Wegen Betrugs Früherer NPD-Funktionär Brandt zu Haftstrafe verurteilt

Der frühere Thüringer NPD-Funktionär und V-Mann des Verfassungsschutzes, Tino Brandt, ist wegen Versicherungsbetrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Gera sprach den 44-Jährigen am Mittwoch schuldig, in 69 Fällen mit Scheinverträgen, fingierten Unfällen und Krankheiten bei Arbeitsämtern, Krankenkassen und Unfallversicherungen abkassiert zu haben.

Mann in Gerichtssaal hält sich Aktenordner vors Gesicht
Tino Brandt im Gerichtssaal. Bildrechte: MDR/M. Gränzdörfer

Brandt soll zudem 134.000 Euro für den entstandenen Schaden zahlen. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft und begründete das Urteil damit, dass Brandt der Ideengeber des gesamten Betrugs gewesen sei. Brandt ist nun in 57 Fällen des gewerbsmäßigen Betrugs und in zwölf Fällen des versuchten Betrugs in der Zeit von 2009 bis 2011 verurteilt. Die Verteidigung plädierte auf eine Gesamtstrafe von sechs Jahren. Zwei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen und müssen 120 Arbeitsstunden leisten.

Brandt sitzt bereits hinter Gittern

Der Prozess lief seit April vergangenen Jahres. Brandt und zwei weitere Angeklagte sollen für die Angestellten ihrer Firma hohe Unfall- und Krankenversicherungen abgeschlossen haben, um nach selbst herbeigeführten Verletzungen die Prämien zu kassieren. Die Gruppe aus dem Raum Rudolstadt war 2008 aufgeflogen. Tino Brandt wurde bereits 2014 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu einer Haftstrafe verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis.

Tino Brandt Tino Brandt gehörte in den 1990er-Jahren zu den bekanntesten Neo-Nazis Thüringens. Er war einer der führenden Köpfe des "Thüringer Heimatschutzes", einer rechten Kameradschaft, die sich vor allem in Ostthüringen organisierte. Dort hatte er Kontakt zum späteren NSU-Trio. 2001 wurde er als V-Mann des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz enttarnt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. August 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 16:11 Uhr

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