Serie I Starke Frauen Nicht wählen zu gehen, ist undankbar - Abiturientin Catrin Pengel

100 Jahre ist es her, dass in Deutschland das Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde. Zur letzten Kommunalwahl in Thüringen durften erstmals Jugendliche ab 16 wählen. Eine davon war Catrin Pengel aus Altenburg. Warum findet sie das wichtig? Was hat das mit dem Jubiläum des Frauenwahlrechts zu tun und was wünscht sie sich für die Zukunft?

Catrin Pengel
Die 17-Jährige Catrin Pengel engagiert sich politisch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich ist Catrin Pengel eine ganz normale 17-Jährige. Sie mag Sport, geht zum Tanztraining, malt, spielt Klavier, reist gerne und trifft sich oft mit ihren Freunden. Ganz nebenbei geht sie natürlich auch zur Schule. Ungewöhnlich ist ihr Engagement in der Kommunalpolitik. So ungewöhnlich, dass sie dafür letzte Woche ausgezeichnet wurde.

Vor allem im Jugendforum Altenburg bringt sie sich ein. Das ist eine Art Ideenwerkstatt, gegründet von Jugendlichen in Altenburg. Der Bund fördert es mit 5.000 Euro pro Jahr. Verschiedene Projekte werden damit umgesetzt. Am Samstag gibt es beispielsweise ein Konzert mit vielen jungen Musikern in der Brüderkirche in Altenburg. Catrin Pengel ist fast von Beginn an dabei: "Ich finde es wichtig, sich zu engagieren. Nicht allen geht es so gut wie mir. Und deshalb will ich etwas tun, dass auch andere Jugendliche etwas tun können, um sich ihre Träume zu erfüllen."

Ob es das Jugendcafè ist, in dem sich junge Altenburger treffen können, Hausaufgaben machen oder über ihre Probleme reden, oder die U18-Wahl, bei der Catrin Pengel Gesprächsrunden mit allen Kandidaten organisiert und moderiert hat. Sie ist ziemlich stolz darauf, dass die Wahlbeteiligung unter den Jugendlichen in Altenburg bei über 50 Prozent lag. Und aus ihrer Sicht wäre sie ohne diese jungen Wähler auch anders ausgegangen.

In Altenburg gibt es aus ihrer Sicht für Jugendliche noch viel zu tun. Ob es Skaterplätze sind oder Einkaufsmöglichkeiten, ob bessere Busverbindungen oder die Schulsituation - für Catrin Pengel ist das Wahlrecht für Jugendliche unverzichtbar: "Ich hatte das Gefühl, dass die Kommunalpolitiker uns und unsere Probleme dadurch endlich wahrgenommen haben".

Ähnlich ging es aus ihrer Sicht den Frauen vor 100 Jahren. Sie wurden unterschätzt, auf Heim und Herd reduziert. Und das ist nicht nur ein Thema im Geschichtsbuch. Auch Catrin Pengel hat damit zu kämpfen, dass man sie unterschätzt. Mit ihren langen blonden Locken und ihrer ruhigen Art landet sie schnell mal in irgendwelchen Schubladen. "Wenn ich dann allerdings mit den Leuten ins Gespräch komme, vergessen sie ganz schnell ihr Blondinenklischee." 

Was sie werden will, weiß sie noch nicht. Politikerin ist momentan aber keine Option. Ganz genau weiß sie allerdings, welche Themen momentan für sie wichtig sind: Die soziale Ungleichheit hierzulande stört sie extrem.

Auch vor dem Klimawandel kann keiner mehr die Augen verschließen. Große Sorgen macht ihr, dass rechtes Gedankengut in Deutschland zunimmt.

Dass so wenige Jugendliche sich für die Gemeinschaft einsetzen, sieht Catrin Pengel gelassen. Für einzelne Projekte kann sie immer wieder Mitstreiter finden. Und wenn es richtige Probleme gibt, setzen sich Jugendliche auch dafür ein, hofft sie. "Uns geht es wahrscheinlich einfach zu gut."

So große Kämpfe wie den ums Frauenwahlrecht oder die Wiedervereinigung Deutschlands kennt ihre Generation eben doch nur aus dem Geschichtsbuch.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur spezial | 09. November 2018 | 08:05 Uhr

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