Rechtsextremismus Prozessbeginn gegen mutmaßliche "Jungsturm"-Mitglieder

Brutale Überfälle auf gegnerische Fans, Raub und illegale Hooligan-Kämpfe. Die Liste der Taten, die den vier mutmaßlichen "Jungsturm"-Mitgliedern vorgeworfen werden, ist lang. Zwischen 2014 und 2019 sollen die Männer immer wieder schwere Körperverletzungen begangen haben. Zum Teil sollen die Hooligan-Kämpfe sogar auf Video aufgenommen worden sein.

Landgericht Gera von außen
Der Prozess am Landgericht Gera ist vorerst bis März 2021 geplant. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Ein Waldstück irgendwo in Deutschland. Zwei Männergruppen in Trainingskleidung gehen aufeinander zu, stürzen sich aufeinander. Der anschließende Kampf dauert nur wenige Augenblicke. Das Video, das MDR THÜRINGEN vorliegt, zeigt einen der illegalen Hooligan-Kämpfe, die Mitglieder der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" bundesweit organisiert haben sollen. Im Video sind auch mehrere der Angeklagten als Kämpfer zu sehen. Sogar bereits am Boden liegende wehrlose Gegner sollen die "Jungsturm"-Mitglieder laut Staatsanwaltschaft bei ihren Kämpfen und Überfällen getreten und geschlagen haben.

Aktive Kampfsportler als Hooligans

Immer wieder soll die Gruppe auch gegnerische Fans zum Beispiel des FC Carl Zeiss Jena brutal überfallen und zusammengeschlagen haben. Sogar Mitgliedsbeiträge kassierte die Hooligan-Gruppe aus dem Fanspektrum des FC Rot-Weiß Erfurt.

Mehrere Mitglieder sind aktive Kampfsportler, einige haben nach MDR THÜRINGEN-Informationen auch an einschlägigen Neonazi-Kampfsportveranstaltungen teilgenommen. Ein Mann, dem die Staatsanwaltschaft eine Führungsfunktion in der Gruppe zuordnet, ist ein prominenter Kickboxer aus Halle, der bis zu seiner Festnahme im April beim Verein "la familia FIGHTCLUB Halle" als Kämpfer, Vorstandsmitglied und Kindertrainer aktiv war.

Mehrere "Jungsturm"-Mitglieder hatten nach MDR THÜRINGEN– Recherchen außerdem über Jahre als Sicherheitsleute bei Veranstaltungen und Festivals gearbeitet.

Enge Verbindungen in die internationale Neonaziszene

Nach MDR THÜRINGEN- Informationen ist die Gruppe nicht nur seit Jahren eng in der rechtsextremen Szene Thüringens vernetzt. So pflegte der so genannte "Jungsturm" auch Kontakte ins internationale militante Blood & Honour-Netzwerk und zu rechtsextremen Hooligan-Gruppen in Osteuropa.

Für interne Treffen und Trainings sollen die Thüringer laut Staatsanwaltschaft die Räumlichkeiten eines Hotels in Kirchheim bei Erfurt genutzt haben. Nach MDR THÜRINGEN Informationen handelt es sich dabei um die so genannte "Erlebnisscheune", in der seit Jahren immer wieder Neonazi-Konzerte und Tagungen rechtsextremer Parteien stattfinden. Das Objekt gilt als eine der wichtigsten Immobilien in Thüringen, auf die Neonazis regelmäßig zurückgreifen können.

Mobit: Zügiger Prozessbeginn als wichtiges Zeichen

Ein Sprecher der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit) sagte MDR Thüringen, die Professionalisierung der Gewalt und die extrem rechte Ideologie machten die Gruppe zu einer erheblichen Gefahr. "Mehrere Mitglieder sind in den vergangenen Jahren auch wegen zahlreicher Gewaltdelikte verurteilt worden.

Dies zeigt deutlich, dass die Gewalt auch weit über den Kontext Fußball hinaus Anwendung findet und es so immer wieder zu brutalen Angriffen kommen kann." Eine schnelle Aufarbeitung der Straftaten sei zentral, um den Tätern nicht das Gefühl zu geben, ihre Taten hätten keine Konsequenzen, so der Mobit-Sprecher. "Der zügig beginnende Prozess ist also ein wichtiges Zeichen für den Umgang mit extrem rechten Gewalttätern."

Prozess bis März 2021 geplant

Ende April war die Polizei mit Razzien gegen Mitglieder der Gruppe vorgegangen, mehrere Angeklagte im Alter zwischen 21 und 29 Jahren sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Für den Prozess vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Gera sind bis März 2021 27 Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. November 2020 | 08:00 Uhr

22 Kommentare

martin vor 2 Wochen

@sz: Wenn Sie mit Ihren "Informationen" an den Kommentarrichtlinien scheitern würden, wirft das ein interessantes Schlaglicht auf Ihre "Informationen".....

JanoschausLE vor 2 Wochen

Tja, SZ-Rentner, das googeln fällt nicht schwer, "normale Graffitto-Künstler"
mögen hier und da vielleicht mal mildere Strafen erhalten, aber, wenn die Rechten "Graffitikünstler" bei ihren Schmiereien Hakenkreuze, SS-Ruhnen und andere Symbolik hinterlassen, dann kommt zur Sachbeschädigung nach 303 StGB noch der 86a StGB hinzu, also zwei Straftaten. Der 86a ist höher bewertet. Sieht man schon daran, dass die 86a weit vor der 303 steht. Also, Ihr Aufplustern ist recht sinnfrei. Ich weiß ja nicht, ob Sie das erste Urteil von der Randale in Stuttgart mitbekommen haben, der Richter ist sogar weit über die Forderung der Staatsanwaltschaft (2Jahre Bewährung) gegangen, der Typ hat, wenn seine Berufung nicht durchgeht, 2,5 Jahre Zeit, nachzudenken, Kost und Logie bezahlt der BaWü Steuerzahler. Und, ein politisch rechts zu verortender Hintergrund der Tat ist mir nicht bekannt.

SZ Rentner vor 2 Wochen

@ Janoschaus LE
"Und, was sind Ihre Regionalzeitungen und größeren Blätter? "
Einfach beim googlen nicht zu .... anstellen . Ich gehe davon aus das ich ihnen die Suchbegriffe nicht mitteilen kann (Kommentarrichtlinien) .

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