Steinfigur unter grünem Netz an einer Dachgaube vor stahlblauem Himmel.
Das baufällige Halbe Schloss wird von einem Netz zusammengehalten. Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Langenleuba-Niederhain "Halbes Schloss" im Altenburger Land wird wieder versteigert

Das "Halbe Schloss" in Langenleuba-Niederhain im Kreis Altenburger Land steht vor dem vierten Besitzerwechsel innerhalb von drei Jahren. Der aktuelle Eigentümer hat das Thüringer Kulturgut an ein Auktionshaus gegeben. Als Mindestgebot sind für das mehrstöckiges Gebäude und 4.000 Quadratmeter Grund 1.000 Euro aufgerufen. In Worten: Tausend.

von Michaela Schenk

Steinfigur unter grünem Netz an einer Dachgaube vor stahlblauem Himmel.
Das baufällige Halbe Schloss wird von einem Netz zusammengehalten. Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Das Auktionshaus mit Stammsitz in Dresden nennt das Thüringer Schloss ein "kleines Highlight" auf seiner bevorstehenden Sommer-Auktion und bewirbt im Exposé vor allem Schätze, die sich hinter den brüchigen Schlossmauern befinden: Sandsteinbodenplatten, Holztüren mit Metallbeschlägen, reich gestaltete Kamine - "zahlreiche, originale Ausstattung" aus der Barockzeit. Sich davon einen Eindruck verschaffen ist aktuell nicht möglich. Die Bauaufsichtsbehörden verwehren seit wenigen Tagen den Zugang. Das Schloss sei "akut einsturzgefährdet", heißt es dazu aus dem Landratsamt Altenburger Land.

Zu seinem Namen kam das "Halbe Schloss" durch einen radikalen Eingriff im Gebäude. Nachkommen der Besitzerfamilie ließen vor 180 Jahren einen Flügel des Schlosses abreißen. Aus dem vierflügeligen wurde ein dreiflügeliges Schloss. Fast zeitgleich wurde der Wassergraben verfüllt, der ursprünglich um das Schloss führte. Gründe für den Eingriff sind dem Denkmalschutz nicht bekannt. 

Katja Müller-Pflugbeil, Vorstand bei der Sächsischen Grundstücks-Auktionen AG, ist dennoch optimistisch. Ihr Haus vermakelt das Schloss zum zweiten Mal. Und Müller-Pflugbeil hält ein "ähnlich sensationell gutes Ergebnis" wie im Dezember 2015 für möglich. Damals konnten 22.000 Euro erzielt werden und damit mehr als das Vierfache des aufgerufenen Mindestpreises.

Besitzer in Spanien

Bei der Auktion soll ein Schweizer Bieter das Ergebnis in die Höhe getrieben haben. Als neuen Besitzer registrierten Gemeinde und Landkreis im Sommer 2016 jedoch nicht ihn, sondern einen spanischen Geschäftsmann. Das Schloss war nicht die einzige Immobilie, die der Madrilene de la M. zu diesem Zeitpunkt in der Region besaß. Es war allerdings die mit Abstand älteste und baufälligste.

Das Schloss ist über 300 Jahre alt. Seine Planer und Auftraggeber stammten aus Leipzig, errichtet wurde der auffallend hohe, schlanke Bau 1707 unter der Regie des Altenburger Ratsbaumeister Johann Georg Hellbrunn. In der Region ist Hellbrunn eher für seine Bürgerhäuser bekannt. Langenleuba soll sein einziger repräsentativer Schlossbau sein.

Seit dem Regierungswechsel vor vier Jahren weisen die Thüringer Behörden Denkmal-Besitzer konsequent auf ihre Pflichten hin. Sie müssen laut Gesetz ihr Kulturgut erhalten und "pfleglich behandeln". Von derartigen Pflichten hat de la M. beim Kauf nichts gewusst, teilt er auf MDR-Anfrage per Mail mit und fügt hinzu:

Schließlich war es der Staat selbst, der mir das Schloss in genau dem Zustand verkaufte, in dem es sich befindet.

De la M. bekam das Schloss von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Bundestochter hatte das Schloss im Herbst 2015 in die Versteigerung gegeben, nur wenige Monate, nachdem es in ihren Bestand gekommen war.

