Menschen und Flugzeuge auf einem Flugplatz
Diese Maschine war bis 2010 als U-Boot-Jäger im Einsatz. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Altenburg-Nobitz Einmal Pilot sein - "Flugwelt"-Verein macht Luftfahrt erlebbar

Eigentlich sollten die Tore am Sonntag erst um 10 Uhr geöffnet werden. Doch  die ersten Besucher kamen lange vorher. Und so öffnete der  Verein "Flugwelt Altenburg-Nobitz“ die Türen zum einzigen Luftfahrt Museum Thüringens schon etwas früher.

von Marian Riedel

Menschen und Flugzeuge auf einem Flugplatz
Diese Maschine war bis 2010 als U-Boot-Jäger im Einsatz. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Nein, mit dem Andrang hätte er nicht gerechnet, sagt Vereinschef Frank Modaleck. Er hatte sogar Sorgen: Das Wetter war wirklich nicht sommerlich. Und ausgerechnet zum Sommerfest wurden kurzfristig auch noch Zufahrtsstraßen wegen Bauarbeiten gesperrt.  Trotzdem kamen weit über 1.000 Besucher - darunter viele, die man getrost Stammgäste nennen darf.

Start vor 15 Jahren - noch ohne Flugmaschinen

Nein, sagt Modaleck noch einmal: Niemand hat vor 15 Jahren damit gerechnet, dass die Arbeit des Vereins so große Resonanz finden würde. 2004 waren es nur wenige Leute, die den Traum von einem Luftfahrtmuseum wagten. Am Flugplatz Altenburg-Nobitz richteten sie damals die ersten vier Zimmer in einem ehemaligen Schulungsgebäude ein. Dort eröffnete der Verein "Flugwelt“ zu Ostern 2005 seine erste Ausstellung: Ein bisschen Geschichte des Flugplatzes und der Luftfahrt überhaupt wurde vorgestellt. Aber ein Freigelände zur Ausstellung brauchte der Verein damals noch nicht.

Menschen und Flugzeuge auf einem Flugplatz
Echte Fans lassen sich vom schlechten Wetter nicht abschrecken. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Das änderte sich schnell: Das "Flugwelt"-Team hielt Ausschau, wo es alte, originale Fluggeräte für die Ausstellung geben könnte. 14 Mal sind sie inzwischen nicht nur fündig geworden. 14 Mal haben sie alte Maschinen nach Nobitz holen und auf Vordermann bringen können.

Die jüngste Errungenschaft ist ein K26, ein Hubschrauber sowjetischer Bauart. Desolat dümpelte er in Polen herum. Drei Jahre dauerte es, um seinen Ankauf und Transport zu organisieren. Nur ein paar Monate brauchte der Verein, um die Einzelteile aufzuarbeiten und zusammenzufügen - jetzt kann der K26 pünktlich zum Sommerfest erstmals im Freigelände bewundert werden. Die Ausstellungsfläche draußen – sie ermöglicht es dem Verein, Luftfahrt wirklich erlebbar zu machen.

Einsteigen erlaubt, Nachfragen erwünscht

Gleich neben dem Museumsgebäude steht unter anderem eine Maschine, die bis 2010 als U-Boot-Jäger bei der Marine im Einsatz war. Hier dürfen Gäste hereinklettern, sich die Innenausstattung ansehen und erklären lassen. Ein bisschen Feeling bekommen, wie es an Bord für die Crew zuging - das ist kein Problem. Fragen werden von Vereinsmitgliedern gern beantwortet. Ein paar aus dem "Flugwelt"-Team haben selbst Flugerfahrung, arbeiteten früher beim DDR-Agrarflug. Die meisten aber sind keine aktiven Flieger gewesen.

Es gibt bei uns sogar einen, der hat selbst richtig Flugangst.

Frank Modaleck "Flugwelt" e.V.
Menschen und Flugzeuge auf einem Flugplatz
Aus der Transall rollen Motorroller - was für eine Überraschung! Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Im zweiten Außenbereich steht die C 160, eine Transall. Das berühmte Transportflugzeug, das auch in Katastrophengebieten Afrikas für Versorgungsflüge unterwegs war, kann auch von innen erkundet werden.

Hier darf man einmal in die Rolle des Piloten schlüpfen und im Cockpit über die Knöpfe, Schalter und Hebel staunen. Es gibt Vorführungen, wie die tonnenschwere Ladeluke sich öffnen und schließen lässt. Aus ihr rollen zum Sommerfest auch Fans von alten Motorrollern mit ihren Maschinen heraus. Auch diese Technikfreaks gehören schon zu den Stammgästen in Nobitz: Der "Flugwelt“-Verein zieht regelmäßig auch andere Interessengruppen für alte Technik an.

Sind nach 15 Jahren alle Träume verwirklicht? Zum dritten Mal heißt es beim Verein "Nein!". Denn einen großen Wunsch wollen sie sich auf alle Fälle irgendwann noch erfüllen: Ein große Halle für Luftfahrzeuge - um unabhängiger zu werden von Wind und Wetter.

Menschen und Flugzeuge auf einem Flugplatz
Inzwischen besitzt der Verein 14 Fluggeräte. Da wird es Zeit für eine Halle. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juli 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2019, 17:40 Uhr

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2 Kommentare

16.07.2019 11:27 Beleuchtete Schafswiesen 2

@Nr.1:

Prima Idee!

Aus jeder nutzlosen Steuergeldverbrennungspiste
ein Museum machen.

Da kann die Nachwelt sehen,
für was die Altvorderen
öffentliche Mittel verbraten haben.

15.07.2019 08:57 martin 1

Schade, dass Altenburg soweit weg von Erfurt ist. Dort müsste es doch Hallenkapazität geben und der Flughafen soll sich doch neue Geschäftsfelder erschließen - eines könnte ja "Museumsflughafen" sein. Museumshäfen gibt es ja schon ...

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