Gera Bundeswehr-Ausbilder zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Gera hat einen Ausbilder der Bundeswehr in einem Prozess um sexuelle Nötigung einer Rekrutin zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss der 31-jährige Oberfeldwebel laut dem am Mittwoch gesprochenen Urteil 700 Euro an den Hospizverein Gera zahlen. Dem Mann war vorgeworfen worden, im September 2015 in der Bundeswehr-Kaserne in Gera eine Rekrutin sexuell genötigt zu haben. Verurteilt wurde er jedoch nur wegen fahrlässigen Vollrausches.

Das Tor der Panzerpionierkaserne der Bundeswehr in Gera im Februar 2011.
Die Bundeswehr-Kaserne in Gera Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Das Opfer hatte in dem Prozess ausgesagt, dass sich der Mann damals stark betrunken in ihr Bett gelegt, sie festgehalten und an intimen Stellen berührt habe. Die Vorfälle waren erst zwei Jahre später ans Licht gekommen, als eine andere Rekrutin sich einem Vorgesetzten anvertraut und davon berichtet hatte, dass es häufiger zu Übergriffen in der Kaserne gekommen sei. Unmittelbare Zeugin des in der Anklage beschriebenen Vorfalls war sie aber nicht gewesen. Der Angeklagte selbst sagte während des Prozesses, er könne sich an das Geschehen nicht erinnern. Zur fraglichen Zeit habe er sich in der Regel nach Dienstschluss nicht in der Kaserne aufgehalten.

Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer, dass in dem Fall eigentlich eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung in einem minder schweren Fall in Frage komme. Weil der Angeklagte aber zur Tatzeit zu schwer betrunken gewesen sei, könne er nicht deshalb verurteilt werden. Dieser Auffassung folgte das Gericht. Für einen fahrlässigen Vollrausch wäre auch eine Geldstrafe möglicherweise ausreichend gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Das wäre aber ein falsches Zeichen gewesen, da der Angeklagte seiner Rolle als Vorgesetzter und als Vorbild nicht gerecht geworden sei. Der Anwalt des Unteroffiziers hatte auf Freispruch plädiert. Da nicht einmal ein genauer Tattag festgestellt werden konnte, habe die Verteidigung keine Chance gehabt, ein Alibi für den Beschuldigten nachzuweisen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 08. August 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2018, 15:15 Uhr

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