Neue Ausschreibung Theater ohne Bühne: Zeitverzug bei Bauarbeiten in Altenburg

Die Drehbühne ist demontiert. Aber das alte Bühnenfundament steht noch immer da, obwohl der Beton im Theater Altenburg längst weggepickert werden müsste. Doch der Auftrag dafür musste zurückgehalten werden. Auf die vom Landratsamt ausgeschriebenen Arbeiten hatte sich nur eine Firma beworben. Ihr Angebot aber lag weit über den geplanten Kosten, sagt Landrat Uwe Melzer (CDU).

Die Arbeiten an den Fundamenten für das Theater Altenburg sind neu ausgeschrieben worden
Bei der Sanierung am Theater in Altenburg werden die Bauabläufe umgestellt. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Melzer steht da, wo eigentlich Bauarbeiter werkeln müssten. Doch es ist still im Bühnenhaus. "Wir veröffentlichen gerade heute die Ausschreibung neu. Wir haben die Arbeiten jetzt in drei kleinere Lose aufgeteilt. Da werden sich nun hoffentlich auch kleinere Unternehmen beteiligen können", sagt der Landrat. Aber klar ist auch: Nach diesem 13. Januar werden bis zur Auftragsvergabe noch einmal etwa drei Monate vergehen. Genauso lange stocken die Arbeiten schon.

Neue Ausschreibung für Aufträge am Theater Altenburg

Denn nach der ersten Ausschreibung hatte sich nur ein Unternehmer beworben. Sein Angebot lag rund eine Million Euro über der Kostenplanung. Deshalb wurde der Auftrag vom Landratsamt nicht vergeben. Das wollte der Bieter wiederum nicht akzeptieren - er beschwerte sich bei der Thüringer Vergabekammer. Eine sofortige Neuausschreibung war so auch nicht möglich. "Inzwischen hat die Vergabekammer entschieden", sagt der Landrat. Und nun hoffe er, dass es doch noch klappt, bis April 2021 fertig zu werden.

Der Umbau des Altenburger Hauses soll rund zwölf Millionen Euro kosten. Ohne Förderung vom Land wäre er nicht machbar. Genau wegen der Förderrichtlinien aber dürfen die Kosten nicht einfach in die Höhe gehen.

Die alten Fundamente im Bühnenhaus am Theater Altenburg sollten schon abgerissen werden
Die alten Fundamente im Bühnenhaus am Theater Altenburg sollten eigentlich schon abgerissen werden. Doch der Auftrag wird neu ausgeschrieben. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Bauabläufe im Theater für Wettlauf mit der Zeit umorganisiert

Als Sachbearbeiter für Hochbau hat Marco Scheiding vom Landratsamt inzwischen mit dem Technischen Direktor des Theaters, René Prautsch, die Abläufe aller Arbeiten im Theaterhaus noch einmal durchgecheckt. Gemeinsam haben sie nach Chancen gesucht, wie sie den Zeitverzug wieder aufholen können. Ihre Idee: Die Reihenfolge der Arbeiten wird auf den Kopf gestellt. Heißt: Die neu ausgeschriebenen Leistungen für den Abriss des alten Fundaments und die Pfahlgründungen des neuen Fundaments werden in den Sommer verschoben. Und jetzt wird gleich angepackt, was eigentlich erst dann passieren sollte: Vorgezogen werden im 24 Meter hohen Theaterhaus die Installation neuer Leitungen, die Montage neuer Züge, die Vorbereitung der neuen Bühnenbeleuchtung und so weiter.

Das Theater Altenburg von außen
Noch sind die Beteiligten zuversichtlich, dass der Umbau am Altenburger Theater bis April 2021 abgeschlossen sein wird. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

René Prautsch ist kein Schwarzmaler. Er hofft, alles bis April 2021 zu schaffen. Aber er sagt auch: Wir Theaterleute gehen jetzt daran, den Spielplan für 2021 zu entwickeln. Heißt: Es gibt zwar im Haus noch keine Bühne - aber für ihre Bespielung müssen schon bald Kosten ausgelöst werden. Das reicht von Kulissen und Dekobau bis zum Personaleinsatz und der Vertragsbindung für Gastkünstler.

Sanierung soll Altenburger Theater attraktiver machen

Zurzeit nutzt das Ensemble eine Zwischenlösung, um fürs Publikum da zu sein: In einem Theaterzelt wird gespielt. Doch auch diese Lösung kostet viel Geld und ist bisher nur bis April 2021 per Mietvertrag möglich. Dann wird das Theaterhaus wieder gebraucht - oder es kann bis zu seiner Fertigstellung nicht mehr gespielt werden.

Über diesen engen Hof und durch kleine Tore müssen bisher die Kulissen auf die Bühne des Theaters in Altenburg gebracht werden
Über diesen engen Hof und durch kleine Tore müssen bisher die Kulissen auf die Bühne des Theaters in Altenburg gebracht werden. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Nach Abschluss der Arbeiten wird das Landestheater Altenburg erstmals in seiner 150-jährigen Geschichte für Besucher barrierefrei sein. Dafür wird ein Aufzug eingebaut. Am heutigen Bühneneingang wird eine Rampe den direkten Transport von Kulissen und Technik ins Bühnenhaus ermöglichen - bisher muss das noch mühevoll über einen verwinkelten Hof erfolgen.

Eine Hochdruck-Nebel-Löschanlage wird die Brandsicherheit erhöhen. Und die neue Drehbühne entspricht dann der im Schwesterhaus, dem Geraer Theater. Das macht vieles einfacher für die seit Langem fusionierten Theater, die jede Produktion in beiden Städten auf die Bühnen bringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Januar 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 20 Wochen

Ich würde es mir sehr wünschen, dass auch über den Baufortschritt an anderen Thüringer Theatern hier geschrieben würde. Meines Wissens sind die Theater in Apolda, Arnstadt, Rudolstadt, Gotha, Hildburghausen, Nordhausen und Weimar derzeit Baustellen - oder doch zumindest ein ernsthafter Sanierungsfall...

An der Art, wie wir mit unserem kulturellen und immateriellen Erben umgehen, zeigt sich der Zustand unserer Gesellschaft. Das Handwerk ? Die Wirtschaft ?
Spielen dabei die erste Geige !


....und wer fragt heute noch nach dem Zustand unserer ehemals volkseigenen DDR-Betriebskulturhäuser und Wohngebietsgaststätten und Jugendklubs ???
Hoffentlich nich nur „icke“.... ;-)

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 20 Wochen

Hmmmm....

Ich glaube, ich werde langsam alt ! War es nicht erst gestern, als das Altenburger Theater generalsaniert worden ist ?! Ja, das Theater als großer Arbeitgeber der Region macht auch in der Bauphase seine Größe deutlich ! Nein, jeder der selbst schon einmal ein Haus gebaut hat, der weiß, welche Überraschungen im Laufe der Bauzeit möglich sind...

Wir schaffen das - wirklich ! Respekt ! :))

Rotti vor 20 Wochen

Vielleicht wäre die Aufregung immer geringer, wenn von Beginn an mit realistischen Zahlen und Prognosen gearbeitet würde? Aber es liegt auch oft an der Politik. Die Kleingeister dort lassen sich gern mit kleinen Zahlen locken und bringen bei Kostensteigerungen sofort die Überraschten. Wahrscheinlich gehört das zu deren Grundausstattung?

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