Staatsschutzkammer "Jungsturm"-Prozess beleuchtet Hooligan-Szene - Angeklagte schweigen

Telefonüberwachung, Durchsuchungen, Observationen: Zum Auftakt des sogenannten "Jungsturm"-Prozesses in Gera wurde schon am Donnerstag deutlich, mit welchem Aufwand die Ermittler Beweise gegen die vier Angeklagten sammelten.

Die 21, 26, 28 und 29 Jahre alten Männer schwiegen vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts zu den Vorwürfen. Der Verteidiger des 26 Jahre alten Angeklagten sagte, sein Mandant wolle sich "zum heutigen Zeitpunkt"» nicht zu den Vorwürfen äußern.

Mehrere schwerwiegende Anklagepunkte

Die Staatsanwaltschaft Gera wirft den vier Männern eine ganze Reihe von Straftaten vor: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Raub und gefährliche Körperverletzungen. Die Beschuldigten sollen Mitglieder des "Jungsturms" sein - einer Gruppierung aus dem Umfeld des Fußballclubs Rot-Weiß Erfurt, in der sich nach Einschätzung der Ermittler nicht nur gewaltbereite, sondern auch rechtsgerichtete Fußballfans gesammelt haben.

Verbindungen innerhalb der Fußballszene

Die Angeklagten hätten bei dieser Gelegenheit immer wieder auch gegen die Köpfe von Anhängern der anderen Clubs geschlagen und getreten - selbst wenn diese schon am Boden lagen. Die Details deuten auf enge Verbindungen innerhalb der gewaltbereiten deutschen Fußball-Szene hin. So sollen sich die Angeklagten bei diesen Auseinandersetzungen mit Anhängern von Fußballvereinen aus Essen, Babelsberg, Frankfurt und Bielefeld getroffen haben, um gegenseitig aufeinander einzuschlagen.

Prozess soll bis März 2021 dauern

Schon jetzt hat die Kammer fast 30 Verhandlungstage für das Verfahren festgelegt. Der letzte davon soll Anfang März 2021 stattfinden. Zum Prozessauftakt beschrieb der Ermittlungsführer der Polizei in dem Verfahren ausführlich, mit welchem Aufwand die Beamten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft in den vergangenen Monaten gegen die Angeklagten ermittelt haben.

Bericht über Ermittlungsarbeit

Bei ihnen und weiteren Beschuldigten hatte es umfangreiche Durchsuchungen gegeben. Auch Telefone wurden dem Beamten zufolge abgehört. Zudem hätten die Thüringer Polizisten in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt Nachrichten mitgelesen, die die Angeklagten über Messenger-Dienste geschrieben hatten. Obendrein seien sie observiert worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. November 2020 | 18:00 Uhr

4 Kommentare

JanoschausLE vor 2 Wochen

"Die Staatsanwaltschaft Gera wirft den vier Männern eine ganze Reihe von Straftaten vor: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Raub und gefährliche Körperverletzungen."
So schwer?

winkler vor 2 Wochen

"Die Beschuldigten sollen Mitglieder des "Jungsturms" sein - einer Gruppierung aus dem Umfeld des Fußballclubs Rot-Weiß Erfurt, in der sich nach Einschätzung der Ermittler nicht nur gewaltbereite, sondern auch rechtsgerichtete Fußballfans gesammelt haben".

Klärt mich mal bitte auf: Wo ist hier der konkrete Straftatbestand ?

Peter vor 2 Wochen

Sehr gut, dass endlich gegen die rechte Hooliganszene vorgegangen wird.
Ich hoffe auf die gleiche Konsequenz bei der Aufarbeitung der Ausschreitungen im Zusammenhang mit der Querdenker-Demo an den Tag gelegt wird. In diesem Zusammenhang empfehle ich zu lesen: https://www.sportschau.de/fussball/querdenken-hooligans-100.html

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen

Tafel mit Aufschrift 'Alle Speisen zum mitnehmen. Bitte einzeln eintreten.' 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Nordhausen unterstützt die Gastrobetriebe der Region auf ihrer Homepage. Betriebe, die etwas zum Mitnehmen anbieten können das auf der Stadtseite tun.

27.11.2020 | 17:30 Uhr

MDR THÜRINGEN Fr 27.11.2020 19:00Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/nordhausen/nordhausen-gastro-to-go-stadt-online-video-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Reporter hält verpackten Weihnachtsbaum 3 min
Bildrechte: MDR/Mitteldeutscher Rundfunk