17-Meter-Damm Lärmschutz in Starkenberg – das richtige Mittel zum Zweck?

Nein, sagt Lutz Kermes. "Was die Starkenberger Baustoffwerke vorhaben, ist nicht das richtige Mittel zum Zweck des Lärmschutzes." Kermes gehört zu einer Bürgerinitiative, die seit langem fordert, das Unternehmen solle etwas tun gegen den Lärm vom Firmen-Ladebahnhof in Starkenberg. Aber die Pläne für einen riesigen Wall lehnt die Bürgerinitiative ab.

Eine Güterzugverladestation
Südlich von Gleisanlage und Mischstation soll der 1250 Meter lange Wall geschüttet werden Bildrechte: MDR/Marian Riedel
Eine technische Zeichnung
Der Ausschnitt aus dem Bauentwurf zeigt, wie in der Querschnitt des Dammes in einem Baubereich aussehen soll Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Beantragt hat das Unternehmen Starkenberger Baustoffwerke den Bau eines nicht gerade kleinen Lärmschutzwalles. Mit 17 Meter Höhe würde er manches mehrgeschossige Haus überragen. Bis zu 12 Meter breit soll der Damm aufgeschüttet werden – auf eine Länge von 1.250 Metern.

Mächtiges Bauwerk – aber nur Lärmschutz in eine Richtung

Am Ende könnte dieses Bauwerk aber den Lärm vom Betriebsgelände nur nach Richtung Süden eindämmen. Die Dörfer, die in den anderen Himmelrichtungen rund ums Werk liegen, würden die Geräuschkulisse vom Ladebahnhof weiter ertragen müssen. Lutz Kermes argwöhnt: "Soll später vielleicht noch ein Damm dort und dort und dort dazu kommen?"

Vorgesehener "Bau-Ersatzstoff" kommt als Rückfracht

Für die Baustoffwerke wäre das ein gutes Geschäft, glaubt die Bürgerinitiative. "Wir möchten unsere Infrastruktur gut auslasten", hält Dr. Ralf Müller vom Unternehmen dagegen. Er meint damit die eigenen Gleisanlagen und die eigene Güterzüge, die aus Lärmschutzgründen derzeit nur von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends für Be- und Entladungen genutzt werden dürfen. Das Unternehmen würde gern auch nachts arbeiten.

Drei Männen an einen Tisch
Lutz Kermes von der Bürgerinitiative (rechts) und Dr. Ralf Müller vom Unternehmen (von hinten) – an einen Tisch, aber schon auf Distanz Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Die Züge liefern aus Starkenberg Sand und Kies für Baustellen außerhalb Thüringens. Zum Beispiel auch für das Bahn-Bau-Projekt "Stuttgart 21". Damit die Züge nicht leer zurückfahren, bringen sie von dort tausende Tonnen Bodenaushub mit. Der soll für den Lärmschutzwall genutzt werden, bestätigt Dr. Müller und verweist auf das Rohstoff-Kreislauf-Gesetz. Das ermöglicht es, den Abfall von einem Ort als sogenannte "Bau-Ersatzstoffe" am anderen Ort zu verwerten. Allerdings nur, wenn Schadstoffbelastungen nicht dagegen sprechen.

Bürgermeister fühlt sich zwischen den Stühlen

Zwei Männer in Schutzwesten neben einem Güterzug
Dr. Ralf Müller vom Unternehmen und Bürgermeister Wolfram Schlegel am Ladebahnhof, neben dem der Lärmschutzwall entstehen soll Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Starkenbergs Bürgermeister Wolfram Schlegel hat ein bisschen das Gefühl, beim Thema Lärmschutzwall zwischen den Stühlen zu sitzen: Er will die Bürgerinteressen wahren, er will aber auch die ortsansässigen Unternehmen unterstützen. Aber das ist oft nicht einfach. So wollte er im Sinne der Bürger einen alten Weg erneuern lassen – mit Baumaterial, wie es im Lärmschutzwall verwendet werden soll. Doch da flatterte ihm ein Schreiben ins Haus: Das Landratsamt riet, diese "Bau-Ersatzstoffe" für den Wegebau nicht zu nutzen.

Was aus Unternehmensidee für den Lärmschutzwall wird, ist noch offen. Erst müssen verschiedene Genehmigungsverfahren durchgeführt werden. Und so ist auch weiterhin zwischen 6 Uhr und 22 Uhr immer mal wieder Lärm zu hören. Die unangenehmsten Geräusche entstehen da immer, wenn Baggerschaufeln die Eisenbahnwaggons auskratzen, mit denen fremdes Material nach Starkenberg geholt wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

1 Kommentar

Theodor Dienert vor 22 Wochen

Nochmals für den Herrn Journalisten Marian Riedel:
„...wenn Baggerschaufeln die Eisenbahnwaggons auskratzen...“
Ein Bagger hat als Anbaugerät eventuell einen Löffel oder wie im vorgenannten Fall einen Greifer!
Auf KEINEN Fall hat ein Bagger eine Schaufel.
Mit einer Schaufel arbeitet ein Bauarbeiter oder ein Radlader.
Und wer es noch immer nicht begriffen hat sollte sich die Bewegung eines Löffels bzw. einer Schaufel vor Augen halten.

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen