Computer-Monitor mit beschlagnahmter Sprengstoff-Plattform xplosives.net
Die Ermittler haben die Plattform "xplosives.net" inzwischen beschlagnahmt, sie ist nicht mehr frei zugänglich. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Schmölln Razzia gegen Sprengstoff-Plattform: Thüringer verdächtigt

Bei der Polizeiaktion gegen die Bombenbastler-Plattform "xplosives.net" ist auch ein Thüringer ins Visier der Fahnder geraten. Bei dem Mann aus Schmölln sicherten die Ermittler 30 Kilogramm Chemikalien, aus denen Sprengstoff hergestellt werden könnte.

Computer-Monitor mit beschlagnahmter Sprengstoff-Plattform xplosives.net
Die Ermittler haben die Plattform "xplosives.net" inzwischen beschlagnahmt, sie ist nicht mehr frei zugänglich. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Unter den Beschuldigten im Fall der Bombenbau-Website "xplosives.net" ist auch ein Thüringer. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Göttingen handelt es sich um einen 24 Jahre alten Mann aus Schmölln im Altenburger Land. Bei ihm seien am Dienstag 30 Kilogramm Chemikalien beschlagnahmt worden, mit denen Sprengstoff hergestellt werden könne. Ein politisches Motiv besteht bei dem Mann nach bisherigem Ermittlungsstand nicht.

Nach Informationen von MDR THÜRINGEN rechnen ihn die Ermittler dem unmittelbaren Umfeld der Plattformbetreiber zu. Er soll einer der aktivsten Nutzer von "xplosives.net" gewesen sein. Das Verfahren gegen den Mann wird von Staatsanwaltschaft und Polizei in Niedersachsen geführt. Dort werden die Ermittlungen gegen 22 Beschuldigte in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien koordiniert. Im Thüringer Landeskriminalamt leisteten nach Informationen von MDR THÜRINGEN das Dezernat für Organisierte Kriminalität sowie Sprengstoff-Fachleute Amtshilfe.

Plattform für Bombenbastler und Waffennarren

Auf der Internet-Plattform sollen sich seit 2006 Bomben- und Waffenbastler ausgetauscht haben. Die Behörden gehen von zuletzt 360 aktiven Nutzern aus. Nach Ansicht der Ermittler ging es um eine Art sportlichen Wettstreit beim Bau von Bomben und Waffen. Videos zeigten die Explosionen der selbstgebauten Sprengsätze. Der Göttinger Polizeipräsident Lührig sprach davon, es seien "fast Meisterschaften gewesen, die dort ausgespielt worden sind."

Ein Mann benutzt die beleuchtete Tastatur eines Notebooks
Auf der mittlerweile stillgelegten Website sollen sich rund 360 Mitglieder über Bombenbau und Waffen ausgetauscht haben. Bildrechte: dpa

Bei der groß angelegten Durchsuchung am Dienstagmorgen hatten die Behörden 300 Kilogramm Chemikalien beschlagnahmt, mit denen Sprengsätze hergestellt werden können. Außerdem wurden Waffen und Drogen gefunden. Bei einem Tatverdächtigten aus Soest in Nordrhein-Westfalen wurden rechtsradikale T-Shirts und Aufkleber sowie eine Hakenkreuz-Fahne sichergestellt. Gegen ihn ermittelt deswegen der Staatsschutz. 22 Verdächtige hatten die Ermittler bei der Aktion ins Visier genommen. Bei allen Beschuldigten handelt es sich um deutsche Männer zwischen 17 bis 55 Jahren. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sg/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. August 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:07 Uhr

2 Kommentare

martin vor 3 Wochen

Bis auf einen Aspekt stimme ich Ihrem Beitrag völlig zu.

Allerdings sind nicht alle Bombenbastler politisch motiviert. Manche Mensche fahren gern Autorennen andere mögen Knaller. Richtig ist: Genausowenig wie Autorennen auf öffentliche Straßen gehören, gehört Sprengstoff in die Hände von Unbefugten. Aber nicht alle Sprengstofffreunde wollen ihre Produkte als Waffe gegen Menschen einsetzen. So viel Differenzierung darf schon sein - finde ich jedenfalls.

Mediator vor 4 Wochen

Gut dass die Polizei diesem extremistischen Netzwerk erst einmal den Stecker gezogen hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Ermittler genügend Material gefunden haben um jetzt auch in der Realität diese Leute hochzunehmen. Kein Mensch braucht Rechtsextremisten die in unseren Straßen Bomben zünden um Terror zu verbreiten und Menschen zu töten.

Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie solche Menschen wohl Sprüche wie "Scheiß auf Anstand" und das Geschwaffel von einem "Notwehrrecht" gegen den Staat höchstpersönlich interpretieren. Von daher hat so manches Gerede im Bundestag und auf Dresdner Plätzen durchaus gewalttätige Folgen in der Realität.

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