Die vier jungen Flüchtlinge Diaby Siaka, Moucar Diallo, Dianka Amara und Ibrahim Darwish stehen vor einer Wand und lächeln.
Die vier jungen Filmemacher: Diaby Siaka, Moucar Diallo, Dianka Amara und Ibrahim Darwish Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge "Die Farbe des Herzens“ - Ein Film als Brücke

Im Oktober 2017 hat MDR THÜRINGEN zum ersten Mal über die beiden minderjährigen Flüchtlinge Mouctar Diallo und Diaby Siaka berichtet. Immer wieder wurden die beiden Teenager in Gera auf der Straße rassistisch angepöbelt. Jetzt haben die beiden einen Film über ihren Alltag gedreht.

von Johanna Hemkentokrax

Die vier jungen Flüchtlinge Diaby Siaka, Moucar Diallo, Dianka Amara und Ibrahim Darwish stehen vor einer Wand und lächeln.
Die vier jungen Filmemacher: Diaby Siaka, Moucar Diallo, Dianka Amara und Ibrahim Darwish Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

Mouctar (18 Jahre) und Diaby (17 Jahre) sind kurz vor der Vorführung ihres Films "La Couleur du Coeur - Die Farbe des Herzens" doch ein bisschen aufgekratzt. Sprichwörtlich im Sekundentakt machen sie Selfies mit Freunden im Foyer des Metropol Kinos in Gera. An diesem Mittwochabend wird ihr Film zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Der Kinosaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Vorstellung beginnt. Viele Leute müssen draußen warten.

Mouctar und Diaby haben den 20-minütigen Film zusammen mit ihren Mitbewohnern in der Caritas-Unterkunft für unbegleitete Minderjährige - dem 16-jährigen Ibrahim Darwish aus Syrien und dem 17-jährigen Dianka Amara von der Elfenbeinküste - gedreht. Die Botschaft der Kurz-Doku liegt den vier Jugendlichen am Herzen. "Es gibt viele, die uns wegen unserer Hautfarbe beleidigen“, sagt Mouctar. "Wir haben den Film gemacht, damit uns mehr Menschen kennenlernen und merken, dass wir auch Menschen sind, auch wenn wir eine andere Hautfarbe haben."

Ausbruch aus einem Teufelskreis

Rückblick. Im Oktober 2017 hatte MDR THÜRINGEN Mouctar und Diaby zum ersten Mal in Gera getroffen. Damals lebten sie seit anderthalb Jahren in Deutschland. Die beiden waren allein aus der Elfenbeinküste geflohen, waren über Monate im Bürgerkriegsland Libyen festgehalten worden, hatten es schließlich über das Mittelmeer geschafft.

Der junge schwarze Flüchtling Diaby macht ein Selfie mit Frank Karbstein vom Thüringer Medienbildungszentrum.
Filmemacher Diaby hält die Premiere auf einem Selfie mit Frank Karbstein vom Thüringer Medienbildungszentrum fest. Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

In Gera hatten die beiden in der Unterkunft der Caritas ein neues Zuhause gefunden, doch zur Ruhe kamen sie hier nicht. "Es gibt Leute, die Angst vor uns haben wegen der Farbe", hatte Mouctar MDR THÜRINGEN damals erzählt. Immer wieder waren die beiden auf massive Ablehnung gestoßen, wurden auf der Straße rassistisch angefeindet. Djabi sagte, er glaube, dass es besser werde, wenn die Menschen sie erst kennenlernen würden. Zum Kennenlernen fehle es aber an Gelegenheiten - ein Teufelskreis.

Mit dem Film "La Couleur du Coeur - Die Farbe des Herzens" wollen Mouctar und Diaby jetzt diesen Teufelskreis durchbrechen. Zusammen mit dem Thüringer Medienbildungszentrum und der Thüringer Opferberatung ezra haben die vier Teenager ein halbes Jahr lang an dem Film gearbeitet, haben das Konzept geschrieben, haben vor und hinter der Kamera gestanden. In dem Film stellen sich die vier sehr persönlich den Zuschauern vor. Kurze Szenen zeigen sie beim Deutschunterricht, beim Kochen in der Unterkunft, beim Musikhören in ihren Zimmern.

Manche Szenen sind mit der Kamera, andere mit Handyvideos gedreht. Zwischendurch erzählen die Jugendlichen von ihrer Flucht und wie sie sich fühlen, wenn sie auf der Straße wegen ihrer Hautfarbe attackiert werden. Für die Jungen sei der Film eine Möglichkeit aus der Opferrolle herauszukommen, sagt Christina Büttner von der Opferberatung ezra, die das Projekt mitinitiiert hat. Es sei wichtig, "aus der Rolle 'eigentlich will ich mich nur zurückziehen' in das Sprechen zu kommen, in das Darstellen zu kommen und aktiv zu werden.“

Film soll Menschen offener machen

Die drei jungen schwarzen Flüchtlinge Diaby, Mouctar und Dianka posieren mit Christina Büttner von der Opferberatungsstelle ezra für ein Foto.
Der Fillm hilft aus der Opferrolle auszubrechen, sagt Christina Büttner von der Opferberatungsstelle ezra. Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

"Wir wollten den Leuten zeigen, dass wir ein Leben haben“, fast Diaby am Ende der Veranstaltung noch einmal die Motivation zusammen. "Wenn jemand rassistisch ist, dann sieht er auch den Film nicht“, sagt Mouctar. Aber er hoffe, dass zumindest einige Menschen offener würden. An diesem Abend scheint sich diese Hoffnung zu erfüllen. Als die Zuschauer aus dem Saal strömen, erzählt ein älterer Herr, er habe persönlich noch nie etwas mit dem Thema Flucht zu tun gehabt, nur von den Problemen gehört und aus den Medien erfahren. Er sei beeindruckt, wie Kommunikation in Gera möglich sei und sich die Verständigung positiv entwickle.

"La Couleur du Coeur" soll jetzt noch auf Festivals gezeigt werden und kann zum Beispiel von Schulen, Vereinen und Initiativen für Veranstaltungen ausgeliehen werden. Und auch an diesem Abend ist die Veranstaltung noch nicht vorbei. Während es unten im Foyer noch eine kleine Feier gibt, wird der Film oben im Saal spontan noch mal gezeigt, für die Gäste, die beim ersten Mal keinen Platz bekommen haben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Junge Menschen in Schwarz gekleidet stehen starr auf einer Straße.
Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 07. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 20:35 Uhr

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7 Kommentare

09.06.2018 12:08 Frank 7

@ Sachse43 (Kommentar 1), Sie haben vergessen zu erwähnen, dass Ihr beschriebener Arbeitsalltag so wahrscheinlich bis zu Ihrem 67 Lebensjahr geht, schließlich wollen auch die jährlich 5 Milliarden Euro (Quelle Welt) Kosten für die unbekleideten minderjährigen Ausländer beglichen sein, dafür bekommem Sie dann eine mickrige Rente. Und bei allem Verständnis für die Jugendlichen und den Film, sollte man auch verstehen, dass sich der Großteil der Deutschen eben nicht darüber freut, dass Wirtschaftsflüchtlinge in unser Sozialsystem strömen.

08.06.2018 17:18 Woopdedu 6

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Und nun MDR???

MDR THÜRINGEN:
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