Eine Frau steht auf einer Trittleiter und hat die Hände durch einen Drahtzaun geteckt. Auf der anderen Seite steh ein Junge und nimmt sich eine Bratwurst aus einem Korb, den die Frau hält.
Verkauft trotz höchstinstanzlichen Urteils ihre Bratwürste: Christina Wagner Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Raststättenstreit Rodaborn-Gastwirtin verkauft weiter Bratwürste über den Zaun

Eine Frau steht auf einer Trittleiter und hat die Hände durch einen Drahtzaun geteckt. Auf der anderen Seite steh ein Junge und nimmt sich eine Bratwurst aus einem Korb, den die Frau hält.
Verkauft trotz höchstinstanzlichen Urteils ihre Bratwürste: Christina Wagner Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

"Zwei Thüringer bitte!", ruft ein Autofahrer durch den Zaun. "Mit Senf?", fragt Christina Wagner zurück: "Kommt sofort!" Es ist mittags kurz vor eins. Auch am Tag nach dem juristischen Aus für ihren Bratwurstverkauf steht Christina Wagner vor der ehemaligen Raststätte Rodaborn am Grill. Und macht genau das, was sie eigentlich nicht darf: Sie legt die gegrillten Bratwürste samt Brötchen in einen Korb, geht damit ein paar Meter weiter bis zum Zaun, steigt auf eine Leiter und reicht den Korb rüber auf die andere Seite zu den Autofahrern auf dem Parkplatz.

"Ich stehe auch morgen und übermorgen hier"

"Ich stehe auch morgen und übermorgen hier", sagt Wagner und kündigt an: "Das geht weiter. Auf alle Fälle." Das zurückliegende Gerichtsverfahren, sagt sie, sei lächerlich gewesen. Ihre Anwältin werde weiter machen. "Zwei Möglichkeiten gibt es noch", sagt Wagner. Welche zwei das sind, will sie nicht sagen. Darum werde sich ihre Anwältin kümmern. Verstehen kann sie die Entscheidung der Richter nicht. "Meine Fragen sind nicht beantwortet worden", sagt sie. "Es wurde einfach nur wieder abgewiesen. So gebe ich nicht auf."

Woher sie die Kraft nimmt, um weiter zu machen, kann sie nicht sagen. Aber es gehe ja um ihre Existenz und darum, ihre Familie zu ernähren. Zugesetzt hat ihr der lange Streit dann aber doch. "Ich habe mich eigentlich auf unsere Regierung verlassen, aber bin verlassen worden", sagt sie. "Ich fühle mich von niemandem mehr vertreten."

Zuspruch von Autofahrern

Bestärkt fühlt sich Wagner aber von den Autofahrern, die auf dem Parkplatz hinter dem Zaun halten und bei ihr Bratwürste kaufen. "Es ist sehr schade, dass die Behörden das nicht genehmigen", meint ein Autofahrer. "Obwohl der Laden läuft, das ist einfach nur traurig." Ein anderer kennt die Raststätte noch aus DDR-Zeiten: "Wir waren immer hier bei der Raststätte, und ich verstehe nicht, warum man das nicht erhält."

Christina Wagner zuckt derweil mit den Schultern und legt neue Bratwürste auf den Grill. "Der Bedarf ist doch da", sagt sie. Und dann ruft auch schon wieder jemand vom Parkplatz herüber: "Zwei Roster bitte!"

Bratwurststreit seit 2009

Wagner hatte die ehemalige Raststätte Rodaborn im Jahr 2009 von der Bundesregierung gekauft. Das Haus, das als Deutschlands erste Autobahnraststätte gilt, kaufte sie ohne Konzession. Damals, sagt sie, sei ihr zugesichert worden, dass sie durch eine Tür im Zaun und eine Brücke Zugang zu den Parkplätzen auf beiden Seiten der A9 haben werde.

Kurz nachdem sie aber 2009 einen Imbiss eröffnet hatte, seien die Türen entfernt worden. Daraufhin verkaufte sie ihre Bratwürste durch den Zaun und kämpfte um einen Zugang zum Autobahnparkplatz. Jahrelang. Immer wieder mal erregte sie damit Aufmerksamkeit. Mal als sie ankündigte, Rodaborn offiziell als Weltkulturerbe vorzuschlagen, mal als die damalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sich um Vermittlung beim für Autobahnen zuständigen Bundesverkehrsminister bemühte. Als das Landesamt für Bau und Verkehr den Verkauf über den Zaun mit Verweis auf das Bundesfernstraßengesetz verbot und mit einem Zwangsgeld drohte, klagte Wagner vor dem Verwaltungsgericht in Gera. Dieses wies die Klage im Mai 2016 ab. Wagner ging in Berufung und verlor im Mai 2017 vor dem Oberverwaltungsgericht.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 01.06.2017 | 08:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2017, 05:00 Uhr

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25 Kommentare

03.06.2017 18:27 Petra Stein 25

@Landfrau, 23
Ich finde das gar nicht peinlich. Thüringer Bratwürste sind in jeder Lage unwiderstehlich und unübertrefflich.

Peinlich ist die Sache höchstens für die Bundesregierung und die Zuständigen für bundeseigene Immobilien, die die Frau offensichtlich nicht fair behandelt haben.

03.06.2017 12:00 R.Grünwald 24

Egal was passiert, Verantwortlich sind immer "WIR" , Wir wählen, Wir unterstützen,Wir lassen Dinge zu.....niemand anders .... WIR .....WIR sind Richter, WIR sind Politik, WIR sind Gesetz , und an dem was Politik und Richter entscheiden sind WIR Schuld, weil WIR es zulassen !

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