Lindenau-Museum Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky in Altenburg

von Marian Riedel

Nein, so einen Grafik-Bestand aus der Bauhaus-Zeit haben nicht viele Museen, sagt Dr. Benjamin Rux. Er verbirgt seine Begeisterung nicht. Gemeinsam mit seiner Kollegin Laura Rosengarten hat er wochenlang im eigenen Sammlungsbestand des Lindenau-Museums recherchiert. Und dabei hat er entdeckt: Die Altenburger sind in Besitz aller vier Grafikmappen, die am Bauhaus zwischen 1921 und 1924 herausgegeben worden sind. Ursprünglich wollten Bauhaus-Chef Walter Gropius und Lyonel Feininger, der Chef der druckgrafischen Werkstatt, sogar fünf Mappen editieren. Doch nicht alles ließ sich damals realisieren, sagt Benjamin Rux bei einer ersten Führung durch die Bauhaus-Sonderschau "Neue Europäische Graphik".

Grafik-Mappe des Bauhauses im Lindenau-Museum in Altenburg
Eine der Grafik-Mappen im Bestand des Museums Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Die Idee von Gropius und Feininger war: Nach Chaos, Leid und nationalistischer Verblendung in den Jahren des Ersten Weltkrieges sollten Künstler in einem transnationalen Projekt zusammengeführt werden. Ein Anfang, ein Versuch, eine Idee für eine "Neue Europäische Graphik" - dokumentiert in mehreren Künstler-Mappen! Die Nummer I sollten Bauhaus-Meister in Weimar gestalten. Die zweite Mappe war vor allem für Grafiker aus Frankreich geplant, weitere deutsche Künstler sollten sich in den Mappen Nummer III und Nummer V verewigen. Ausgabe IV war für Künstler aus Italien und Russland gedacht.

Kunstprojekt in der Klemme: große Idee, viel Aufwand, zu wenig Geld

Soweit der Plan. Gropius war klar, dass das ein teures Projekt würde. Doch er glaubte, einen Ausweg zu kennen: Er lud namhafte Künstler in ganz Europa ein, dem Bauhaus jeweils eine Arbeit zu schenken. So sollte eine ganz besondere, keineswegs national orientierte Werkschau der künstlerischen Avantgarde jener Zeit entstehen. Und der Verkauf der Grafikmappen sollte dem Bauhaus auch noch Geld einbringen.

Grafik-Ausstellung im Lindenau-Museum in Altenburg
Blick in die Ausstellung Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Eine nahezu geniale Idee in einer Zeit, denn die Kunstschule war finanziell knapp dran. Doch so ganz ging Gropius' Rechnung nicht auf. Laura Rosengarten schildert es beim Rundgang in der Sonderschau, zwischen Arbeiten von Marc Chagall, Giorgio de Chirico oder Jacoba van Heemskerk. Also von Künstlern, die fernab von Weimar arbeiteten. Diese Ferne sorgte für Aufwand, der nicht immer bezahlbar war: Da musste zum Beispiel eine Originalgrafik von Paris nach Weimar geschickt werden. Nach dem Druck in der Bauhaus-Werkstatt musste das Blatt aber wieder zurück nach Paris, um dort auch signiert zu werden. Und dann wieder nach Weimar, um irgendwann in einer Mappe veröffentlicht zu werden…

Bauhaus ganz nah: Ansehen, hinterfragen, selbst ausprobieren

Solche Abläufe kamen ins Stocken, schon weil seit Ende des Ersten Weltkrieges die Geldentwertung immer rascher voran ging. Die Inflation in Deutschland begleitete und behinderte das Kunstprojekt vom ersten Tage an. Auch deshalb blieb Grafik-Mappe Nummer II ein Fragment, erschien Mappe IV mit weniger Blättern als geplant. Das ganze Projekt wurde für Gropius eher zum Verlustgeschäft als zu einem wirtschaftlichen Erfolg.

Altenburg Lindenau-Museum zeigt Grafiken aus Bauhaus-Projekt

Grafik-Mappe des Bauhauses im Lindenau-Museum in Altenburg
Das Museum in Altenburg hat, was nicht viele Museen haben: vier komplette Mappen Grafik aus dem Bauhaus. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
Grafik-Mappe des Bauhauses im Lindenau-Museum in Altenburg
Das Museum in Altenburg hat, was nicht viele Museen haben: vier komplette Mappen Grafik aus dem Bauhaus. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
Grafik-Ausstellung im Lindenau-Museum in Altenburg
Die Schau lädt bis Mai nicht nur zum Sehen ein. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
 Bunte Bauklötzchen auf einem Tisch
In der Probierecke können Besucher selbst etwas gestalten. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
Auf einem Tisch liegen Bauklötzchen, Stempelkissen und Stempel
Museumspädagogen haben einen Raum in Bauhausfarben ausmalen lassen. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
Grafik-Ausstellung im Lindenau-Museum in Altenburg
Zu den über 80 Druckgrafiken gehören Motive von Feininger. Bildrechte: MDR/Marian Riedel
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Grafik-Ausstellung im Lindenau-Museum in Altenburg
Zu den über 80 Druckgrafiken gehören Motive von Feininger. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Ideell wurde es später zum Stein des Anstoßes für die Nationalsozialisten. Sie ließen nach Recherchen des Lindenau-Museums gezielt Grafik-Mappen vernichten. Auch deshalb sind heute nur wenige vollständig erhalten. Daraus und aus anderen, eigenen Sammlungsbeständen sind nun in Altenburg 83 Druckgrafiken zu sehen. Geschichten um die Arbeiten und ihre Künstler vermitteln bis Mitte Mai Führungen, Lesungen und ein Filmabend. Dazu haben die Museumspädagogen einen Ausstellungsraum in den Farben des Bauhauses ausmalen lassen - dort können sich Besucher mit Bausteinen und Farbstempeln selbst ausprobieren beim Gestalten. So, wie es Künstler in der Bauhaus-Zeit vorgemacht haben.

Ausstellung "Das Bauhaus - Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky Dauer: 24. Februar bis 19. Mai 2019
Ort: Lindenau-Museum, Gabelentzstraße 5, 04600 Altenburg
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2019, 15:45 Uhr

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