Verfaulter Keller
So sieht es in den Kellern privater Häuser aus. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Altenburger Land Altlasten in Rositz-Schelditz werden beseitigt

In Schelditz steigt seit Jahren verseuchtes Grundwasser wegen eines alten Teerverarbeitungswerks auf. Bund, Land und Bergbau haben sich nun geeinigt. Mit Millionen-Aufwand wollen sie das Altlasten-Problem lösen.

von Marian Riedel

Verfaulter Keller
So sieht es in den Kellern privater Häuser aus. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Da möchte man den eigenen Augen und Nasen nicht mehr trauen: Ein tiefer Spatenstich im Garten - und schon drückt eine übel riechende Brühe ans Tageslicht. Dieses unangenehme Erlebnis hatten Hausbesitzer in Schelditz schon vor Jahren. Es war das Hochwasser von 2002, das erstmals Schadstoffe des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz ans Tageslicht spülte. Seitdem zerbrechen sich die Einwohner und Umweltfachleute die Köpfe. Wie könnte es weitergehen mit der Wohnsiedlung? Was kann man tun gegen die Misere dort? Und vor allem: Wer soll das bezahlen?

Jetzt endlich scheint es Antworten zu geben. Bund, Land Thüringen und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft LMBV haben sich geeinigt. Die drei Partner wollen mit Millionen-Aufwand ein Altlasten-Problem lösen, das jahrzehntelang unbemerkt geblieben war.

Mit dem Grundwasserstrom nach Schelditz

Verantwortliche präsentieren Einigung zu Altlasten-Problem
Einigung der Partner am Freitag. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Seit 1917 waren in Rositz Braunkohle und Erdöl verarbeitet worden. Das Mineralölwerk stand im Zweiten Weltkrieg auf der Zielliste der Alliierten. Durch Bombenangriffe gelangten zig Tonnen giftiger Stoffe in den Boden. Und bleiben dort jahrzehntelang - ohne zunächst sichtbar Schäden zu verursachen. Mit dem Grundwasserstrom gelangten sie nach Schelditz. An die Oberfläche kamen sie durch den Anstieg des Grundwassers. Der wurde ausgelöst durch die schrittweise Einstellung des Braunkohlebergbaus im Süden Leipzigs.

Sichtbar wurde der Problemfall Schelditz ausgerechnet zu der Zeit, als Fachleute, Politiker und Einwohner gerade froh waren, dass das alte Werksgelände von Schadstoffen befreit und für eine neue Nutzung saniert war. Genau deshalb war es so schwierig, wieder Geld locker zu machen, um nun den Schelditzern zu helfen. Inzwischen sind bei denen zehn Gebäude kontaminiert und nicht mehr nutzbar. Hinzu kommen vier Häuser, denen allein der Grundwasseranstieg stark zusetzt. Darüber hinaus gelten weitere Häuser als gefährdet.

Drei Partner finanzieren gemeinsam

Gelber Neubau mit Grünstück
Der verseuchte Wohnblock wird abgerissen. Dorthin kommt jetzt ein Rückstaubecken. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Die Einigung der drei Partner sieht nun vor, dass die großflächige Grundwasserreinigung gemeinsam finanziert wird. So steht es im Vertrag vom 16. Februar 2018, der die Unterschriften von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund, LEG-Geschäftsführer Andreas Krey sowie die LMBV-Geschäftsführer Klaus Zschiedrich und Hans-Dieter Meyer trägt. Alles in allem investieren Bund und Land 13 Millionen Euro. Die LEG, die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, wird nicht mehr nutzbare Gebäude und Grundstücke ankaufen. "Die LEG Thüringen übernimmt damit auch die Sanierungsverantwortung für die betreffenden Grundstücke", erklärte Geschäftsführer Andreas Krey.

Einige Betroffene sind bereits umgezogen. Acht private Wohnhäuser, ein ehemaliges Gewerbeobjekt und ein Wohnblock der Wohnbaugesellschaft Rositz sollen abgerissen werden. In elf Gebäuden in der Talstraße werden Keller durch Verfüllung oder durch eine sogenannte weiße Wanne vor eindringendem Wasser geschützt. Alle Planungsschritte sollen nun im kommenden Jahr abgeschlossen werden. 2020 soll die Umsetzung beginnen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren.

