Gewässer in Hildburghausen
Die Pegelstände der Gewässer sinken in Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Trockenheit Niedrigwasser: Pegelstände der Thüringer Flüsse sinken weiter

Wegen der anhaltenden Trockenheit ist im Altenburger Land die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen ab sofort untersagt. Die Behörden sprechen von überdurchschnittlicher Trockenheit. Bisher seien allerdings noch keine Flüsse versiegt. Die Temperaturen steigen allerdings weiter und Regen fehlt überall.

Gewässer in Hildburghausen
Die Pegelstände der Gewässer sinken in Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wegen der anhaltenden Trockenheit ist im Altenburger Land die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen ab sofort untersagt. Das hat das Landratsamt am Donnerstagvormittag verfügt. Das Verbot gilt zunächst bis 15. September. Zuwiderhandlungen werden laut der Kreisbehörde mit Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet. Einzig das Tränken von Vieh ist demnach erlaubt.

Nur so könnte die Tier- und Pflanzenwelt vor Schaden bewahrt werden, erklärte Birgit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umwelt. Das Defizit im Wasserhaushalt aus dem Jahr 2018 sei noch nicht ausgeglichen. Ausreichende Niederschläge fehlten weiterhin. In der vergangenen Woche hatte der Landkreis Hildburghausen die gleiche Entscheidung getroffen.

Niedrigwasserbericht veröffentlicht

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz hat am Donnerstag den aktuellen Niedrigwasserbericht veröffentlicht. Dafür wurden 27 Thüringer Flüsse analysiert, deren Einzugsgebiete zwischen 12,5 km² (Gehlberg/Wilde Gera) und ca. 4.200 km² (Frankenroda/Werra, Oldisleben/Unstrut) groß sind. Als Einzugsgebiet bezeichnet man die Fläche einer Landschaft, aus der ein Fließgewässer sein Wasser bekommt.

Weniger Wasser als im langjährigen Durchschnitt

Der Bericht zeigt, dass bei fast allen untersuchten Flüssen die Durchschnittswerte unterschritten werden. Verglichen wurden sie dafür mit den Abflusswerten der vergangenen Jahre. Sie liegen zum Stichtag (10. Juli) bei 34 Prozent. 25 der 27 untersuchten Fluss-Pegel liegen unter dem Durchschnitt. Den Rekord hält die Schwarza bei Schwarzburg. Dort wurde der niedrigste bisher gemessene Tageswert nochmals unterschritten. Wenn es so trocken bleibt, werden weitere Flüsse folgen. Beispielsweise die Leine bei Heiligenstadt.

Überdurchschnittliche Trockenheit

Von 27 untersuchten Flüssen führen derzeit 17 Niedrigwasser. Beispielsweise die Werra bei Eisfeld. Unter dem Landesdurchschnitt liegen auch die Abflüsse in den Flussgebieten der Weißer Elster, Pleiße und Saale. Insgesamt etwas günstiger als im Landesdurchschnitt ist die Situation an der Ilm und im Werragebiet (ohne Leine). Insgesamt bezeichnet der Bericht die Situation als "überdurchschnittlich trocken, aber noch nicht als extrem trocken".

Bisher kein Fluss versiegt

Ein Trockenfallen ist selbst bei den kleinsten beobachteten Einzugsgebieten (Wilde Gera, Zahme Gera und Steinach) bisher nicht eingetreten. Das zeitweise Versiegen der Ilm im Bereich Kranichfeld und der Apfelstädt im Bereich des Truppenübungsplatzes Ohrdruf ist jahreszeitlich normal, so das Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.

Trockenfallen So wird eine in der Natur vorkommende Erscheinung bezeichnet, bei der sich Wasser vom Land zeitweise oder auf Dauer zurückzieht und der Gewässergrund frei liegt.
Dabei engt sich das Gewässer zunehmend ein, und Fließgewässer können vollständig versiegen, Stillgewässer austrocknen.

Hitzerekorde befördern die Trockenheit

Im gerade vergangenen Juni sind vielerorts neue Hitzerekorde aufgestellt worden. Neben der Lufttemperatur spielt auch die Oberflächentemperatur eine wichtige Rolle im Klimasystem der Erde sowie für die Gesundheit der Menschen. Durch das Copernicus Programm der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Europäischen Union (EU) sowie den Sentinel 3 Satelliten ist es möglich, kostenfreie Daten zur Oberflächentemperatur weltweit zu erhalten.

Damit können jetzt besonders hitzebelastete Regionen Thüringens identifiziert werden. Für den Freistaat stehen täglich bis zu vier Satellitenbilder bereit, welche die Oberflächentemperatur für 1km² große Flächen messen. Eingeschränkt werden die Messungen nur durch Wolken.

Große Unterschiede durch Beschaffenheit der Oberflächen

Die Auswertung ergab dabei sehr deutliche Unterschiede bei den Oberflächentemperaturen. Die im Vergleich zur Lufttemperatur sehr hohen Werte erklären sich durch die direkte Sonneneinstrahlung ohne Wolkenbedeckung sowie Material und Beschaffenheit der Oberfläche. Gebäude und Straßen heizen sich zum Beispiel sehr viel schneller und stärker auf als Wasserflächen.

Im Juni 2019 waren demnach bebaute Bereiche mit einer Durchschnittsoberflächentemperatur von 23.3 °C wärmer als Wiesen (22.1 °C), Wälder (21.6 °C) oder landwirtschaftliche Flächen (22.5 °C). Insgesamt lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur in Thüringen bei 22.1 °C.

Die Karten zu Oberflächentemperatur und Hitzebelastung können Sie sich hier herunterladen. Quelle: Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Umwelt - Referat Klimaagentur, Contains modified Copernicus Sentinel data [2019]

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Juli 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 18:16 Uhr

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15 Kommentare

13.07.2019 11:56 Ralf Sattler 15

Ich habe keinen Zusammenhang zwischen der AfD und der Belastung des kleinen Mannes hergestellt, lieber Martin. ICH sehe das so, und bestimmt viele andere Menschen auch. Übrigens hat die Kommision, die die Auswirkungen der CO2 Besteuerung im Auftrage der Bundesregierung ja nun eingeräumt, daß es eher die Bezieher kleinerer Einkommen, Pendler und Mieter belasten wird. Dabei diskutierte man zuvor über Monate hinweg das Thema zu hohe Mieten in Deutschland. Und daß die Leute sehr weit auf Arbeit pendeln müssen, gerade bei uns im Osten, und daß dies im ländlichen Raum ohne Auto auch nicht geht, kann man definitiv nicht wegdiskutieren.

13.07.2019 10:51 martin 14

@11 wirkelos: Sie sind für mehr Überschwemmungen und Hochwasser bei Starkregen? Oder meinen Sie, dass der Starkregen erst durch die Rückhaltebecken entsteht? Nun, man kann in diesem Land auch die Meinung äußern, dass die Erde eine Scheibe sei....

Richtig ist: Bäume in den Städten würden das Mikroklima verbessern - was in vielen Städten meines Erachtens dringend nötig ist. Allerdings haben sie keinen nennenswerten Einfluss auf die Niederschlagssituation.

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