Bauhaus-Tag in Gera
Besucher kamen nicht nur aus Gera. Das Ereignis lockte viele Bauhaus-Fans. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Privatinitiative Bauhaus-Tag in Gera zeigt Schätze der Stadt

Sonntagvormittag auf dem Markt in Gera - normalerweise ist da nicht viel los. Diesmal aber spazieren schon kurz nach 9 Uhr die ersten Familien zur guten Stube der Stadt. Eine Stunde später ist der Platz rappelvoll - und hunderte Neugierige applaudieren, als es heißt: "Der Bauhaus-Tag in Gera ist eröffnet".

von Marian Riedel

Bauhaus-Tag in Gera
Besucher kamen nicht nur aus Gera. Das Ereignis lockte viele Bauhaus-Fans. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Die Idee, einen solchen Tag zu organisieren, hatte Heinz Röske. Der ist durch seine Arbeit in Bad Lobenstein vertraut mit dem Tourismusmarketing.  Zuhause aber ist Röske in Gera - und da nervt es ihn schon,  wenn mit Blick auf Bauhaus und Moderne von Weimar gesprochen wird, aber seine Heimatstadt unerwähnt bleibt.

 Gera - die Stadt mit den vielen Bauten der Moderne

Fachleute wissen es natürlich: Gera hat in Thüringen die meisten Baudenkmäler aus der Zeit des Bauhauses. "Schuld" daran ist Thilo Schoder. Der war in Weimar schon vor der Bauhaus-Gründung Meisterschüler von Henry van de Velde. Ab 1919 lebte und arbeitete Schoder 13 Jahre lang in Gera. Von Schoder und seinen Kollegen sind bis heute 53 Bauten, Projekte und Innenausstattungen in der Stadt erhalten geblieben.

Mit diesem Pfund könnte Gera doch mal wuchern, sagte sich Heinz Röske. Er sprach Freunde und Bekannte an. Plante als private Initiative ein paar der Adressen der Moderne für einen Sonntag für Besucher zugänglich zu machen. Aber er ahnte nicht, was er mit seiner Idee auslöste.

Unerwartete Resonanz auf die private Initiative

Der Gästeführer-Verein war begeistert. Der Radfahrerclub Solidarität sagte eine Radtour zur Bauhaus-Orten in der Stadt zu. Private Eigentümer solcher Häuser erklärten sich bereit, die Türen zu öffnen. Mitarbeiterinnen der Wohnungsbaugenossenschaft "Glück auf" überredeten ihre Chefs dazu, am Bauhaus-Tag gemeinsam in Kleidern aus jener Zeit die Besucher zu empfangen. Angebote, den Bauhaus-Tag zu unterstützen, kamen sogar aus Eisenberg und aus dem Weimarer Land.

Am meisten hat mich begeistert, dass wir nicht betteln gehen mussten.

Heinz Röske

Unternehmen hätten sich spontan als Sponsoren und Spender gemeldet. Die Organisatoren konnten von Tourismusminister Wolfgang Tiefensee einen Scheck über 3.000 Euro aus Lotto-Mittel entgegen nehmen. Und weitere 4.000 Euro gab die Sparkassen-Stiftung. So konnten unter anderem Werbekosten finanziert werden, aber auch die Shuttlebusse, um am Bauhaus-Tag zu insgesamt zwölf Schauplätzen fahren zu können.

Gäste-Ansturm belohnt alle ehrenamtlichen Mühen

"Ich bin aus München", sagt ein junger Mann, der seit ein paar Minuten in einer Schlange steht. Er fügt noch hinzu, es sei ein Glücksfall, dass er durch einen Familien-Besuch in Gera diesen Bauhaus-Tag miterleben kann. Zu mehr Gespräch bleibt ihm aber keine Zeit - der Aufzug ist da, der Gast aus Bayern kann rauf auf das Sparkassenhaus in Gera. Das markante Gebäude entstand als Hochhaus nach amerikanischem Vorbild, wurde vom Berliner Architekten Hans Brandt entworfen und vor 90 Jahren eröffnet.

Auch nur an diesem Tag von innen zu sehen: Die seit Jahren ungenutzten Räume des Golde-Baus. Die Fabrik hatte Thilo Schoder entworfen, für den Karosseriebauer Golde. Außen sind noch die Einflüsse van de Veldes zu entdecken, mit gewölbten Dächern und runden Regenfallrohren. Aber Zierrat wie im Jugendstil und Art Deco fehlen schon gänzlich. Der Golde-Bau war vor 100 Jahren der erste Industriebau in Thüringen, der aus Eisenbeton erstellt wurde. 

Wohnhäuser des Architekten Paul Schraps aus den Jahren 1929 bis 1931 stehen in Geras Uhlstraße. Eine Wohnung im Originalzustand zu sehen - das ist das Angebot der GWB "Glück auf" zum Bauhaus-Tag. Das Denkmalensemble gehört zu den Besuchermagneten.

Die Organisatoren um Heinz Röske hatten lange überlegt, wieviel Besucher sie wohl erreichen könnten. Erwachsene mussten drei Euro für ein Eintrittsbändchen zahlen, Kinder bis 16 Jahre hatten freien Eintritt. Ein attraktives Angebot also, auch für Familien. Und so kamen dann bei Sonntagswetter weit mehr als erwartet - über 3.000 Besucher. Darunter einige, die extra anreisten, aus Bayern, Berlin, Sachsen und verschiedenen Teilen Thüringens. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2019, 19:41 Uhr

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