Altenburger Land Schandfleck in Dobitschen: Das Wasserschloss verfällt

In Dobitschen leiden die Einwohner des Dorfes unter dem maroden Zustand des Wasserschlosses. Die alten Gemäuer verfallen, seit sie 1997 an eine Immobilienfirma aus Berlin verkauft wurden. Der Eigentümer nutzte das Gebäude aus Sicht der Gemeinde nur als Spekulationsobjekt und Steuerabschreibungsmodell. Er habe nie Interesse gehabt, das Gut zu sanieren.

von Tino Wiemeier

Protestschild an einem Wasserschloss
Das alte Wasserschloss ist marode und verfällt seit Jahren. Ein Schild am Straßenrand soll Autofahrer auf die Misere aufmerksam machen. Bildrechte: MDR / Tino Wiemeier

Seit Jahren ist Bärbel Berkholz vom örtlichen Geschichtsverein darum bemüht, wieder Leben in das Wasserschloss einziehen zu lassen: "Es fehlt sehr. Es ist wirklich tragisch, weil nichts, gar nichts passiert. Und da stehen wir hier und haben den Schandfleck im Dorf. Wir waren vorher etliche Male schönstes Dorf im Kreis. Wir brauchen gar nicht mehr anzutreten", beklagt sich Bärbel Berkholz, der beim Anblick des Schlosses das Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht. Denn hier verfällt ein Stück Geschichte.

Wechselvolle Geschichte

Erstmals erwähnt wurde das Wasserschloss 1181 als Rittergut. Auf dessen Mauern wurde 1696 das Wasserschloss errichtet. Nach Kriegsende wurde es Volksamt, später diente das Schloss als Ausbildungsstätte der LPG. In den 1970er-Jahren kamen Stallungen und Verwaltungsgebäude hinzu. Die verfallen inzwischen ebenso wie das Schloss selbst.

Im vergangenen Sommer spitzte sich die Lage zu: Nach einem Brand stürzte eines dieser Gebäude ein. Weil es direkt neben der Kirche stand, war die Sorge groß, dass das Gotteshaus auch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Denn die alten Grundmauern stützen die Kirche. Doch diese Mauern wurden nicht beschädigt.

Einsturzgefährdet ist die Mauer nicht. Sie ist ja normalerweise konisch gebaut und durch den Druckwinkel vom Kirchgebäude wird sie stabilisiert.

Bernd Große ehemaliger Kirchenratsvorsitzender

Allerdings bieten die Ruinen ein trauriges Bild. Vor jedem Gottesdienst hat Pfarrerin Martina Mönnich Sorge, dass ihre Gäste zu nah an den gefährlichen Abgrund treten und stürzen könnten. Ihr größter Wunsch wäre es, dass die Trümmer endlich beräumt würden: "Natürlich würden wir uns ein besseres Umfeld wünschen. Naja, Pfarrerinnen dürfen vielleicht hin und wieder auch mal ein Wunder erleben!"

Geschichtsverein hofft auf neuen Besitzer

Wie die Denkmalschutzbehörde jetzt mitteilte, ist der bisherige Eigentümer des Schlosses kürzlich verstorben. In Dobitschen hofft man, dass durch seine Erben wieder Bewegung in die Sache kommt.

Der Geschichtsverein, allen voran Bärbel Berkholz, wird jedenfalls weiter kämpfen. Förderer und Unterstützer sollen gesucht werden, damit neues Leben in die alten Mauern einziehen kann. Räume für Ihren Verein, ein Hotel vielleicht, die Träume sind groß. Bis sie in Erfüllung gehen, wird der Denkmalschutz auch weiterhin nur Notsicherungen durchführen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Thüringen Journal | 07. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2019, 11:50 Uhr

1 Kommentar

Manfred04639 vor 6 Wochen

Dafür muss die Treuhand zur Verantwortung gezogen werden. Sie hat alles für apel und Ei verscherbelt. Jetzt soll und muss sie dafür auch gerade stehen.

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