Besuch in Gera Bundespräsident Steinmeier ermuntert zum direkten Gespräch

"Kaffeetafel des Bundespräsidenten" heißt die Reihe, in der Frank-Walter Steinmeier in lockerer Runde mit Einwohnern Probleme bespricht. Das Staatsoberhaupt war nun zum ersten Mal in Gera zu Gast.

Walter Steinmeier und Julian Vonarb spazieren durch die Innenstadt von Gera
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Oberbürgermeister Julian Vornab in der Geraer Innenstadt. Bildrechte: dpa

Bei einem Besuch in Gera hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einer neuen, von Respekt geprägten Diskussionskultur aufgerufen. Es müsse wieder eingeübt werden, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, sagte er am Montag nach einem Gespräch mit Bürgern. "Das geht, wenn man am Tisch sitzt, besser als offenbar über Facebook, Instagram oder Twitter oder andere soziale Medien. Dem anderen ins Gesicht zu schauen, verändert auch die Sprache", sagte Steinmeier.

Er widersprach entschieden dem Vorwurf, Bürger könnten ihre Meinung nicht mehr frei kundtun. "Die Wahrheit ist: Wer seine Meinung äußert, muss gegebenenfalls auch mit Widerspruch leben und Widerspruch ertragen können."

Andere Meinungen hören

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch in Gera
Zum ersten Mal kam die "Kaffeetafel des Bundespräsidenten" nach Thüringen. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Der Bundespräsident hatte am Montag in einem Geraer Café mit 15 Einwohnern mehr als zwei Stunden über aktuelle Probleme gesprochen. Eingeladen waren auf Empfehlung der Stadt Geraer aus allen Bereichen der Gesellschaft - Handwerksmeister, Studenten und ehrenamtlich Engagierte aus den verschiedensten politischen Richtungen. Diese Diskussionen dienten nicht dazu, die Welt schön zu reden, sondern auch die zu hören, die möglicherweise anderer Meinung sind, sagte Frank-Walter Steinmeier nach seinem Bürgergespräch. Er appellierte an die Geraer, auf ihre Stadt stolz zu sein. Zu dieser Aussage hätten ihn vor allem die jüngsten Gesprächsteilnehmer inspiriert, sagte Steinmeier. Der Bundespräsident regte an, Gesprächsrunden wie diese in ähnlicher Form fest in Gera zu integrieren.

Steinmeier: Mehr Wertschätzung für Berufsausbildung

Großen Raum nahm bei der Kaffeetafel nahm das Thema Bildung und Ausbildung ein, bei dem die Teilnehmer Lehrermangel und häufigen Unterrichtsausfall kritisierten. Steinmeier beklagte, dass viele Eltern zu sehr auf ein Studium für ihre Kinder fixiert seien und mahnte mehr Wertschätzung für Ausbildungen in Industrie und Handwerk an. "Das Pensum kann es mit jedem Bachelor-Studium aufnehmen", betonte das Staatsoberhaupt. Lebhaft, aber respektvoll wurde bei der Kaffeetafel auch über Migration und Integration diskutiert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch in Gera
Bei der Kaffeetafel wurden unter anderem Kanitztorte, Marzipan-Erdbeertörtchen und auch Gersche Fettbemme aufgetischt. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Am Montagvormittag hatte sich Steinmeier ins "Goldene Buch" der Stadt Gera eingetragen. Zudem stand ein Besuch in einem Jugendclub auf seinem Programm. Seit August 2018 hat Steinmeier an acht verschiedenen Orten seine Kaffeetafel ausgebreitet, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen - bei der neunten Auflage machte er mit dem Format nun erstmals in Thüringen Station. Es war zugleich sein erster offizieller Besuch in Gera und der siebte als Bundespräsident in Thüringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2020, 14:01 Uhr

42 Kommentare

Theodor Dienert vor 2 Wochen

...du weißt aber schon, dass Pieck etliche Todesurteile eigenhändig unterschrieben hat, aber nicht die von Mördern oder so, sondern von politisch Verurteilten....

Der Matthias vor 2 Wochen

@ Fakt

Danke für den Hinweis! Trump also . . . nun denn, auch nicht viel besser! Nur der Name des in Frage kommenden Präsidenten ändert sich halt . . . das politisch einschlägig bekannte Publikum hierzulande, das ihn blind verehrt und alle seine politischen Irrfahrten und Peinlichkeiten lauthals beklatscht und bejubelt, bleibt leider dasselbe!

Fakt vor 2 Wochen

@Der Matthias:
Er meinte vermutlich Steinmeiers Bemerkung von 2016, in der er Trump einen "Hassprediger" nannte - womit er ja gar nicht so falsch lag ;-)

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen

Thüringen

Bodo Ramelow (Die Linke), früherer Ministerpräsident von Thüringen, geht durch den Thüringer Landtag, gefolgt von Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis90/Die Grünen)
Freitag, 21. Februar: Rot-Rot-Grün und CDU einigen sich 16 mehr als nur turbulente Tage hatte die Thüringer Landespolitik hinter sich, als am Freitagabend die Verhandlungsführer von Linke, CDU, SPD und Grünen vor die Presse traten: Es gibt einen Kompromiss und eine Einigung mit einer R2G-Minderheitsregierung, die auch gemeinsam mit der CDU bestimmte Projekte in Angriff nimmt. Bildrechte: dpa