Apothekerkammer Werden in Thüringen die Medikamente knapp?

Als "Klopapier-Phänomen" bezeichnen Apotheker das Hamstern bestimmter Medikamente. Die zuständige Kammer appelliert jetzt an Apotheken und Bürger, beispielsweise Schmerz- und Fiebermittel nicht auf Vorrat zu kaufen. Die Lieferengpässe liegen ganz woanders.

Blick in das vollautomatische Medikamentenlager einer Apotheke
Gesteigerte Umsatzzahlen bei bestimmten Medikamenten deuten die Apotheker als Zeichen der Bevorratung. Bildrechte: dpa

Die Landesapothekerkammer bittet Apotheken und Bürger dringend, Medikamente nicht zu hamstern. Vor allem um Paracetamol hat es in den vergangenen Wochen laut Lutz Gebert von der Landesapothekerkammer einen Hype gegeben.

Schmerzmittel Paracetamol knapper

Das rezeptfreie Medikament wird vor allem bei Schmerzen oder leichtem Fieber eingenommen. Damit ist es kein Saison-Medikament. Der Absatz übers Jahr sei normalerweise stabil, sagte Gebert. In den vergangenen Wochen sei Paracetamol aber künstlich verknappt worden. Das Gesundheitsministerium bestätigte MDR THÜRINGEN, dass Apotheken und Großhändler in Thüringen von gesteigerten Umsatzzahlen berichten. Ein Zeichen der Bevorratung, heißt es aus dem Ministerium.

Medikamenten-Engpässe eigentlich woanders

Lutz Gebert, Inhaber der Osterlandapotheke in Schmölln, spricht vom "Klopapier-Phänomen". Dabei gebe es eigentlich für alle genug. Bei anderen Medikamenten sieht es aber nicht so rosig aus. "Die Liste der Medikamente, die fehlen, ist ellenlang", sagte Gebert.

Die Ursache dafür sieht der Apotheker aber nicht in der Corona-Krise. Schon seit zwei Jahren klagen Apotheker über Engpässe. Die Gründe für das Fehlen von Medikamenten sind dabei vielfältig. Einen hebt die Landesapothekerkammer besonders hervor: Dem Gesundheitssystem fehlt Geld. Viele Probleme könnten laut Gebert gelöst werden, wenn Medikamente nicht im fernen Ausland, sondern in Europa produziert würden.

Medikamente
Medikamente werden häufig im Ausland produziert. (Symbolfoto) Bildrechte: colourbox

Wichtiges Medikament zur Beatmung von Corona-Patienten

In der aktuellen Situation klagt der Klinikverbund Regiomed vor allem über einen Mangel an Propofol. Das Medikament wird für die Beatmung von Corona-Infizierten benötigt. Da der Bedarf bald nicht mehr gedeckt werden könne, werde derzeit nach Alternativen gesucht. Das Thüringer Gesundheitsministerium berichtet dazu, Propofol-Engpässe hätten sich bereits Ende des vergagenen Jahres gezeigt und nun verstärkt. Dabei sei aber nicht das Medikament also solches, sondern nur die Ausführung einzelner Packungsgrößen und Stärken eingeschränkt lieferbar.

Andere Arznei - gleicher Wirkstoff

Ähnliches beobachtet Apotheker Lutz Gebert auch in seiner Apotheke. Kunden fragten oft nach einem ganz bestimmten Medikament. Überspitzt formulierte der Apotheker es so, dass Kunden dringend die rote Packung von Hersteller X möchten, obwohl in der gelben Packung von Hersteller Y das selbe Medikament sei. In solchen Fällen sollten Patienten Ärzten und Apothekern vertrauen und bereit sein, zur anderen Packung zu greifen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. April 2020 | 14:00 Uhr

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