Blick auf mehrere Wohnblöcke
Die GWB Elstertal besitzt in Gera rund 5.000 Wohnungen sowie rund 150 Gewerbeeinheiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wohnungsmarkt Gera will Anteile der GWB Elstertal an Land verkaufen

Der Stadtrat von Gera soll diesen Donnerstag über das geplante Geschäft zwischen Stadt und Land beraten. Mit dem geplanten Anteil-Verkauf würde die Stadt ihre Sperrminorität bei der GWB Elstertal verlieren.

von Dirk Reinhardt

Blick auf mehrere Wohnblöcke
Die GWB Elstertal besitzt in Gera rund 5.000 Wohnungen sowie rund 150 Gewerbeeinheiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Gera will 14,1 Prozent Anteile an der Wohnungsbaugesellschaft GWB Elstertal an das Land verkaufen. Käufer soll die landeseigene Thüringer Industriebeteiligungs-GmbH & Co. KG (TIB) sein. Diese soll laut einer Beschlussvorlage der Geraer Stadtverwaltung zwischen 13,1 und 13,6 Millionen Euro für das Anteilspaket zahlen.

Kommt der Verkauf zu Stande, bleiben der Kommune dann nur noch elf Prozent der Anteile an der GWB. Der Stadtrat von Gera soll diesen Donnerstag über das geplante Geschäft beraten. Der Anteilsverkauf soll zum 2. Januar 2020 wirksam werden.

Mit dem geplanten Verkauf würde die Stadt ihre Sperrminorität bei der GWB Elstertal verlieren. Sie könnte dann keinen Einfluss mehr auf das Unternehmen nehmen. Jedoch soll der Kommune eine jährliche Garantiedividende in Höhe von 50.000 Euro zufließen – sofern die finanzielle Lage der GWB dies zulasse. Diese Dividende ist einer „Gesellschaftervereinbarung“ festgelegt, über die der Stadtrat ebenfalls abstimmen soll.

Mit der Übernahme würden der TIB 89 Prozent der GWB gehören

Die TIB hatte sich bereits im Juli dieses Jahres mit dem bisherigen GWB-Mehrheitsgesellschafter Benson Elliot auf die Übernahme von dessen Anteilen geeinigt. Für dieses Paket im Umfang von 74,9 Prozent war nach bisherigen Angaben der Thüringer Landesregierung ein Kaufpreis von rund 70 Millionen Euro vereinbart. Finanziert wurde dieser Kauf aus Mitteln des Sondervermögens „Wohnungsbau“, das von der Thüringer Aufbaubank verwaltet wird und vor allem für Investitionen in den sozialen Wohnungsbau vorgesehen ist.

Laut Geraer Stadtverwaltung ist das Geschäft zwischen TIB und Benson Elliot inzwischen vollzogen worden. Mit der Übernahme von weiteren 14,1 Prozent würden der TIB dann 89 Prozent der GWB gehören.

Behält die Stadt eine Option auf Anteile?

Die britische Investmentgesellschaft Benson Elliot hatte den Mehrheitsanteil an der GWB Elstertal im August 2016 aus der Insolvenzmasse der Stadtwerke Gera erworben. Der damals gezahlte Preis ist öffentlich nicht bekannt, er dürfte aber nach MDR-Recherchen deutlich unter 30 Millionen Euro gelegen haben. Im Januar 2019 hatte Benson Elliot angekündigt, sich von seinen Anteilen an der GWB zu trennen. Zunächst hatte die Stadt Gera ein Kaufinteresse bekundet. Weil sie nicht die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen konnte, zog sie ihre Interessenbekundung im Frühjahr zurück. Danach sprang das Land als Käufer ein - nach Angaben von Ministerpräsident Bodo Ramelow auf Bitten der Kommune. Bedingung der Landesregierung war allerdings, einen beherrschenden Einfluss auf das Unternehmen zu bekommen - also den Anteil der Kommune auf unter 25 Prozent zu drücken. Im Sommer fasste der Geraer Stadtrat dann einen Grundsatzbeschluss über den Verkauf von Anteilen an das Land. In den folgenden Monaten wurde dann der Verkauf der 14,1 Prozent vereinbart.

Ramelow verteidigte das Geschäft im Sommer damit, dass auf diese Weise die GWB und ihr Wohnungsbestand dem renditegetriebenen „Spekulationsmarkt“ entzogen würden. Der Stadt Gera würde außerdem die Option eingeräumt, künftig Anteile von der TIB zu übernehmen. Von dieser Option ist allerdings in den von der Stadtverwaltung vorgelegten Unterlagen - einer Neufassung des GWB-Gesellschaftsvertrages sowie der „Gesellschaftervereinbarung“ - keine Rede.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. November 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 09:27 Uhr

2 Kommentare

Ichich vor 2 Wochen

" .... dass auf diese Weise ... " ein paar Leute mehr Linkspartei wählen.
Ein absurdes Geschäft. Der Kauf von Wohnungen bei vergleichsweise hohem Leerstand in Stadt und GWB.
Schade, daß man so etwas nicht strafrehtlich verfolgen kann !

Elsburg vor 2 Wochen

Elsburg

Mal sehen, ob die Gera'er ohne oder mit Option [zu was genau!?] abstimmen heute.
War's wichtigtuedes Gerede dazu oder nur Ablenkmanöver oder Mund voll Sand ist Getriebe 'Gear'-Box gekotzt ?

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