Luftbildaufnahmen vom Teersee in Rositz im Laufe der Zeit

Historische Luftaufnahmen aus Thüringen sind nicht nur für Historiker und Hobbyforscher interessant. Die einmaligen Bilder zeigen Veränderungen am Teersee in Rositz während des zweiten Weltkriegs, danach und bis heute.

Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 23.12.1943. Seit 1935 wird der Teersee zur Ablage giftiger Industrieabfälle aus dem Teerverarbeitungswerk (unten im Bild) genutzt. Der Pfeil auf das Werk mit der Beschriftung "Target" (englisch für "Ziel") bezeichnet das Ziel für die Luftangriffe der Alliierten.
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 23.12.1943.
Seit 1935 wurde das Restloch eines Braunkohlebergbaus zur Ablage giftiger Industrieabfälle aus dem Teerverarbeitungswerk (unten im Bild) genutzt. Der Pfeil auf das Werk mit der Beschriftung "Target" (englisch für "Ziel") bezeichnet das Ziel für die alliierte Luftangriffe.
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 23.12.1943. Seit 1935 wird der Teersee zur Ablage giftiger Industrieabfälle aus dem Teerverarbeitungswerk (unten im Bild) genutzt. Der Pfeil auf das Werk mit der Beschriftung "Target" (englisch für "Ziel") bezeichnet das Ziel für die Luftangriffe der Alliierten.
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 23.12.1943.
Seit 1935 wurde das Restloch eines Braunkohlebergbaus zur Ablage giftiger Industrieabfälle aus dem Teerverarbeitungswerk (unten im Bild) genutzt. Der Pfeil auf das Werk mit der Beschriftung "Target" (englisch für "Ziel") bezeichnet das Ziel für die alliierte Luftangriffe.
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 21.07.1944 kurz vor einer Bombardierung des Teerverarbeitungswerks im Zweiten Weltkrieg.
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 21.07.1944 kurz vor einer Bombardierung des Teerverarbeitungswerks durch alliierte Flugzeuge. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 21.07.1944 kurz nach einer Bombardierung des Teerverarbeitungswerk im Zweiten Weltkrieg.
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 21.07.1944 kurz nach einer schweren Bombardierung des Teerverarbeitungswerks. Die zahlreichen Bombenkrater sind deutlich zu erkennen. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 08.06.1953
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 08.06.1953. Zu DDR-Zeiten wurde das Werk als Volkseigener Betrieb geführt. In den See wurden weiterhin Rückstände aus der Erdöl- und Teerverarbeitung abgelagert. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 12.07.1983
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 12.07.1983. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 08.05.1988
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 08.05.1988.
Nach der friedlichen Revolution in der DDR wurde das Teerverarbeitungswerk geschlossen. Bis 1990 wurden in den 18 Meter tiefen und 2,1 Hektar großen Teersee Abfälle gekippt.
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 15.04.2003
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 15.04.2003. Seit 1998 wurde der See saniert. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 27.03.2007
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 27.03.2007.
Das Werk wurde zurückgebaut und der See komplett ausgebaggert.
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 12.05.2008
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 12.05.2008. Die Verfüllung des Sees begann 2008. Insgesamt wurden 343.000 Kubikmeter aus dem See entnommen und das Loch mit 380.000 Kubikmeter Erde verfüllt. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 05.05.2013
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 05.05.2013.
Die Sanierung des Teersees wurde 2012 abgeschlossen und kostete etwa 80 Millionen Euro. Das Werk ist zurückgebaut und der Teersee begrünt und kaum noch zu erkennen.
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
Luftbild vom Teersee in Rositz (Neue Sorge) vom 18.03.2015
Luftbild vom einstigen Teersee in Rositz (Neue Sorge) am 18.03.2015. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 16. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 19:55 Uhr

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