Ländervergleich Steuerbescheid lässt in Thüringen besonders lange auf sich warten

Thüringer müssen im deutschlandweiten Vergleich am längsten auf ihre Steuerbescheide warten. Wie das Online-Portal "lohnsteuer-kompakt.de" herausfand, haben Finanzbeamte im Freistaat im vergangenen Jahr durchschnittlich fast 62 Tage lang an einer Einkommensteuererklärung gearbeitet. Sie brauchten damit zwei Wochen länger als zum Beispiel Beamte in Nordrhein-Westfalen.

Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
Nach neuen Zahlen warten Menschen in Thüringen besonders lange auf ihre Steuerbescheide. (Symbolfoto) Bildrechte: imago/Christian Ohde

Im Einzelfall war die Differenz sogar noch deutlicher. So mussten Steuerzahler in Erfurt im Schnitt laut "lohnsteuer-kompakt.de" ganze 72 Tage auf ihre Bescheide warten. Langfristig betrachtet hat die Landeshauptstadt damit eine bemerkenswert negative Entwicklung genommen: 2018 lag die Bearbeitungszeit noch bei 57 Tagen, 2017 bei 51 und 2016 sogar bei 47 Tagen.

Thüringen: Steuerbescheid kommt in Gera schneller als in Erfurt

Doch nicht überall im Freistaat brauchten Steuerzahler derart viel Geduld. Die meisten der insgesamt zwölf Thüringer Finanzämter bearbeiteten die Steuererklärungen innerhalb von 56 bis 66 Tagen. Spitzenreiter sind aktuell die Behörden in Gera und Ilmenau mit 48 beziehungsweise 51 Tagen Bearbeitungszeit. Obwohl in Thüringen die Ehrenretter, landen aber auch diese Ämter im Bundesvergleich relativ weit hinten. Deutschlands schnellstes Finanzamt in Herne in Nordrhein-Westfalen glänzt mit einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von knapp 27 Tagen. Der bundesweite Schnitt liegt laut "lohnsteuer-kompakt.de" bei 54,7 Tagen.

Thüringens Finanzministerin weist vorgelegte Statistik zurück

Für Thüringens Finanzministerin Heike Taubert (SPD) ist die Statistik des Online-Portals "schlichtweg falsch" und "nicht repräsentativ". Man habe nur einen Bruchteil der "zu veranlagenden Arbeitnehmerfälle" berücksichtigt, so die Ministerin. Das Ministerium hat die Arbeit der Finanzämter ebenfalls ausgewertet und kommt auf ein anderes Ergebnis. Demnach dauert das Bearbeiten einer Steuererklärung im Freistaat im Schnitt 58 Tage. Eine Differenz von vier Tagen zum Ergebnis des Online-Portals.

Halbe Million Einkommensteuererklärungen in Thüringen

Das Ministerium verweist aber auch darauf, dass Steuererklärungen in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet würden, was häufig zu einer Art Stau führe. Wörtlich heißt es: Der "hohe Erklärungseingang führt zu mehr Arbeitsvorrat, der nur sukzessive abgearbeitet werden kann". Das wiederum werde durch weitere Faktoren beeinflusst wie Krankheit, Urlaub, Personalbestand. Man habe sich trotzdem bemüht, eine "gewisse Homogenität anzustreben", das sei im Jahr 2019 auch weitgehend gelungen, so Thüringens oberste Finanzbehörde. Insgesamt seien im vergangenen Jahr gut 511.000 Einkommensteuererklärungen bearbeitet worden.

"lohnsteuer-kompakt.de", nach eigenen Angaben Deutschlands führende Online-Steuererklärung, beruft sich auf rund 400.000 anonym ausgewertete Steuererklärungen bundesweit. Pro Finanzamt seien mindestens 50 Fälle berücksichtigt worden. Wie ein Sprecher des Portals MDR THÜRINGEN sagte, können Steuerpflichtige auf der Internetseite jederzeit die aktuelle Bearbeitungsdauer ihres Finanzamtes finden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 13. Januar 2020 | 18:20 Uhr

2 Kommentare

MuhdieKuh vor 20 Wochen

Das halte ich noch für sehr human veranschlagt. Ich habe meine Steuererklärung im März bei Finanzamt Erfurt eingereicht. Im August kam eine Rückfrage dazu, welche ich umgehend beantwortet habe. Erst Mitte November kam dann der endgültige Steuerbescheid. Sprich acht Monate.

Rotti vor 20 Wochen

Das spricht nicht für eine bürgernahe Verwaltung. Eher für ein abgewirtschaftetes Land. Da will das Land sich nicht vom Geld anderer trennen und das lieber für sich arbeiten lassen, vermute ich dabei.

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