatt geladen werden kann, soll demnächst auf den Markt kommen. "Wir bauen die Ladeinfrastruktur der Zukunft auf", sagt Krebs.

Und wer kann die Säulen dann nutzen?

Die Technologie ist abwärtskompatibel: Auch ein Elektroautofahrer, dessen Fahrzeug nur mit 22 Kilowatt klarkommt, kann an den leistungsstarken Säulen Strom zapfen. Der Ladevorgang dauert dann genauso lange wie an schwächeren Ladesäulen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Fahrzeug mit einer Buchse des europäischen Steckersystems CCS Typ 2 ausgestattet ist.

Wie aufwändig ist der Aufbau der 350-Kilowatt-Technik?

Transformator einer Ionity-350-kw-Stromtankstelle auf der A4-Raststätte Altenburger Land.
Transformator der Ionity-350-KW-Stromtankstelle auf der A4-Raststätte Altenburger Land. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Ionity muss nach eigenen Angaben jede Ladestation mit einem eigenen 1,25-Megawatt-Transformator ausstatten, um die hohe Leistung der Zukunft bereitstellen zu können. Diese Verstärkung des Stromnetzes mache die Ladestationen teuer - jede von ihnen kostet nach Angaben des Unternehmens einen sechsstelligen Betrag.

Was kostet das Laden an der Superstromtankstelle?

Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule. Aus der Säule führt ein Stromkabel zum Auto.
Ladesäule der TEAG - hier ein leistungsschwächeres Modell. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Ionity verlangt pauschal 8 Euro pro Ladevorgang. Die TEAG-Preise variieren: Wer ohne Anmeldung kommt, zahlt für's Schnellladen 11 Euro, mit Monatsabo sind es 8,50. Das Monatsabo kostet für TEAG-Kunden 5 Euro und für Nichtkunden 8 Euro, wobei darin eine Ladung pro Monat inlusive ist.

Beide Anbieter wollen in den kommenden Monaten zudem ein alternatives Preismodell anbieten, bei dem nach übertragener Kilowattstunde abgerechnet word. Dies sei erst jetzt möglich, nachdem sich der Bund und die Eichämter auf eine verschlüsselte Übermittlung der Messdaten der Stromladesäulen geeinigt hätten.

Stichwort: Elektromobilität in Thüringen

Bisher existieren nach Angaben der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur (Thega) 526 Ladepunkte - also einzelne "Zapfsäulen" für E-Autos. Ende Juni waren in Thüringen 1.813 Elektrofahrzeuge angemeldet, was angesichts eines Gesamt-Kraftfahrzeugbestandes von 1,46 Millionen am 1. Januar 2018 sehr überschaubar ist. Allerdings: Die Zahl der Elektroautos steigt schnell. Allein im Juni 2019 wurden 335 Elektrofahrzeuge neu zugelassen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 13:14 Uhr

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14 Kommentare

20.07.2019 14:59 martin 14

@7 sachse: Na klar: Die Mehrheit der Insekten stirb wegen der Windräder und nicht wegen der Pestizide und dem fehlenden Nahrungsangebot.

Ich fahre zwar (noch) kein E-Auto, aber ich finde es richtig, dass die Ladeinfrastruktur aufgebaut wird. Weshalb funktioneirt es denn in Norwegen? Unter anderem, weil die eine vernünftige Elektrostruktur schon hatten. Ursprünglich zum Vorheizen der Autos im Winter gebaut, konnten die recht einfach erweitert werden. Funktioniert gerade in Oslo und für Pendler aus dem Umland prima. Für Nordnorwegen ist die Lösung noch nicht wirklich praxistauglich - da wird zu viel Heizleistung benötigt.

20.07.2019 14:26 Gerd 13

Hallo MDR,
schön das sie die Karte der Bundesnetzagentur verlinkt haben. Der erste Standort den ich da angeklickt habe (Kaufland Erfurt) ist schon nicht korrekt, da fehlt der Typ2 Anschluss. Für das Finden und Nutzen empfehlen sie doch goingelectric. Da bekommt der Nutzer alle Infos die irgendwie wichtig sein könnten. Wahrscheinlich weil nicht von Beamten gepflegt, sondern von den Nutzern selbst.

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