Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Haedea, Hera und Hella - Alle Zuchttiere haben Namen mit H - nach dem "Wohnort" Hartha. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Landwirtschaft Neugierige Strauße erobern das Altenburger Land

Seit zehn Jahren betreibt Familie Burkhardt in Hartha im Altenburger Land eine Straußenfarm. Anfangs wurden sie dafür noch skeptisch beäugt, mittlerweile läuft der Laden. Denn Kopf in den Sand steckt dort niemand.

Autorenbild Franziska Heymann
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

von Franziska Heymann

Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Haedea, Hera und Hella - Alle Zuchttiere haben Namen mit H - nach dem "Wohnort" Hartha. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Noch ein bisschen schüchtern staksen die jüngsten Bewohner der Straußenfarm durch ihre Gehege. Die Küken wurden im Juli geboren, reichen einem Erwachsenen aber schon etwa bis zum Kinn. Mit ihrem schüchternen Blick, dem gestreiften Hals und dem wild-wuschligen Federkleid möchte man die Jungen am liebsten knuddeln. "Aus niedlich wird lecker“, sagt Jungfarmer Paul Burkhardt trocken und holt den verklärt blickenden Besucher zurück in die Realität: Es ist eben kein Straußen-Streichelzoo, sondern eine Zuchtfarm.

Aus niedlich wird lecker

60 bis 70 Küken schlüpfen jedes Jahr auf dem Hof. Weil bis auf eine Brut im Jahr alle Jungen im Bruthaus schlüpfen, brauchen die Kleinen viel Zuneigung: "Wir müssen Mama und Papa ersetzen, also viel Zeit mit den Küken verbringen und ihnen zeigen, wie bei uns der Hase langläuft“, erzählt der junge Farmer. Vor allem die ganz Kleinen sind extrem unselbständig. Nach wenigen Tagen wird das aber besser, dann können sie sicher laufen und gehen auf Erkundungstour. "Wir sind dann nur Beiwerk und wenn mal einer den Anschluss verliert, müssen wir aufpassen und zeigen: Hier guck mal, da ist deine Truppe.“

Strauße sind besonders neugierig

Bis zum "Lecker“-Status haben die Kleinen noch etwas Zeit: Frühestens im Alter von 13 Monaten werden Strauße geschlachtet. Bis dahin dürfen sie niedlich sein und den lieben langen Tag vor sich hin picken. Oder eben majestätisch sein, ulkig, ungelenk, erhaben oder panisch. Und furchtbar neugierig!

Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Auch ein erfahrener Straußenfarmer ist nicht vor Schnappattacken gefeit. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Während Paul Burkhardt am Zaun steht und das kleine Straußen-Einmaleins erklärt, versammelt sich hinter ihm eine bunte Straußenschar und streckt immer wieder den Kopf über den Zaun, unter den Zaun durch und auch zwischen die dicken Holzstreben. Rumms. Wieder dagegen geknallt in der Aufregung! "Man kann das Tier den ganzen Tag bespaßen und der geht nicht weg. Wenn man genügend Ideen hat, dann bleibt der Strauß den ganzen Tag an deiner Seite“, erzählt der 23-Jährige, der seine Eltern auf der Farm unterstützt. Und ergänzt mit einem Schmunzeln: "Er ist nicht wirklich die hellste Kerze. Ich sag immer liebevoll: Der Strauß ist nicht nachtragend. Also sein Auge ist zum Beispiel größer als sein Gehirn.“ Immerhin können Strauße mit ihren schwarzen Kulleraugen rund zwei Kilometer weit sehen. Ein Heißluftballon beispielsweise löst richtig Panik aus – mittlerweile herrscht über Hartha Fahrverbot für Ballons. Und wenn die Bahn hupend vorbeifährt, dann flitzen auf der Farm 100 Strauße gleichzeitig los.

Von Frankreich nach Ostthüringen

Familie Burkhardt betreibt die Straußenfarm in Hartha seit zehn Jahren. Die Idee hat Bertram Burkhardt aus Südfrankreich mitgebracht. Dort hatte er vor der Rückkehr nach Thüringen viele Jahre gearbeitet. Zwei Jahre fuhr er an einer Straußenfarm vorbei. Eines Tages siegte die Neugier, so ein bisschen wie beim Strauß also. Burkhardt schaute sich die Farm an und brachte der Familie eine Kostprobe mit. "Wir haben das gegessen, fanden das oberlecker und haben gesagt: Du darfst gern öfter anhalten“, erinnert sich "Junior“ Paul.

