Herzenswald Gera
Im Herzenswald können Familienangehörige an ihre verstorbenen Kinder erinnern. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Verwaiste Eltern Herzenswald in Gera - Erinnern an verstorbene Kinder

Auf einer Anhöhe hinter einer Siedlung am Rande von Gera ist ein sogenannter Herzenswald übergeben worden. Mit ihm erinnern 22 Familien an ihre verstorbenen Kinder. Sie machen damit auch öffentlich aufmerksam auf Schicksale, die jede Familie treffen können.

von Marian Riedel

Herzenswald Gera
Im Herzenswald können Familienangehörige an ihre verstorbenen Kinder erinnern. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Private Schicksale, aber keine Einzelfälle

Bei den Günthers aus Brahmenau war es ein Motorradunfall des Sohnes, der mit einem Schlag das normale Familienleben völlig aus der Bahn riss. Andere Eltern müssen verkraften, dass ihr Kind sein Leben selbst beendete. Wieder andere sagen wie Kerstin Schweiß, es wäre nach schwerer Krankheit des Kindes auch wie eine Erlösung gewesen. Und trotzdem bleibt da das, was wohl alle betroffenen Eltern und Geschwister fühlen: eine Lücke. 

Petra Hohn kennt das aus eigener Erfahrung. Als Bundesgeschäftsführerin des Vereins Verwaiste Eltern e.V. kennt sie die Statistik genau: Jahr für Jahr sind es 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die viel zu früh aus dem Leben gerissen werden. Dann fehlt urplötzlich nicht nur das Kind in der Familie - auch im Umfeld ändert sich schlagartig vieles. Nachbarn und Freunde wissen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. "Das drückt auf die Seele, macht dich fast handlungsunfähig", sagt ein Mann bei der Einweihung des Herzenswaldes. Und, dass er froh sei, wenn durch diese 22 Bäumchen auch Spaziergänger und Wanderer aufmerksam werden auf die Schicksale.

Trauern, erinnern und gemeinsam weitermachen

Am Herzenswald in Gera wird auch eine mannshohe Skulptur für Aufmerksamkeit sorgen. Der Geraer Holzkünstler Marcus Malik hat sie geschaffen. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Engel, der ein Herz beschützt. Herzballons lassen die betroffenen Eltern nach der Enthüllung in den Himmel steigen.

Herzenswald Gera
Der Geraer Holzkünstler Marcus Malik hat diese Skulptur geschaffen. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Aus einem Lautsprecher ist ein Lied zu hören: "An jedem Tag, der hier vergeht wird es besser Stück um Stück. Doch kein Tag, der hier vergeht, bringt dich wieder zurück". Damit klar zu kommen, das fällt leichter im Kreis von ebenso Betroffenen. In den Selbsthilfegruppen wissen sie es: Manche Eltern fragen sich anfangs in ihrer Verzweiflung, ob sie nicht dem Kind folgen sollten.
"In unserer Gruppe wollen alle, dass wir das Leben weiter hinkriegen", sagt Kerstin Schweiß. Deshalb treffen sie sich einmal im Monat. Und für Notsituationen könne man sich auch schnell außer der Reihe jemanden anrufen.

Von persönlichem Leid zur Hilfe für andere

500 Selbsthilfegruppen und Vereine gibt es in Deutschland. Für Ostthüringen waren es Cornelia und Holger Günther aus Brahmenau, die so eine Gruppe gründeten. Beide sind mit dem Thüringer Familienpreis ausgezeichnet worden, beide haben nach ihrem familiären Schicksalsschlag gelernt, anderen zu helfen. Die Heilpädagogin und der Busfahrer sind inzwischen als zertifizierte Trauerbegleiter und Notfallseelsorger tätig - ehrenamtlich, neben ihrer Arbeit. Dafür dankte Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb der Familie Günther, die für die Idee eines Herzenswaldes auch im Geraer Rathaus um Unterstützung geworben hatte. 

"Regenbogenwald" in Erfurt

Bereits seit 2011 gibt es auf dem Hauptfriedhof in Erfurt den Regenbogenwald. Auch dort haben Familien Bäume für ihre verstorbenen Kinder, Geschwister und Enkel gepflanzt. Weitere Bäume kommen jedes Jahr im Frühjahr und Herbst hinzu. Die Familien treffen sich jedes Jahr im September zum Austausch. Bei Kaffee und Kuchen wird in gemütlicher Runde der verstorbenen Kinder gedacht. Der Regenbogenwald entstand auf Initiative der Kontaktgruppe "Weiterleben ohne dich" für frühverwaiste Eltern sowie der Gruppe "Trauernde Eltern" für verwaiste Eltern.

Brennende Kerzen auf einem Kirchenboden
Candle lighting day in der Erfurter Michaeliskirche Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Gedenken an verstorbene Kinder auch am Candle lighting day Jedes Jahr wird am zweiten Sonntag im Dezember weltweit der verstorbenen Kinder gedacht. In diesem Jahr fällt der Candle lighting day, der internationale Gedenktag für verstorbene Kinder, auf den 9. Dezember. Für die Kinder wird an diesem Sonntag jeweils um 19 Uhr Ortszeit eine Kerze angezündet und ins Fenster gestellt. Auf diese Weise bildet sich symbolisch ein Lichtband um die Welt, der für die Kinder leuchten soll. Stunde um Stunde zieht das Lichtband so einmal um die Erde.

In vielen Orten gibt es am Candle lighting day auch Gedenkfeiern. So wird in diesem Jahr beispielsweise in Weimar um 10 Uhr im Sophien- und Hufeland-Klinikum, in Erfurt um 16 Uhr in der Michaeliskirche und in Gotha um 16:30 in der Versöhnungskirche an die Kinder gedacht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2018, 08:50 Uhr

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