Landwirtschaft Bauern demonstrieren in Gera für bessere Erzeugerpreise

Bauern aus Ostthüringen haben am Montagmorgen ihrer Existenzangst vor dem Lidl-Lager in Gera Ausdruck verliehen. Neben Milchbauern sind auch die Schweinezüchter beunruhigt.

Ein Traktor mit Plakat steht an einem Straßenrand.
In Gera haben Bauern bei einer Demo ihrem Unmut Luft gemacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Milcherzeugerpreise sind wieder gefallen: Bei der letzten Verhandlungsrunde im Herbst sicherte sich der Einzelhandel eine weitere Preissenkung von zwei Cent pro Liter für Trinkmilch. In Ostthüringen haben Bauern mobil gemacht und am frühen Montagmorgen vor dem Lidl-Logistikzentrum in Gera protestiert.

Forderung nach höheren Preisen und Streichung der Subventionen

Pünktlich zum Lieferbeginn wurde es für die Lastzüge eng, nur wenige konnten das Lager anfahren oder verlassen. Die Bauern ärgert vor allem, dass die Auflagen für die Betriebe immer weiter steigen, sie für ihre Produkte aber immer weniger Geld bekommen. Nicht nur die Milchbauern sind betroffen, auch die Schweinezüchter stehen nach eigenen Angaben mit dem Rücken zur Wand. Mit Corona wurden viele Schlachtbetriebe geschlossen, die Züchter werden ihre Schweine nicht mehr los.

"In welcher Branche gibt es das, dass die Produzenten sich vom Verarbeiter vorschreiben lassen müssen, wieviel Geld sie für ihre Produkte bekommen?", fragt ein Teilnehmer, der anonym bleiben will. Er sieht die Agrarsubventionen als einen Grund, warum Lebensmittel so billig sind und fordert: "Streicht die Subventionen, erhöht die Preise, damit die Menschen wieder ein Gefühl dafür kriegen, was Lebensmittel wert sind!"

Bauern sehen "existenzbedrohende Ausmaße"

Die Bauern fühlen sich von der Politik allein gelassen. Zwar werde seit Langem über eine zukunftsfähige, umwelt-, tier- und klimafreundliche Landwirtschaft diskutiert. Allerdings erreiche die Situation der tierhaltenden Betriebe angesichts niedrigster Erlöse und galoppierender Kosten längst wieder existenzbedrohende Ausmaße, wie es von den Demonstrierenden hieß.

Die Teilnehmer des Protests in Gera machen sich keine Illusionen. "Vom Lippenbekenntnis bis zugrundlegenden Änderungen in der Preispolitik ist es ein sehr weiter Weg", sagt Organisator Ronny Lätzer, der selbst Milchbauer ist. Am 11. November wollen verschiedene Verbände ein gemeinsames Forderungspapier an die Milchverarbeitungswirtschaft übergeben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. November 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

schoki vor 2 Wochen

Macht es doch einfach, liebe Politiker, springt mit einem Riesensatz über alle Hürden und rettet die Erzeuger. Und erreicht damit, dass wir auch zukünftig regionale Produkte essen können.
Aber vielleicht ist die Sache auch ganz einfach anders zu regeln. Wenn wir die Äpfel und Co. aus Übersee bekommen, sollten unsere Bauern Papaya, Kiwi und Co. anbauen und zurück liefern. Das nennt man dann ausgleichende Gerechtigkeit und allen ist geholfen. 😳

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