Verkehr Wie sich Gera auf das Autonome Fahren einstellt

Dass Fahrzeuge im Straßenverkehr automatisiert oder autonom unterwegs sind, wird schon in wenigen Jahren alltäglich sein. Darauf müssen sich Städte einstellen - Gera will ganz vorn dabei sein.

von Marian Riedel

Luxus würde anders aussehen - und das Platzangebot ist beschränkt. Maximal zehn Sitzplätze hat der "e.Go MOVER". Der Mini-Bus hat im äußeren Design die großen Buchstaben "RWTH" - also das Kürzel der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule. Die Entwickler in Aachen suchen gerade deutschlandweit nach Teststrecken für ihren autonom fahrenden Mini-Bus.

Ein e.Go Mover
Der autonom fahrende Mini-Bus "e.Go Mover" Bildrechte: dpa

Trends aufgreifen, Chancen nicht verpassen

Gera bietet sich dafür an, sagt Mike Fischer. Er war Fahrlehrer, gründete dann ein eigenes Unternehmen. Und er ist weit über Thüringen hinaus dafür bekannt, dass seine Fischer Academy mehr ist als nur eine Fahrschule. Trends aufgreifen, Chancen nicht verpassen - das heißt für Mike Fischer vorauszudenken. Bis in eine Zeit, wenn Fahrlehrer wie heute gar nicht mehr gebraucht werden. Sie müssen dann eher Mobilitäts-Berater sein. Für Autobesitzer, die nicht mehr Auto-Fahrer sein werden. "Zwischen 2030 und 2040 wird es soweit sein", sagt er. "Dann haben Autos wahrscheinlich gar kein Lenkrad mehr".

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite heißt: Autonomes Fahren verlangt, dass unsere Städte sich verändern. Darauf will sich Gera schon jetzt einstellen. Deshalb will Gera "Pilotstadt für Autonomes Fahren" sein, sagt Oberbürgermeister Julian Vonarb.

Kompetenzzentrum bringt Fachleute zusammen

Der Fahrschulunternehmer Fischer und der Kommunalpolitiker Vonarb setzen als erste ihre Unterschrift unter eine Vereinbarung, die Augenblicke später auch von den Chefs der Dualen Hochschule Gera-Eisenach und des Studentenfördervereins Gera unterzeichnet wird. Damit ist es gegründet, das Kompetenzzentrum für Autonomes Fahren und Mobilität in Gera. Der für Forschung zuständige Professor Dieter Müller sagt, die Hochschule werde untersuchen, welche Meinungen und Vorschläge es zum Autonomen Fahren in der Bevölkerung gibt, auch welche Sorgen und Ängste da vielleicht ausgeräumt werden müssten. Der Förderverein sieht Chancen, mit neuen Studieninhalten noch mehr junge Leute für ein Studium in Gera zu begeistern.

Fünf mögliche Teststrecken

Im Rathaus hofft man, mit Teststrecken für den autonom fahrenden Mini-Bus Erfahrungen für das künftige Verkehrskonzept der Stadt sammeln zu können. Von ganz normalen Fahrstraßen über einen schnurgeraden und nicht öffentlichen Fahrweg im Buga-Park bis hin zur steilen Auffahrt zum Schloss Osterstein - für Test-Fahrten mit dem Mini-Bus "e.Go MOVER" hat Gera fünf denkbare Strecken ausgewählt.

Die Aachener Verkehrsforscher haben signalisiert, sich dieses Angebot an Ort und Stelle noch in diesem Monat anzusehen. Deutschlandweit denken sie an etwa 20 Pilotstädte für das Autonome Fahren.

Mike Fischers Geschäftsführer-Kollegin Nancy Bradtke führt für die Kamera schon einmal vor, wie sich Autonomes Fahren anfühlt: Ihr Elektroauto fährt selbständig in Parklücken. Im Straßenverkehr kann es allein die Fahrspur wechseln. Und es bremst automatisch ab, wenn das Fahrzeug davor langsamer wird oder ein Tempolimit angezeigt wird. Ohne für Sensoren zweifelsfrei lesbare Schilder, ohne Markierungen auf der Fahrbahn aber geht es nicht - das Fahren der Zukunft.

In Gera steuert Fahrlehrerin Nancy Bradtke ein Elektroauto mit einer Smartphone-App.
In Gera steuert Fahrlehrerin Nancy Bradtke ein Elektroauto mit einer Smartphone-App. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 10:47 Uhr

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3 Kommentare

03.11.2018 18:07 Robert Müller 3

Es werden keine Sensoren oder lesbare Schilder gebraucht. Erwartete Hindernisse werden einen Chip erhalten, auch Ampeln und Verkehrsschilder, die dann zum Beispiel über das Internet of Things (iot) dem Auto sagen, dass sie da sind. Bezahlte Transaktionen wären dann z.B. über Iota möglich. Außerdem werden mehrere Autos ihre gesammelten Informationen in echtzeit miteinander austauschen, auch Autos, welche gerade hintereinander fahren um z.B. einen Bremsvorgang anzukündigen.
Im Gegensatz zu amerikanischen Herstellern konzentriert man sich in Deutschland dann zusätzlich auf redundante Systeme, die sich gegenseitig überprüfen wie zb mehrere Kameras, Lidar Sensoren usw...welche zusammen dann unerwartete Hindernisse erkennen und das wegen der vernetzten (Bezug auf IoT) dann besonders gut und frühzeitig.

03.11.2018 13:27 s 2

Jetzt klingt alles Gut und schön, aber was ist, wenn durch so ein autonomes Auto ein Mensch (Vor allem Kinder) umgefahren und gar getötet wird? Wer übernimmt die Haftung und Verantwortung? Schade um die Gelder, die sinnvoller in Soziale Dinge eingesetzt werden sollten.

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