Ermittlungen gegen Schweinezuchtanlage Thiemendorf: Anzeige zu Ferkeltötung kam vom Betrieb

Die neuen Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) gegen die Schweinezuchtanlage Gut Thiemendorf im Saale-Holzland Kreis gehen auf eine Selbstanzeige des Unternehmens zurück. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Zuvor hatte es geheißen, Auslöser sei eine Strafanzeige des Zweckverbandes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung Jena-Saale-Holzland gewesen.

Unternehmen: Haben selbst über Verstöße informiert

Razzia in Schweinemastanlage Thiemendorf
Schweinemastanlage Thiemendorf Bildrechte: Hans Radschiner

Geschäftsführer Peter Fuglsang sagte MDR THÜRINGEN, er habe selbst den Zweckverband über einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz informiert. Hintergrund waren Videoaufnahmen, die nach Angaben des Unternehmens einzelne Fälle von unsachgemäßen Tötungen von Ferkeln dokumentieren. Die Aufnahmen stammen vom November vergangenen Jahres. Nach MDR-Informationen waren sie dem Unternehmen vor Ausstrahlung in der ARD mit Bitte um Stellungnahme zur Kenntnis gegeben worden. Sie zeigen, wie Ferkel mit dem Kopf gegen eine Fläche geschlagen werden.

Arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen Mitarbeiter

In einer Pressemitteilung teilt der Anwalt von Gut Thiemendorf mit, dass einzelne Mitarbeiter bei der Nottötung von Ferkeln in der Schweinezucht augenscheinlich Fehler gemacht hätten. Die dokumentierten Vorfälle hätten "unverzüglich" zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen geführt. Ein Verstoß gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen und gegen ausdrückliche betriebsinterne Weisungen sei "vollkommen inakzeptabel". Auf Nachfrage teilte das Unternehmen mit, dass zwei langjährige Mitarbeiter abgemahnt wurden und keine Nottötungen mehr durchführen dürften. Außerdem habe ein Teamleiter seinen Posten verloren. Insgesamt sind im Gut Thiemendorf nach eigenen Angaben 38 Tierpfleger beschäftigt.

Ein Sprecher des LKA Thüringen sagte MDR THÜRINGEN, der Fall werde auf seine strafrechtliche Relevanz geprüft. Die Aufnahmen lägen vor. Die Ermittlungen seien ein neuer Fall und würden nicht in das schon laufende Verfahren gegen Gut Thiemendorf wegen diverser Verstöße gegen das Tierhaltegebot und den Tierschutz einfließen.

Der Betrieb bei Eisenberg ist mit 9.000 Sauen eine der größten Schweinezuchten Thüringens. Er war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen Verstößen gegen tierschutzrechtliche Bedingungen aufgefallen. Es gab mehrere Durchsuchungen durch Tierärzte und Polizei. Wiederholt wurden kranke und vernachlässigte Tiere getötet, um sie von ihrem Leid zu erlösen. Tierschützer warfen dem Unternehmen unter anderem vor, trächtige Sauen zu lange in zu kleinen Ständen untergebracht zu haben. Außerdem fehle Beschäftigungsmaterial für die Tiere.

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