Nach zehn Jahren läuft es jetzt

Als die Familie sich für die Rückkehr ins Altenburger Land entschied, um den Vierseithof der Großeltern zu bewirtschaften, wurde schnell klar: Strauße sind eine Option. Anfangs wurde die Familie dafür skeptisch beäugt. Nach zehn Jahren funktioniert die Mischung aus Direktvermarktung und Gastronomie sowie der Verkauf über Hofläden ziemlich gut. Inwieweit der Hof zum Feriendomizil ausgebaut werden soll, da ist sich Bertram Burkhardt noch nicht ganz sicher. Ideen hat er viele. "Wenn wir uns dafür entscheiden, dann richtig, mit Lodge und allem drumherum, wo der Strauß dir morgens durchs Fenster guckt.“

Ein Strauß bringt 40 Kilo Fleisch

Im Juni 2009 hatte die Familie mit 15 Küken auf dem Hof angefangen. Derzeit leben rund 100 Laufvögel auf der Farm. Bis zur nächsten Brutzeit im April schrumpft der Bestand:

Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Hektor ist der Hahn im Korb und mit seinen 2,80 Meter Kopfhöhe durchaus beeindruckend. Er ist einer von drei Zuchthähnen auf der Farm Burkhardt. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Im Schnitt werden alle zwei Wochen zwei Tiere geschlachtet. Burkhardts haben dabei eine Goldene Regel: "Wer nicht spurt, kommt in die Pfanne“, sagt Paul Burkhardt. Ein Strauß, der ihn oder seine Eltern beim Füttern angeht, tritt oder zu viel Unruhe in die Truppe bringt, der wird mit einem grünen Punkt unterm Flügel markiert. "Und dann der ist beim nächsten Mal schlachten ganz weit vorn mit dran!“

Ein ausgewachsener Strauß bringt rund 40 Kilo verwertbares Fleisch. Daraus wird Filet und Bockwurst, Salami oder Sülze. Anders als bei Hühnern wachsen bei Straußen Männlein und Weiblein auf und werden verwertet. Natürlich werden auch Federn und Eier im Hofladen verkauft.

Heunachschub wegen Trockenheit

Rund 20 Tiere teilen sich ein Gehege. Zu schaffen macht Burkhardts dabei die Trockenheit. "Anfangs mussten wir maximal sechs Monate Heu zufüttern, mittlerweile sind es neun Monate“, erzählt Paul Burkhardt. In diesem Jahr war es sogar nur ein heufreier Monat. Nun hat die Familie reagiert: Die Gehege werden bewässert und auf zusätzlichen Flächen baut sie selbst Grünfutter an. Das Heu bekommen die Tiere mundgerecht serviert: Weil sie keine Zähne haben, müssen die Halme auf drei bis fünf Zentimeter Länge gehäckselt werden.

Strauße auf der Farm der Familie Burkhardt im Altenburger Land.
Die Augen eines Straußes sind größer als sein Gehirn. Er ist zwar nicht besonders clever - kann aber rund zwei Kilometer weit gucken. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Am oberen Ende der Farm thronen die Zuchttiere: Drei Hähne mit ihrem jeweiligen Harem von drei, vier Damen. Der Größte ist Hercules mit seinen 2,80 Meter Kopfhöhe. Wenn er über die Wiese tanzt, flippen seine Mädels Hilary, Helena und Hestia aus – nun, zumindest zur Paarungszeit. "Es ist schon faszinierend, was da eigentlich für eine Urgewalt in dem Tier schlummert. Aber eigentlich gehen die Tiere total friedlich mit uns um“, erklärt Paul Burkhardt seine Faszination für den Vogel Strauß. Auffällig sind die kleinen Steine, die überall im Gehege rumliegen: Die brauchen Strauße für die Verdauung. Sand gibt’s auch – damit reinigen die Tiere ihre Federn. Den Kopf in den Sand stecken Strauße nämlich nicht, das ist nur ein hartnäckiges Gerücht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 19:50 Uhr

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