Bund wollte das Schloss nicht

hinter grünem Netz Fenster mit kaputter Scheibe, mit Ziegeln geflicktes Sandsteingemäuer
Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Über 20 Jahre hatten die Bundesstellen die Annahme verweigert. Obwohl die Rechtslage eindeutig war: Ohne Rückübertragungsansprüche oder kommunale Nutzung zum Stichtag 1990 fiel "Eigentum des Volkes" dem Bund zu. So sah es der Einigungsvertrag vor. Und die Gemeinde Langenleuba nahm den Vertrag ernst.

Frist- und formgerecht teilten Ex-Bürgermeister Jürgen Schneider und seine Verwaltung den über die Jahre wechselnden Bundesstellen und ihren Sachbearbeitern stereotyp mit, dass die Gemeinde das Schloss schon seit 1966 nicht mehr nutze - seit dem Auszug der Schule. Die Briefwechsel mit Ein- und Ausgangsstempel aus 25 Jahren nach der Wende füllen einen Aktenordner.

Der Durchbruch im bürokratischen Hin und Her kam aber erst, als das Land Thüringen die Immobilie auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter setzte. Im Winter 2014 besichtigte dafür sogar der Landeskonservator die Anlage, er war dafür eigens aus dem 136 Kilometer entfernten Erfurt angereist. Im Februar 2015 erkannte der Bund nun plötzlich offiziell seine Eigentümerschaft an.

Die damit verbundene Hoffnung der Denkmalschützer, dass mit diesem finanziell starken Eigner endlich Dach und Schloss-Fassaden gesichert werden könnten, erfüllten sich jedoch nicht: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ließ das Schloss lediglich mit einem grünen Netz einpacken, zum Schutz vor herabfallenden Ziegeln und Steinen. An eine Sanierung war beim Bund auch keinen Moment gedacht worden, sagte Thorsten Grützner von der BImA MDR THÜRINGEN:

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist gesetzlich verpflichtet ihr Vermögen, an dem kein dienstlicher Bundesbedarf besteht, wirtschaftlich zu veräußern. Dies traf auch für das Grundstück in Niederleuba-Niederhain zu.

Dass der Bund das Schloss dazu in eine Versteigerung gegeben hatte, erfuhr die Gemeinde erst im Nachgang durch das Auktionshaus. Mit dem neuen spanischen Besitzer kam die Kommune nie in direkten Kontakt. Dass der Madrilene das Schloss an einen Landsmann weiterreichte, erfuhr die Verwaltung nur noch auf dem Postweg. Dieser Nachbesitzer gab das Schloss nun in die Auktion.

Steinfigur unter grünem Netz an einer Dachgaube vor stahlblauem Himmel.
Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Die anstehende Versteigerung wird in Langenleuba-Niederhain und im Landesamt für Denkmalpflege neugierig erwartet. Einen Weiterverkauf können sie nicht verhindern, aktiv eingreifen werden beide Seiten nicht. Die Gemeinde erfüllt auch nicht die Voraussetzung, ein Vorkaufsrecht geltend zu machen. Dazu müssten Pläne verabschiedet werden, wie die Fläche genutzt werden könnte. Das Schloss steht mitten im Ort. Seinem Verfall können alle im 2.000 Einwohner-Ort zuschauen. Wer auf einen Abriss spekuliert, dem gibt Landeskonservator Holger Reinhardt eine klare Abfuhr. Von der Denkmalliste streichen komme nicht infrage. "Dafür ist das Halbe Schloss als Kulturgut viel zu wertvoll".

 Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 31. Mai 2018 | 18:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2018, 18:07 Uhr

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1 Kommentar

01.06.2018 07:46 Karin Mahler 1

Sehr geehrte Frau Schenk,
habe aufmerksam Ihren Beitrag gelesen und gehört, fand ihn sehr gut, gut recherchiert, nicht übertrieben, einfach gut und objektiv berichtet. Wenn doch nun noch der "Richtige..." ihn lesen (und zuschlagen) würde... Viele Grüße an das ganze Team und weiter so

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