Gera Flashmob im Einkaufszentraum: Frauen demonstrieren fürs Stillen

Frauen mit Babys auf den Armen halten sich in einer Ruhezone der Gera Arcaden in Gera auf.
Still-Flashmob der Mütter in Gera Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Junge Mütter haben am Mittwoch in einem Geraer Shopping-Center für das Stillen in der Öffentlichkeit demonstriert. Mit einem sogenannten Flashmob wollen sie darauf hinweisen, dass das Stillen von Kindern im öffentlichen Raum möglich und erlaubt sein sollte.

Hintergrund ist ein Vorfall vor wenigen Tagen im Einkaufszentrum Gera-Arcaden. Eine junge Mutter hatte ihr Kind in der Ruhezone des Einkaufszentrums gestillt. Eine Verkäuferin hatte daraufhin einen Sicherheitsbeauftragten informiert, der die Mutter bat, das Stillen zu unterlassen. Eine Freundin der jungen Frau rief daraufhin in den sozialen Medien zu diesem Flashmob auf.

Eine Frau mit Baby auf dem Arm unterhält sich mit einem Mann.
"Wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn junge Mütter hier stillen": Center-Manager Rolf Wernicke im Gespräch mit Flashmob-Organisatorin Anna Maria Preis. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Center-Manager Rolf Wernicke sagte MDR THÜRINGEN, man bedauere den Vorfall. Er habe unmittelbar nach Bekanntwerden alle Beteiligten zu einem Gespräch gebeten, zu dem die Mutter aber nicht erschienen sei. "Unser Center ist auf Familien mit Kindern ausgerichtet, wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn junge Mütter hier stillen, auch in der Öffentlichkeit", sagte Wernicke. Neben einem Stillzimmer gebe es auch in verschiedenen Filialen des Centers die Möglichkeit, Babys zu wickeln und zu stillen. "Für falsche Wortlaute, die eventuell gefallen sind, möchten wir uns entschuldigen. Ich gehe davon aus, dass man den Vorfall auch hätte anders klären könnten", sagte der Center-Manager.

Auch in anderen Thüringer Einkaufszentren gibt es die Möglichkeit für Mütter, ihre Kinder zu stillen. So verfügen in Erfurt der Thüringen Park und das Kaufhaus Anger 1 sowie die Goethe Galerie in Jena über Still- und Wickelzimmer. "Wir unterbinden das nicht, wenn Mütter ihre Kinder bei uns auch in der Öffentlichkeit stillen", sagte Michael Holz, Center-Chef der Goethe Galerie MDR THÜRINGEN. Anfragen des MDR an weitere Einkaufscenter blieben unbeantwortet.

Der Hersteller von Stillprodukten Lansinoh hatte vor einigen Jahren in mehreren Ländern eine repräsentative Umfrage zum Thema "Stillen in der Öffentlichkeit" gemacht. Hier das Ergebnis:

Und wie denken Sie darüber?

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 19:11 Uhr

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44 Kommentare

22.02.2019 11:31 So ein Geschrei... 44

... der stillenden Mütter, offensichtlich, weil sie nicht "wahrgenommen" werden und sich eben auf diese Weise präsentieren müssen.
Inzwischen wird ja schon (fast) alles in der Öffentlichkeit gemacht: lautes Telefonieren, Essen, Trinken, Rauchen, Kiffen, Alkoholexzesse etc. pp.
Ich bin gespannt, wie kurz der Weg ist, um öffentlich Kinder zu zeugen. "Ist ja für die Gesellschaft und das muss man aushalten", höre ich schon einige sagen.
Es gab Zeiten, da wurde zu Hause gegessen und getrunken, telefoniert und Alkohol missbraucht.
Ach ja...

21.02.2019 19:53 Thomas 43

Interessant wäre für mich eher die Frage, worin jetzt das ursächliche Problem zwischen Verkäuferin und stillender Mutter bestand. Immerhin hat diese nicht einmal selbst mit selbiger gesprochen, sondern gleich mal den Sicherheitsdienst deshalb angefordert, was ich in so einem Fall für überzogen halte.

Da das Stillen in der "Ruhezone" stattfand, wird sich die Stillende der Sache durchaus bewusst gewesen sein und hat explizit deshalb diesen Ort aufgesucht und nicht bewusst auf öffentlich gemacht.

Irgendwie kann ich mich dunkel erinnern, dass es schon zu DDR-Zeiten niemanden gross juckte und jetzt macht man aus etwas Selbstverständlichen einen Bohei.

Aber wer halt sonst keine Sorgen hat statt froh zu sein, dass es noch Babys und Kinder gibt...

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